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4. Oktober 2018 - Datenschutzauskunft-Zentrale

Betrugsmasche rund um die DSGVO

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Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch zweifelhafte Geschäftemacher auf den Zug der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) aufspringen. Nun versucht ein unseriös erscheinendes Unternehmen, die Unkenntnis von Firmeninhabern auszunutzen. Mehrere Datenschutzbehörden warnen mittlerweile vor der Datenschutzauskunft-Zentrale.

Betrugsmasche DSGVO Lassen Sie sich nicht von der „Datenschutzauskunft-Zentrale“ über den Tisch ziehen (Bild: Pitiphothivichit / iStock / Getty Images)

Bekannte Masche

So ganz neu ist die Masche nicht. Bereits vor Jahrzehnten haben Geschäftemacher versucht, unaufmerksame Kaufleute zum Kauf von Anzeigen in Branchenbüchern zu verleiten. Dabei erweckten die Absender den Anschein, mit der Telekom verbunden zu sein.

Wer in der Hektik des geschäftlichen Alltags das eingegangene Fax nicht genau genug las, buchte eine (überteuerte) Anzeige in einem Branchenverzeichnis. Nach diesem Muster geht aktuell eine „Datenschutzauskunft-Zentrale“ vor.

Spiel mit der Unerfahrenheit von Unternehmern

Wie zahlreiche Medien berichten, erhalten Unternehmer verschiedener Branchen ein Fax, das an die Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung (DGSVO) erinnert. Dabei setzen die Betrüger den Empfängern eine Frist, innerhalb der das beigefügte Formular zu unterschreiben und zurückzusenden ist.

Diese vordergründig kostenfreie und sprachlich mit Nachdruck vorgetragene Registrierung erweist sich bei genauerem Hinsehen als Abschluss eines kostenpflichtigen Vertrags über ein „Basisdatenschutz-Leistungspaket“ im Wert von mehreren Hundert Euro.

Dieses Paket soll Informationsmaterial, ausfüllfertige Muster, Formulare und Anleitungen zur Umsetzung der DSGVO enthalten. Der abgeschlossene Vertrag bindet den Absender für die Dauer von drei Jahren.

Landesbeauftragter für Datenschutz in Thüringen warnt

Der Thüringer Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (TLfDI) hat eine starke Zunahme von Anfragen an seine Behörde hinsichtlich dieses Fax festgestellt und umgehend reagiert.

In einer Mitteilung warnt die Behörde vor der Bearbeitung des Schreibens. Der Datenschutzbeauftragte weist ausdrücklich darauf hin, dass niemand zur Abgabe der geforderten Angaben an die „Datenschutzauskunft-Zentrale“ verpflichtet sei.

Für die Benennung von Datenschutzbeauftragten verweist die Behörde auf ihre vorbereitete Erklärung.

Hinweise zum Umgang mit dem Fax

Auch eine Reihe von Apothekern waren unter den Empfängern des Faxes. Auf Grund dessen hat die Chefredakteurin der Deutschen Apothekerzeitung ebenfalls Hinweise erstellt, wie sich Unternehmer beim Empfang des Faxes verhalten sollten:

  • Wer das Fax ungelesen unterschrieben und zurückgeschickt hat, dem sei geraten, seine Erklärung umgehend zu widerrufen und hilfsweise wegen arglistiger Täuschung anzufechten.
  • Rechnungen der Datenschutzauskunft-Zentrale sollten Geschädigte nicht bezahlen, sondern die Forderungen nach Widerruf und Anfechtung bestreiten.
  • Eventuell geleistete Zahlungen empfiehlt es sich, zurückzufordern.

Die Zeitung weist zusätzlich darauf hin, dass eine Strafanzeige wegen des Verdachts des (versuchten) Betrugs parallel möglich ist.

Stephan Lamprecht