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Bundeskartellamt: Kaum Datenschutz bei Smart-TVs

Sind Smart-TVs sicher? Das Bundeskartellamt sagt nein. Die Behörde untersucht Smart-TVs von rund 20 Anbietern und warnt vor mangelnder Transparenz und zahlreichen Sicherheitslücken.

Ein Smart-TV ist praktisch und in den meisten Haushalten nicht mehr wegzudenken. Auch Unternehmen verwenden mittlerweile häufig smarte Fernseher an Stelle von Beamern.

Was den Fernseher smart macht:

Smart-TVs sind internetfähige Fernsehgeräte. Verbraucher können damit

  • das klassische Fernsehprogramm anschauen
  • und Internetangebote wie Video-Streaming und viele weitere Informationen und Funktionen nutzen.

Sie stehen stellvertretend für viele Geräte des Internet der Dinge – oder Internet of Things, kurz IoT.

Bundeskartellamt untersucht Smart-TVs

Das Bundeskartellamt übt aktuell harsche Kritik an Smart-TVs und ihren Herstellern. Am 1. Juli legten die Wettbewerbshüter den Abschlussbericht ihrer Sektoruntersuchung zu Smart-TVs vor.

Darin heißt es, mangelnde Transparenz und Verstöße gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) seien an der Tagesordnung.

Und auch beim Sicherheitsstandard der Geräte und Software-Aktualisierungen (Updates) gebe es Nachholbedarf.

Missbrauch von Userdaten für Geschäftszwecke

„Fast jedes neu verkaufte Fernsehgerät ist heute ein Smart-TV“, betonte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, bei der Veröffentlichung des Berichts.

„Bei vielen Smartfunktionen hinterlassen Verbraucher jedoch digitale Spuren. Die Empfänger der Daten nutzen diese geschäftlich und zwar meistens, ohne die Verbraucher vorab ordnungsgemäß über die Datenverarbeitung zu informieren. Das sollte sich ändern.“

Hersteller sammeln Daten

Die Sektoruntersuchung legt offen, dass Smart-TVs sehr viele personenbezogene Daten sammeln können:

Darüber hinaus können die TV-Hersteller einzelne biometrische Daten wie Stimme oder Cursorbewegungen erfassen und auswerten.

In Kombination mit anderen Geräten können sich laut Studie weitreichende Profile ergeben.

Verbraucher sind überfordert

Die Verbraucher können durch entsprechende Einstellungen an ihrem Fernsehgerät eigentlich verhindern, dass solche intimen Nutzungsdaten erhoben werden. Auch die Verwendung der Daten für personalisierte Werbung können Nutzer so umgehen.

In der Praxis wissen viele Verbraucher oft nicht, wie das geht. „Ist der Kauf erfolgt, fügen sich die Verbraucher regelmäßig in die ihnen bei der Ersteinrichtung des Geräts angezeigten Datenschutzbestimmungen und Nutzungsbedingungen, da sie hierzu keine Alternative sehen“, heißt es in der Pressemitteilung des Bundeskartellamts.

Bundeskartellamt veröffentlicht zehn Empfehlungen

„Datenschutz muss bei Smart-TVs – und auch generell bei kommunikationsfähigen Geräten des Internet of Things – zu einem echten Wettbewerbsparameter werden“, fordert Andreas Mundt.

Das Bundeskartellamt spricht dafür auf den Seiten 237 und 238 des Berichts zehn Empfehlungen [1] für Verbraucher, Entscheider, Unternehmen und Wissenschaft aus. Sie reichen

Mehr Informationen:

Elke Zapf