13. Dezember 2010 - Kommentar zu Wikileaks

Wikileaks und der Datenschutz

Für den einen ist Wikileaks eine „Terrororganisation“, für den anderen der „Geheimdienst des Volkes“. Sicher ist in jedem Fall, dass die Enthüllungen durch Wikileaks massive Folgen haben werden. Auf den Datenschutz könnte sich das durchaus positiv auswirken.

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Datensparsamkeit ist nur ein Weg von vielen, um gefährliche Datenlecks zu vermeiden (Bild: Thinkstock)

Die Veröffentlichungen auf Wikileaks haben spürbare Auswirkungen: auf die internationale Außenpolitik, auf die Sicherheitspolitik und nicht zuletzt auf den Datenschutz.

Hilfe für den Datenschutz?

Wie man auch zu den außen- und sicherheitspolitischen Konsequenzen stehen mag, Wikileaks könnte dem Datenschutz letztlich eine Hilfe sein.

Zu Recht haben sich die Datenschutzbeauftragten in Deutschland alarmiert und kritisch zu Wort gemeldet. „Geheimnisse und Tabus, Diskretion und Vertraulichkeit sind die Opfer unseres digitalen Zeitalters, das offenbar einer unbegrenzten Öffentlichkeit huldigt“, so zum Beispiel der rheinland-pfälzische Landesbeauftragte für den Datenschutz, Edgar Wagner, anlässlich der neuen Veröffentlichungen von Wikileaks.

Wikileaks sollte auch nicht ohne Folgen bleiben!

Der rheinland-pfälzische Landesbeauftragte für den Datenschutz zeigt in seinem Statement zu Wikileaks aber auch, dass sich Lehren aus diesem Datenleck ziehen lassen.

Man solle die Tugend der Verschwiegenheit wieder mehr pflegen als das Laster der Geschwätzigkeit. Das gelte für Diplomaten ebenso wie für die Nutzer sozialer Medien, so Edgar Wagner.

Datensparsamkeit statt Geschwätzigkeit

Aus dem Bundesjustizministerium hört man ähnliche Stimmen, die den Vorfall mit Wikileaks als „Warnung zur Datensparsamkeit“ deuten. Gleichzeitig werden die Pläne aus dem Bundesinnenministerium konkreter, den Datenschutz im Internet zu stärken.

Diese Entwicklungen sind zwar nicht nur als Folge von Wikileaks zu sehen, aber die Veröffentlichungen auf der Whistleblowing-Plattform könnten die Anstrengungen in Richtung Datenschutz durchaus beschleunigen. Allerdings muss dabei die Richtung auch stimmen.

Datensparsamkeit ist wichtig, aber nicht alles

Ohne Zweifel ist Datensparsamkeit eine zentrale Maßnahme, um die unnötige Anhäufung personenbezogener und anderer vertraulicher Daten zu vermeiden. Ein Durchsickern der Daten jedoch kann man auch mit „Need to know“ alleine nicht verhindern.

Das White House Office of Management and Budget (OMB) in den USA hat deshalb bereits in allen US-Bundesbehörden eine Prüfung der Verfahren angeordnet, die zum Schutz vertraulicher Daten eingesetzt werden. Dafür scheint es auch offensichtlich Bedarf zu geben, wenn man der Vermutung folgt, dass Wikileaks die Daten von einem Insider im US-Militär erhalten hat.

Innentäter müssen in den Fokus

Tatsächlich werden die Gefahren durch Innentäter immer noch unterschätzt. So sind es nur 26 Prozent der für NIFIS (Nationale Initiative für Informations- und Internet-Sicherheit e.V.) befragten Unternehmen in Deutschland, die für 2011 den Schutz vor den eigenen Mitarbeitern als wichtigen Trend in der Datensicherheit sehen.

Immerhin haben die befragten Unternehmen die Abwehr gegen Hacker als weniger zentral eingestuft. Dies wurde nur von zehn Prozent genannt, obwohl sich die meisten Sicherheitsmaßnahmen bisher nach außen richten.

Vielfältige Gefahren für die Datensicherheit durch Innentäter

Bislang werden die Gefahren durch Innentäter nicht oder nur unzureichend beachtet, obwohl sie sehr vielschichtig sind:

Aber bitte keine gläsernen Mitarbeiter!

Die Gefahr durch Innentäter wird unterschätzt, von Unternehmen wie auch von Staaten, wie Wikileaks deutlich zeigt. Aus Sicht des Datenschutzes darf die stärkere Fokussierung auf die Innentäter nun jedoch nicht zur umfassenden Mitarbeiterüberwachung führen.

Vielmehr gilt es, unerlaubte Zugriffe zu verhindern, ganz gleich, woher sie kommen. Die Vorstellung „Das Internet ist gefährlich, das eigene Netzwerk ist sicher“ muss über Bord geworfen werden.

Das wäre wenigstens eine positive Lehre aus Wikileaks.

Hinweise zu Schutzmaßnahmen gegen Innentäter und Außentäter gleichermaßen finden Sie in unserem Download:

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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