9. November 2015 - Was vom digitalen Radiergummi übrig bleibt

Datenschutz-Unterweisung „Löschen im Internet“

Einen digitalen Radiergummi, der auf Wunsch alle Daten aus dem Internet löscht, gibt es nicht. Trotzdem gibt es keinen Grund, einfach Informationen im Internet zu belassen, wenn sie gelöscht oder gesperrt werden sollen. Informieren Sie deshalb die Nutzer in Ihrem Unternehmen über die Löschfunktionen im Netz.

Unterweisen Sie die Mitarbieter, wie sie Daten löschen im Internet Löschen im Internet ist eine Wissenschaft für sich (Bild: Anatoliy Babiy / iStock / Thinkstock)

Erinnern Sie sich an die Lösungen, die in den letzten Monaten und Jahren versprachen, der Radiergummi für das Internet zu sein? Datenschutz PRAXIS hatte sich mehrere davon angesehen. Doch wie auch die EU-Agentur für Netzwerk- und Informationssicherheit (ENISA) meldete, gibt es keine technische Lösung für den digitalen Radiergummi, der bei Bedarf personenbezogene Daten eines Betroffenen aus dem Internet tilgt.

Technisch gesehen ist das Internet eine Datenfalle: Einmal im Internet veröffentlicht, muss man davon ausgehen, dass sich die Informationen kaum wieder zurückholen lassen. Das „Recht, im Internet vergessen zu werden“ ist keine Löschfunktion, sondern eine Forderung nach rechtlichen und vertraglichen Vorgaben, gemäß den Betroffenenrechten die Daten zu löschen bzw. zu sperren.

Daten löschen im Internet ist wichtig

Internetnutzer sollten aber nicht den Fehler machen, auf das Löschen im Internet ganz zu verzichten, weil „das sowieso keinen Sinn hat“. Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die personenbezogenen Informationen im Internet zumindest zu reduzieren. Dabei ist das Vorbeugen besonders wichtig, sprich

  • die Datensparsamkeit im Netz,
  • das Verschlüsseln vertraulicher Daten und
  • Einstellungen, die signalisieren, dass man als Nutzer kein Auslesen der eigenen Daten wünscht. Ein Beispiel ist hier die Browsereinstellung „Do Not Track“. Sie kann zwar nicht garantieren, dass die Nutzeraktivitäten nicht nachverfolgt werden. Aber bei vielen Websites findet man trotzdem Gehör mit seinem Wunsch.

Ebenfalls kennen sollten Internetnutzer die Löschanträge bei den Suchmaschinen. Wenn Google & Co. einen Link aus der Trefferliste nach Prüfung des Antrags löschen, sind die Daten zwar nicht verschwunden. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Dritte sie im Internet finden, sinkt deutlich.

Immerhin sind die Internetsuchmaschinen neben den sozialen Netzwerken die Hauptanlaufpunkte im Netz. Neben den Suchmaschinen wie Google gilt es deshalb auch die sozialen Netzwerke wie Facebook so zu kennen, dass man selbst seine Angaben löschen oder Inhalte Dritter prüfen lassen kann, damit sie entfernt werden. Da sich Funktionen ändern, sollten sich Internetnutzer regelmäßig informieren, wie das Löschen auf Facebook & Co. funktioniert.

Informationen löschen bedeutet zuerst: Auf die Suche gehen

Genau wie bei den lokalen Daten auf Endgeräten und im Netzwerk gehört zum Löschen von Daten die Suche nach ihnen. Gerade im Internet muss man damit rechnen, dass die eigenen Daten weit verstreut liegen. Würden die Informationen zum Beispiel nur auf einigen definierten Webservern vorgehalten, wäre ein Löschen möglich. Da es aber weltweit Kopien der Daten geben kann, auf anderen Webservern, irgendwo in der Cloud oder lokal bei anderen Internetnutzern, ist das vollständige Löschen für Betroffene technisch nicht umsetzbar.

Zuerst müssen Internetnutzer also wissen, dass ihre Daten im Netz verstreut sein können und wie sie danach im Internet suchen können. Wichtige Instrumente sind hier Internetsuchmaschinen, speziell die Personensuchmaschinen. Sie erreichen zwar nur einen Teil des Internets und haben keinen Zugriff auf das sogenannte Dark Web und Deep Web. Aber die Bereiche, in denen Dritte üblicherweise das Netz durchsuchen, machen sie zugänglich.

Findet man Daten, die man als Betroffener gelöscht oder gesperrt haben möchte, muss man sich an den Betreiber der Webseite wenden, nicht etwa an die Betreiber der Personensuchmaschinen. Einige von ihnen bieten zwar den (meist kostenpflichtigen) Service an, die Webseitenbetreiber zu kontaktieren. Aber ob das erfolgreicher ist als der eigene Versuch, bleibt dahingestellt.

Öffnen Sie in der Datenschutz-Unterweisung den Nutzern insbesondere die Augen, wo überall ihre Daten im Internet liegen können. Beispiele nennt die Arbeitshilfe:


Download:


Zusätzlich empfiehlt sich für Ihre Unterweisung, die Nutzer selbst suchen zu lassen, mit Personensuchmaschinen oder einfach mit einer Internetsuchmaschine. Allein das fördert meist schon Websites im Internet zutage, die eigentlich keine personenbezogenen Informationen des Betroffenen haben sollten.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker (Universität Bonn), Analyst und IT-Fachjournalist. Er ist Herausgeber und Fachautor zahlreicher Fachpublikationen.

Sie glauben, Sie hätten noch so viel Zeit? Falsch! Es gibt mehr zu tun, als Sie vielleicht denken! ▶ Zeit zu handeln