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24. Januar 2020 - Erbschaft

Das Digitale Erbe – Datenschutz über den Tod Hinaus

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Mit der eigenen Sterblichkeit setzt sich niemand gern auseinander. Doch immer häufiger sehen sich Erben mit Fragen des Datenschutzes konfrontiert. So zum Beispiel auch beim Nachlass von Benutzerkonten bei sozialen Netzwerken. Eine Studie gibt jetzt konkrete Empfehlungen zum Umgang mit digitalen Nachlässen.

Die Studie "Der digitale Nachlass" gibt jetzt konkrete Empfehlungen zum Umgang mit virtuellen Erbschaften. Die Studie "Der digitale Nachlass" setzt sich mit der Frage nach dem virtuellen Vermächtnis auseinander. (Bild: Ulf Wittrock / iStock / getty Images Plus)

Das Bundesjustizministerium hat die Studie „Der digitale Nachlass“ gefördert. Beteiligt waren

  • das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT),
  • Rechtswissenschaftler der Universitäten Bremen
  • sowie der Universität Regensburg.

Diese setzt sich mit der Fragestellung auseinander, wie digitale Vermächtnisse zu beurteilen und zu handhaben sind.

Dabei spielt auch der Datenschutz eine wichtige Rolle, wenn der Erblasser etwa verhindern will, dass seine Erben an Daten und Inhalte gelangen. Das könnte der Fall sein, wenn diese ihm über seinen Tod hinaus unangenehm wären.

Erben haben vollen Zugriff

Die Studie berücksichtigt sowohl finanzielle (wie PayPal-Guthaben oder E-Books) wie ideelle Werte. Das sind unter anderem Profile in sozialen Medien.

Sofern der Erblasser keine Verfügung trifft, stehen die Daten den Erben in vollem Umfang zur freien Verfügung. Sie können und dürfen alle lokal gespeicherten Daten des Verstorbenen auslesen. Juristisch gedeckt ist ebenfalls der Zugang zu Online-Profilen des Erblassers.

Testament regelt Details

Generell empfehlen die Forscher, ein Testament zu hinterlassen. Wenn der Erblasser einen digitalen Inhalt einer bestimmten Person überlassen wolle, könnte dies über ein Vermächtnis oder eine Teilungsanordnung erfolgen.

Dabei sind Auflagen möglich, in denen die Erben angewiesen werden, sich in einer festgelegten Art und Weise zu verhalten. So können Erblasser verfügen, dass gewisse Daten ohne Einsicht durch die Erben zu löschen sind.

Liste mit Zugangsdaten

Wichtig, damit es später für die Erben leichter wird wäre, so die Forscher, getrennt vom Testament und einer Vorsorgevollmacht zusätzlich eine Liste der Zugangsdaten  zu führen.

Diese soll gesammelt  alle Online-Nutzerkonten mitsamt den Passwörtern enthalten. Selbstverständlich muss die Liste auch aktuell gehalten werden.

Dass diese Idee nicht gerade von Datenschützern kommt ist klar. Sollten Sie so eine Liste führen, empfiehlt es sich diese nicht direkt neben dem Rechner zu verwahren.

Am ehesten sollten sie diese an einem sicheren Ort, wie zum Beispiel einem Safe, aufbewahren und natürlich sollten sie alle Tipps und Tricks für ein sicheres Passwort beachten. Auch der Landesbeauftragte für Datenschutz aus Baden-Württemberg hat im Februar 2019 Tipps für den Umgang mit Passwörtern veröffentlicht.

In der Nachlass Studie sind Vorlagen für letztwillige Verfügung enthalten. Dazu gehört etwa ein Muster für eine digitale Vollmacht.

Mit diesem Dokument räumt man einer Person im Falle der eigenen Handlungsunfähigkeit die Möglichkeit ein, als Stellvertreter in digitalen Angelegenheiten zu agieren. So kann der Vertreter, zum Beispiel Daten aus sozialen Netzwerken herunterladen oder das Profil löschen.

AGB’s enthalten selten den Todesfall

Das Thema ist nicht nur deshalb relevant, weil es jeden treffen kann. Die Forscher haben exemplarisch die allgemeinen Geschäftsbedingungen von PayPal, Microsoft, Apple, Amazon, Sony und Facebook untersucht.

Dabei zeigte sich, dass bisher kaum ein Diensteanbieter konkrete Angaben zur Vererbbarkeit von digitalen Werten macht.

Laden Sie sich die Studie direkt als PDF-Datei herunter.

Stephan Lamprecht