14. September 2012 - Soziale Netzwerke

CouchSurfing.org bedient sich bei Mitgliederdaten

Eigentlich ist es eine pfiffige Idee, die hinter der Website CouchSurfing.org steckt: Mitglieder können sie nutzen, um auf ihren Reisen eine kostenlose Unterkunft zu finden oder eben diese anzubieten. Doch jetzt ruft eine beabsichtigte Änderung der Nutzungsbedingungen den Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit auf den Plan.

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CouchSurfer verzichten künftig auf Datenschutz (Quelle: A. Dreher/pixelio.de).

Das Ziel des Gastfreundschaftsnetzwerks, kostenlose Unterkünfte zu vermitteln, macht detaillierte Profile der Mitglieder nötig. Daten wie Namen samt Adresse und Rufnummer, aber auch Alter, Beruf und persönliche Interessen zählen dazu. Just diese Daten will der kommerzielle Betreiber der Site, die CouchSurfing International Inc. mit den neuen Nutzungsbedingungen, die am 14. September 2012 in Kraft treten, an Dritte weitergeben dürfen. Zudem räumt er sich das Recht ein, bei künftigen Änderungen der Nutzungsbedingungen oder Datenschutzbestimmungen seine Mitglieder nicht gesondert informieren zu müssen.

Freier Zugriff auf private Fotos

Als wäre das nicht genug an datenschutzrechtlich fragwürdiger Praxis, will sich das US-Unternehmen künftig auch bei hochgeladenen Inhalten wie Fotos und Nachrichten der Mitglieder bedienen dürfen. Denn CouchSurfing International Inc. erhält nach den neuen Bedingungen von den Mitgliedern automatisch die unwiderrufliche Erlaubnis zur Nutzung dieser Inhalte.

„Inakzepabel“

Für den deutschen Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Peter Schaar sind diese neuen Nutzungsbedingungen “ … inakzeptabel. Sie wären nach dem deutschen und europäischen Datenschutzrecht unzulässig. Die Nutzerinnen und Nutzer werden durch die neuen Nutzungsbedingungen genötigt, auf jegliche Kontrolle über ihre Daten zu verzichten, sofern sie den Dienst weiter in Anspruch nehmen wollen.“

Freilich sind Schaar die Hände gebunden, denn der Betreiber des Sozialen Netzwerks besitzt keine Niederlassung in einem Land der EU, so dass europäisches Datenschutzrecht nicht greift. Was Schaar bleibt, ist ein Protest bei der für die Datenschutzaufsicht in den USA zuständigen Federal Trade Commission, um auf die Missstände hinzuweisen.

(14.09.2012/fgo)

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