Gratis
27. April 2018 - Datenschutz allgemein

Big Brother Award für Microsoft

Drucken

Es gibt Preisverleihungen, zu denen Vertreter der ausgezeichneten Unternehmen gern erscheinen. Zu anderen kommen die Firmen lieber nicht. Der „Big Brother Award“ gehört zur zweiten Kategorie. In diesem Jahr erhielt Microsoft eine dieser eher zweifelhaften Auszeichnungen.

Preisträger 2018 unter anderem: Microsoft Den BigBrotherAward 2018 in der Kategorie "Technik" erhält die "Microsoft Deutschland GmbH"; Laudatio von Frank Rosengart (Bild: Fabian Kurz CC BY-SA 4.0)

In Deutschland wurde der Preis erstmals im Jahr 2000 verliehen. Vergeben wird er an Unternehmen und Organisationen, die in besonderer Weise und nachhaltig die Privatsphäre von Personen beeinträchtigen oder Dritten persönliche Daten zugänglich gemacht haben oder machen.

Während Microsoft im Jahr 2002 zur Verleihung erschien, hatte das Unternehmen diesmal bereits im Vorfeld die Vergabe zurückgewiesen.

Telemetriedaten von Windows 10

Microsoft erhielt den Preis in der Kategorie Technik. Das Unternehmen sammelt nach Ansicht der Jury in seinem Betriebssystem Windows 10 Diagnose-Daten, deren Übertragung nicht einmal von erfahrenen Nutzern vollständig abzuschalten ist.

Die Diskussion um diese „Telemetriedaten“ in Windows 10 ist nicht neu. Das Unternehmen betont in diesem Zusammenhang allerdings regelmäßig, dass es nicht um das Abschöpfen von Kundendaten gehe, sondern um die Verbesserung des Produkts.

Neue Tools im Betriebssystem sollen den Anwendern mehr Kontrolle über die Daten liefern. Doch kritische Stimmen bleiben.

Weitere Preisträger: Soma Analytics und Amazon

In der Kategorie Arbeitswelt ist das Münchener Unternehmen Soma Analytics der Preisträger. Es bietet Personalabteilungen eine App an, die unter Einbeziehung verschiedener Daten Rückschlüsse auf die Stressbelastung von Mitarbeitern bieten soll.

Die Firma wies den Preis mit der Begründung zurück, die Jury habe ihre Entscheidung auf Basis veralteter Informationen getroffen. Die angemahnten Funktionen seien experimentell gewesen und aus Gründen des Datenschutzes ersetzt worden.

In der Kategorie Verbraucherschutz findet sich ein weiterer bekannter Name. Amazon hat die Auszeichnung für den Lautsprecher Alexa erhalten.

Hier bemängelte die Jury die Verarbeitung der Daten in der Cloud sowie deren Abrufbarkeit noch Monate nach der Aufnahme.

Doch auch das Handelsunternehmen wollte den Preis nicht entgegen nehmen und wies die Kritik zurück. Die Verarbeitung der Daten in der Cloud erfolge verschlüsselt. Und zudem behielten die Nutzer die Kontrolle über die Aufnahmen, da jede einzelne direkt in der Alexa-App oder auf der Webseite von Amazon gelöscht werden könnten.

Stephan Lamprecht