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30. November 2017 - Stiftung Datenschutz

Datenportabilität: 5 Fragen und Antworten von Experten

Die Europäische Datenschutz-Grundverordnung sieht für Verbraucher das Recht vor, ihre Daten von einem Anbieter zu einem anderen mitzunehmen. Eine Studie der Stiftung Datenschutz sieht hier noch ungeklärte Fragen und schlägt Lösungen vor.

Daten mitnehmen - noch nicht ganz so einfach! Mit der DSGVO erhalten Verbraucher das Recht auf Datenportabilität. Doch es gibt noch einige Fragen rund um die Datenübertragbarkeit. (Bild: Wavebreakmedia Ltd / Wavebreak Media / Thinkstock)

Ab Mai 2018 können die Nutzer ihre Daten bei einem Wechsel des Anbieters einfach mitnehmen (Datenportabilität). Das garantiert Artikel 20 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).

Demnach hat jeder das Recht, die ihn betreffenden und von ihm bereitgestellten Daten zur Verfügung gestellt zu bekommen oder transferieren zu lassen. Das muss in einem strukturierten Format passieren (siehe dazu auch WP 242 mit den Leitlinien der Artikel-29-Gruppe).

Besserer Verbraucherschutz?

Das klingt zunächst sehr positiv und nach einer Stärkung der Verbraucherrechte:

  • Von einem sozialen Netzwerk zu einem anderen Anbieter wechseln und seine persönlichen Daten einfach mitnehmen.
  • Oder bei einem Wechsel der Versicherungsgesellschaft die bisher gespeicherten Daten umziehen lassen.

Noch wenig konkret

Das sieht nach den Buchstaben der Datenschutz-Grundverordnung sehr positiv aus. Allerdings zeigt sich die Verordnung in dieser Hinsicht technikneutral. Sie macht keine weiteren Angaben darüber, WIE Unternehmen diesen Wechsel in der Praxis durchführen sollen.

In ihrer Studie kommt die Stiftung Datenschutz zu dem Schluss, dass derzeit noch wenig Klarheit besteht. Das betrifft sowohl die rechtliche Auslegung als auchdie technischen Anforderungen.

Offene Fragen und Lösungsvorschläge

Eine der Ideen hinter der Datenportabilität besteht darin, den Wechsel des Anbieters zu erleichtern. Das soll Monopole im Digitalmarkt aufbrechen.

Allerdings fehlt es bei großen Anbietern wie Facebook und Google an geeigneter Konkurrenz. Das könnte der ursprünglichen Idee zuwiderlaufen.

Gerade für kleinere und mittlere Unternehmen warten große Herausforderungen. Hier braucht die Wirtschaft noch Unterstützung durch den Gesetzgeber. Die Studie der Stiftung Datenschutz sieht hier folgende offene Felder:

1. Vervielfältigung vs. Datensparsamkeit

Gegenüber dem bisherigen Dateninhaber hat der Gesetzgeber keinen automatischen Anspruch auf Löschung der zu übertragenden Daten vorgesehen. Die Experten rechnen damit, dass durch die Vervielfältigung der Daten das Schutzniveau sinken könnte. Zudem widerspricht dies dem Grundsatz der Datensparsamkeit.

2. Woher weiß ich, wer befugt ist?

Derzeit noch nicht geklärt ist, wie geeignete Identifizierungs-Maßnahmen aussehen können. Schließlich muss sichergestellt werden, dass die Daten nur der Anspruchsberechtigte oder ein von ihm benannter Empfänger erhält.

3. Welches Format ist geeignet?

In der Praxis werden die meisten Betroffenen innerhalb der gleichen Branche den Anbieter wechseln. Dies erleichtert die Definition einheitlicher Formate, die derzeit noch nicht feststehen.

Es muss gewährleistet sein, dass die technischen Lösungsansätze durch offene Schnittstellen grundsätzlich untereinander interoperabel sind.

4. CSV als Standard?

Die Studie hat auch untersucht, wie die gesetzlichen Vorgaben eines “strukturierten, gängigen und interoperablen” Formats in der Praxis aussehen könnten.

Als Mindestvoraussetzung plädiert die Stiftung Datenschutz für das bekannte und bewährte CSV-Format. Mittels einer einfachen Beschreibung könnte definiert werden, wie die Daten in der Datei anzuordnen sind.

Für umfangreichere Lösungen erscheinen den Experten die Formate XML oder JSON geeignet. Die mitgelieferten Metadaten ermöglichen die Maschinenlesbarkeit, zum anderen kann der Betroffene die Daten mit Standardsoftware selbst einsehen.

5. Wie sicher ist die Übertragung?

Definiert werden sollte außerdem die Datensicherheit bei der Datenübertragung. Hier empfiehlt die Stiftung Datenschutz eine Verschlüsselung.

Die Studie finden Sie kostenlos online.

Stephan Lamprecht

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