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21. September 2017 - Biometrische Erkennungsverfahren

Apple stellt Face-ID vor – besser, aber auch sicherer?

Mit der Präsentation des neuen iPhone X hat Apple eine neue biometrische Sperre für das Gerät vorgestellt. Der Benutzer entsperrt sein Telefon mit der Aufnahme seines Gesichts. Das Verfahren „Face ID“ wirft Fragen auf.

iPhone X Gesichtserkennung Apple führt mit dem iPhone X eine neue Gesichtserkennungstechnik ein. (Bild: Apple)

iPhone X – Gesichtserkennung statt HomeButton.

Beim neuen Flaggschiff seiner iPhone-Reihe verzichtet Apple auf den sogenannten „HomeButton“, der als Sensor für den Fingerabdruck dient.

Statt diesen, wie viele andere Hersteller, auf die Rückseite des Geräts zu verlagern, hat das Unternehmen eine neue automatische Gesichtserkennung entwickelt.

Der Nutzer muss direkt in die Frontkamera schauen, um das Gerät zu entsperren. Das soll, nach Aussagen des Unternehmens, auch dann funktionieren, wenn der Anwender eine Sonnenbrille trägt.

3D-Modell vs 2D-Bilder.

Anders als andere bereits im Markt befindliche Systeme soll sich Face ID nicht durch ein Foto des Benutzers austricksen lassen.

Das hat mit der dahinter stehenden Technik zu tun. Denn die Sensoren des Telefons nehmen kein zweidimensionales Foto auf.

Vorteile der Infrarot-Technologie.

True Depth („Wahre Tiefe“) nennt Apple die Methode zur Erfassung des Gesichts. Ein kleiner Projektor an der Vorderseite des Geräts wirft 30.000 unsichtbare Punkte auf das Gesicht.

Eine Infrarotkamera liest diese Projektion ein, um daraus ein dreidimensionales Abbild des Gesichts zu erstellen.

Somit schließen die Entwickler aus, dass sich die Logik durch einfache Fotos des Nutzers überlisten lässt.

Dank der Infrarottechnik soll Face ID bei schwachem Umgebungslicht und sogar in der Dunkelheit funktionieren.

Apple: Daten bleiben auf dem Smartphone.

Die ermittelten Daten werden als mathematisches Modell verschlüsselt auf dem Gerät gespeichert.

Die Informationen landen nach Aussage von Apple nicht auf den Servern des Unternehmens oder in der Cloud.

Stattdessen werden sie in einem „Secure Enclave“ genannten Speicherbereich des Smartphones abgelegt.

Das iPhone X kann derzeit nur das Profil eines Benutzers speichern.

Sicherheit beim Entsperren.

Um das Telefon zu entsperren, muss der Nutzer dem Gerät seine Aufmerksamkeit schenken.

Ein flüchtiges Ansehen genügt nicht. Der Anwender muss seine Augen offen auf den Bildschirm richten. Erst dann findet die Überprüfung statt.

Gegenüber dem Entsperren per Fingerabdruck steigt nach Aussage des Herstellers die Sicherheit.

Die Wahrscheinlichkeit, auf eine Person mit identischen Gesichtsmerkmalen zu stoßen, betrage etwa 1 zu 1 Million.

Im Falle eines Diebstahls scheinen die auf dem Smartphone gespeicherten Daten somit gut geschützt.

Schutz auch bei erzwungener Gesichtserkennung.

Das Sicherheitsniveau soll aber auch für den Fall hoch sein, dass der Anwender gezwungen wird, in das Telefon zu sehen.

So könnten Gewalttäter das Telefon einfach vor das Gesicht des Besitzers halten.

Für dieses Szenario ist Apple gewappnet. Zum einen ist das fokussierte Ansehen der Kamera notwendig

Zum anderen hebt ein gleichzeitiger Druck auf zwei Tasten an der Außenseite den Erkennungsprozess auf.

In diesem Fall kann das iPhone nur konventionell durch die Eingabe eines Zugangscodes entsperrt werden.

Wurde das Gesicht des Nutzers zweimal nicht erkannt, wird Face ID ebenfalls deaktiviert.

PIN / Passwort noch möglich.

Der biometrische Zugangsschutz ist optional. Nutzer, die das Gerät lieber per PIN oder alphanumerischem Passwort entsperren wollen, können dies nach wie vor.

US-Senator: Fragen zum Datenschutz.

Bei aller technischen Finesse und einem auf dem ersten Blick überzeugenden Sicherheitskonzept, wirft die neue Technik naturgemäß Fragen auf.

So hat der US-Senator Al Franken einen offiziellen Fragenkatalog an Apple geschickt.

Seiner Ansicht nach lassen sich biometrische Daten wie Gesicht und Fingerabdruck nicht verändern.

Deshalb erfordern diese Daten eine andere Behandlung in Hinblick auf Datenschutz und Datensicherheit.

Er stellt Apple unter anderem die Frage, ob sie oder Dritte in der Lage sind, die Gesichtsabdrücke zu extrahieren.

Der Senator möchte wissen, ob es etwa per physischem oder Fernzugriff möglich wäre, an die sensiblen Daten zu kommen.

Stephan Lamprecht

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