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20. Dezember 2018 - Amazon

Datenpanne: Amazon gab intime Alexa-Sprachdateien weiter

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Das hatten Datenschützer und Kritiker von Spracheingabe-Systemen wie dem Echo-Lautsprecher von Amazon immer befürchtet: Offenbar übermittelte der Handels- und Technologiekonzern die intimen Sprachaufzeichnungen eines Nutzers an einen Dritten.

Amazon Alexa Erst kürzlich wurde wegen einer Datenpanne ein Bußgeld verhängt (Bild: AndreyPopov / iStock / Getty Images)

Bei diesem Vorfall hatte der Handelsriese zunächst in bester Absicht gehandelt, um einer Verpflichtung aus der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) nachzukommen. Allerdings mit einem fatalen Fehler.

Kunde bittet um Auskunft und erhält Fremddaten

Wie das Magazin c’t berichtet, bat ein Kunde die deutsche Niederlassung des Konzerns um Auskunft der zu ihm gespeicherten Daten. Nach zwei Monaten erhielt der Betroffene eine ZIP-Datei, deren Inhalt sich als brisant erwies.

In dem Archiv waren rund 50 Dateien enthalten, die sich auf die Person des Betroffenen bezogen. Dieser fand zu seiner Überraschung weitere 1.700 Audio-Dateien im WAV-Format sowie eine PDF-Datei.

Letztere enthält Transkripte darüber, was Amazons KI-Lösung „Alexa“ an Spracheingaben verstand. Der besagte Kunde besitzt aber keinen solchen Lautsprecher und nutzte die Spracherkennung des Anbieters bisher nicht.

Auf seine Nachfrage beim Unternehmen und den Hinweis, dass es sich um eine Verwechslung handeln müsse, erhielt der Kunde keine Auskunft. Stattdessen löschte Amazon den Link zum Download der Daten. Der Betroffene wendete sich anschließend vertraulich an die Redaktion des Fachmagazins.

Aufnahmen stammen hörbar aus Intimbereichen

Laut der Redaktion stammen die Sprachaufzeichnungen hörbar aus dem Intimbereich einer anderen Person, beispielsweise aus Wohnzimmer, Schlafzimmer und Bad.

Und den Journalisten gelang es anhand der Informationen den bisher unbekannten Dritten zu ermitteln. Dieser zeigt sich überrascht, zumal Amazon ihn über die offensichtliche Panne nicht informierte.

Ob der Fehler gemeldet wurde, ist offen

Dass falsche Daten weitergereicht wurden, deutet darauf hin, dass es keine ausreichende Prüfung der Informationen von Amazon gab. Eine Vier-Augen-Kontrolle kann kaum stattgefunden haben.

c’t zitiert die Stellungnahme des Konzerns, wonach es sich um einen menschlichen Fehler und isolierten Einzelfall gehandelt habe. Zudem seien Maßnahmen ergriffen worden, um die Prozesse zu verbessern. Vorsorglich stehe das Handelsunternehmen in Kontakt mit den zuständigen Behörden.

Der Fall wirft die Frage nach dem Datenschutz und der Verantwortung dafür auf. Denn auch Händler nutzen beispielsweise solche Lautsprecher-Systeme in ihren Geschäften.

Stephan Lamprecht