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19. Juli 2019 - Datenschutz allgemein

Das Privatsphäre-Paradoxon

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Eine aktuelle Umfrage ergab, dass immer mehr Deutsche sich sorgen über ihre Privatsphäre im Netz machen. Paradoxerweise achten aber zunehmend weniger User tatsächlich darauf. Ist die DSGVO daran schuld?

Nutzer machen sich zwar Sorgen um ihre Privatsphäre im Netz, aber handeln nicht danach. Nutzer sorgen sich zunehmend um ihre Privatsphäre im Netz, aber immer weniger kümmern sich selbst darum. (Bild: jacoblund / iStock / Getty Images)

Die Brabbler AG hat in einer Umfrage untersucht, welche Meinung die Deutschen zur Privatsphäre im Internet vertreten.

Das Fazit fassen die Studienautoren als „Privatsphäre-Paradox“ zusammen.

Mehr Sorgen um den Datenschutz

Das Paradoxon steht für den Widerspruch, dass Nutzer sich zwar Sorgen um ihre Privatsphäre im Netz machen. Nachgewiesenermaßen handeln Sie aber überhaupt nicht im Sinne ihrer Intimität. Dieser Widerspruch hatte sich laut Studie noch verschärft.

Für die Studie wurde im Zeitraum vom 30. April bis 13. Mai 2019 eine Online-Umfrage vom Unternehmen Toluna Deutschland durchgeführt. Das Kerngeschäft der Firma liegt im Bereich Meinungsforschung.

Beteiligt haben sich 729 berufstätige Deutsche im Alter zwischen 20 und 60 Jahren.

Studie vor einem Jahr: Weniger Bedenken

66 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, ein schlechtes Gefühl zu haben, wenn sie über den Schutz ihrer persönlichen Daten im Internet nachdenken.

Die gleiche Frage wurde bereits vor einem Jahr in einer Umfrage gestellt. Seinerzeit äußerten noch vier Prozentpunkte weniger diese Bedenken.

Gegenüber der ersten Befragung ist auch die Zahl der Personen gewachsen. Die die Meinung vertreten, sie müssen  mehr unternehmen, um ihre Daten zu schützen. Waren 2018 noch 67 Prozent dieser Ansicht, sind es jetzt 69 Prozent.

Haben die Berichte zur DSGVO sorglos gemacht?

70 Prozent der Befragten gaben an, dass sie aktiv den Zugriff von Apps einschränken um ihre Daten zu schützen. Im Vorjahr kümmerten sich erst 67 Prozent um dieses Thema.

Eingebrochen ist aber der Umgang mit Datenschutzhinweisen. Weniger als die Hälfte der Befragten sagten aus, dass sie diese prüfen. Im vergangenen Jahr waren es noch 65 Prozent.

Ist die DSGVO der Grund?

Das Ergebnis der Umfrage lässt den Schluss zu, dass möglicherweise die DSGVO, genauer die Berichterstattung, der Grund für diesen Einbruch war.

Denn im vergangenen Jahr vertraten 34 Prozent der Befragten die Meinung, dass der Gesetzgeber ihre persönlichen Daten gut schütze.

Ein Jahr später sind 38 Prozent dieser Ansicht. Es wäre also denkbar, dass die DSGVO das Alibi für das eigene halbherzige Handeln liefert.

Laden Sie sich die Studie kostenlos herunter. Darin sind die Zahlen zur Nutzung und Zufriedenheit von Facebook-Angeboten enthalten.

Stephan Lamprecht