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30. Oktober 2019 - Web-Tracking

Beschwerdeflut zu Google Analytics?

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Aktuell rollt offenbar eine Welle von Beschwerden auf die Aufsichtsbehörden zu. Stein des Anstoßes ist das Tracking von Webseiten mit „Google Analytics”, das viele Site-Betreiber nicht datenschutzkonform einsetzen.

Beschwerden zu „Google Analytics” Google Analytics (Bild: gmutlu / iStock)

Das hat der Datenschutz-Aktivist und Unternehmer Christian Bennefeld am Rande einer Veranstaltung erfahren. Nach seinen Informationen hat ein Vielsurfer Beschwerde über 20.000 Internetangebote eingereicht. Dort werde das Tool Google Analytics eingesetzt, aber die Regeln des Datenschutzes nicht eingehalten.

Im Land Nordrhein-Westfalen soll es einen ähnlichen Fall geben, bei dem 70.000 Sites beanstandet wurden.

Druck auf Datenschutzbehörden wächst

Die Aufsichtsbehörden dürften die Eingaben zwiespältig aufnehmen. So verursacht die Sichtung der Beschwerden ohne Zweifel viel Arbeit. Schon allein aufgrund der schieren Masse an Betreibern, die darin genannt sind.

Auf der anderen Seite eröffnet die Beschwerde auch die Chance, sich dem Thema „Google Analytics“ abschließend zu widmen.

Das scheint nicht zuletzt auch notwendig unter dem Gesichtspunkt des Urteils des EuGH zum Setzen von Cookies und der Einwilligung der Nutzer.

Google Analytics – beliebt und umstritten

Die Trackinglösung von Google ist bei Unternehmen eine beliebte Anwendung, um das Besucherverhalten auf Internetseiten zu verfolgen. Unter Datenschützern ist „Google Analytics“ seit vielen Jahren jedoch höchst umstritten.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass die erhobenen Daten auf Rechensystemen in den USA landen, um dort ausgewertet zu werden.

Der Code, den der Seitenbetreiber einbinden muss, erfüllt ohne manuellen Eingriff nicht die DSGVO. Erst durch eine händische Änderung wird die IP-Adresse des Besuchers nicht erhoben. Diese gilt ja bekanntlich als ein personenbezogenes Datum.

Gerade für Anwender mit wenig Erfahrung ist es nicht leicht, die Übersicht über die Maßnahmen zu behalten, um die Lösung datenschutzkonform einzusetzen.

So muss mit Google ein Vertrag über die Auftragsdatenbearbeitung abgeschlossen werden. Dazu bietet das Unternehmen zwar eine Vorlage an, der ganze Prozess ist aber schwer zu durchschauen.

Gute Aussichten auf Erfolg

Greifen die Aufsichtsbehörden die Beschwerde auf, dürften die Chancen gut dafür stehen, dass es in Zukunft mehr Rechtssicherheit beim Einsatz von Google Analytics geben wird. Denn aktuell ist es schwierig bis unmöglich, die Tracking-Lösung konform zur DSGVO einzusetzen.

Google bietet seinen Nutzern einen Textbaustein an, den diese in ihre Datenschutzerklärung einbauen können.

Eine Einwilligung zum Setzen eines Cookies oder dem Einsatz der Lösung vor dem Besuch einer Website ist aktuell nicht vorgesehen. Doch gerade dies scheint nach dem EuGH-Urteil dringend notwendig.

Stephan Lamprecht