22. Februar 2010 - Soziale Netzwerke

Wie Google Buzz etwas für den Datenschutz bewirken kann

Google Buzz hat eine neue Diskussion über den Datenschutz in sozialen Netzwerken ausgelöst. Damit es aber nicht beim Buzz, also dem Gerede, bleibt, sollten Sie die Entwicklung nutzen und die Mitarbeiter über die Risiken durch soziale Netzwerke informieren. Dazu gehört weit mehr, als sich über Google Buzz aufzuregen oder diesen Dienst zu meiden.

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Gefährliches Gerede: Google Buzz (Bild: Thinkstock)

Google wollte den Schnellstart …

Für den Internet-Giganten Google wurde es also höchste Zeit, selbst im Bereich soziale Netzwerke mitzumischen. Damit weder Google noch die Google-Mail-Nutzer bei null anfangen müssen, erschien es vielleicht als gute Idee, allen Anwendern von Google Mail auch ein Google-Buzz-Konto zukommen zu lassen – mehr noch: Das neue soziale Netzwerk Google Buzz war bereits von Beginn an mit Kontaktlisten für jeden Nutzer gefüllt. Dieser schnelle Start war allerdings ein Fehlstart, wie er im Buche steht.

… und bekam Startschwierigkeiten

Wie unrund der Start von Google Buzz war, zeigen die zahlreichen Schlagzeilen um den Google-Dienst, darunter deutliche Kritik der Bundesverbraucherschutzministerin Aigner („Massiver Eingriff in die Privatsphäre“) und die Nachricht über die mögliche Sammelklage gegen Google Buzz in den USA.

Die Kritik entzündet sich insbesondere an der gefühlten Bevormundung der Buzz-Nutzer. Google nutzte seine Informationen aus dem Dienst Google Mail, um bestehende Kontakte zu finden und automatisch für Buzz einzurichten. Google-Mail-Nutzer, mit denen man häufigen Mail-Kontakt hatte, wurden ohne weitere Zustimmung zu Kontakten in Google Buzz. Diese Funktion „Auto Following“ in Google Buzz führte also dazu, dass an sich nicht-öffentliche E-Mail-Kontakte plötzlich für andere sichtbar wurden.

Google Buzz war zu redselig

So machte Google Buzz selbst zu viel Gerede, damit seinem Namen zwar viel Ehre, nicht aber dem Unternehmen Google. Die negativen Konsequenzen aus der öffentlichen Darstellung von häufigen E-Mail-Kontakten sind leicht vorstellbar: So konnten plötzlich Kontakte zwischen Anwälten und bestimmten Klienten ebenso öffentlich sichtbar werden wie der Austausch zwischen Unternehmen, die ein vertrauliches Projekt planten, sofern sie dafür Google Mail nutzten.

Doch an dieser Stelle wird bereits sichtbar, dass die herrschende Kritik weiter gehen muss und dass die Kritik nicht bei Google Buzz oder Google generell stehen bleiben darf.

Nutzen Sie die aktuelle Diskussion um Google Buzz und weisen Sie die Mitarbeiter auf die Risiken hin, wenn sie privat und/oder geschäftlich soziale Netzwerke nutzen. Hinweise und Tipps finden Sie in der Checkliste soziale Netzwerke.

Google Buzz zeigt ein generelles Problem

So darf man sich fragen, warum vertrauliche Beziehungen überhaupt über einen kostenlosen, über Werbung finanzierten Dienst wie Google Mail geführt werden. Nur dadurch konnte Google Buzz überhaupt vertrauliche Beziehungen aufdecken.

Daraus aber soll keine Entschuldigung für Google Buzz abgeleitet werden. Vielmehr geht es darum, dass Sie als Datenschutzbeauftragter das generelle Verhalten Ihrer Kolleginnen und Kollegen im Web 2.0 in den Blick nehmen. Welche Informationen dürfen in Ihrem Unternehmen denn über Web-Mail (wie Google Mail) und in sozialen Netzwerken (wie Google Buzz) verbreitet werden?

Datenschutz ist im Web oft unzureichend

Wenn Ihr Unternehmen die betriebliche Verwendung von Web-2.0-Diensten wie den sozialen Netzwerken erlaubt, sollte es dafür klare Richtlinien geben. Zudem sollte die Mitarbeiter die Datenschutz-Optionen der genutzten Dienste kennen und nutzen.

Jeder Anwender von sozialen Netzwerken sollte sich im Klaren darüber sein, dass es ohne Prüfung der jeweiligen Datenschutzbestimmungen und ohne Konfiguration der Einstellungen in sozialen Netzwerken nicht geht. So findet man z.B. in den Datenschutzbestimmungen von Google Buzz:

  • Ihr Name, Ihr Foto, die Liste der Kontakte, bei denen Sie mitlesen, und die Liste Ihrer Mitleser werden in Ihrem Google-Profil angezeigt, das bei Suchanfragen im Web angezeigt werden kann. Sie haben die Möglichkeit, die Liste Ihrer Mitleser und der Kontakte, bei denen Sie mitlesen, nicht mehr in Ihrem Profil anzeigen zu lassen.

Leider herrscht in sozialen Netzwerken wie Google Buzz trotz der Datenschutz-Kritik immer noch das Opt-out-Verfahren vor, nicht aber die ausdrückliche Einwilligung (Opt-in) in bestimmte Dienste und in die Nutzung personenbezogener Daten zu speziellen Zwecken. So ist in vielen sozialen Netzwerken (Google Buzz eingeschlossen) die Standardeinstellung in der Regel „öffentlich“ und nicht etwa „privat“.

Nutzer müssen Netzwerk-Vorschläge kritisch prüfen

Google Buzz hat zwar inzwischen die Funktion „Auto Following“ in ein Vorschlagsmodell umgewandelt, bei dem bestimmte Personen als Kontakte in Buzz empfohlen werden. Viele Nutzer neigen jedoch immer noch dazu, die Kontaktvorschläge ihres Netzwerkes ungeprüft zu übernehmen.

Zudem kennen viele Anwender die Anpassungsmöglichkeiten für ihr Online-Profil in den verschiedenen sozialen Netzwerken nicht oder sie scheuen den Aufwand, jede neue Funktion und jeden neuen Kontakt genau zu überdenken. Häufig sind in sozialen Netzwerken die Auswahlboxen bereits markiert und müssen nur noch mit einem Klick bestätigt werden. Echtes Opt-in sieht anders aus.

Informieren Sie die Mitarbeiter deshalb über soziale Netzwerke

So erstaunlich dies klingt, aber Google Buzz könnte sogar etwas Positives für den Datenschutz bewirken. Dazu sollten Sie die aktuelle Diskussion nutzen und eine Datenschutz-Schulung zu sozialen Netzwerken anbieten. Machen Sie dabei unter anderem darauf aufmerksam,

  • dass einmal in soziale Netzwerke eingestellte Informationen nur sehr schwierig oder überhaupt nicht mehr zu löschen sind.
  • dass soziale Netzwerke zunehmend von Marketing-Unternehmen gezielt ausgewertet werden (Data Mining).
  • dass Teilnehmer in sozialen Netzwerken verstärkt einem Identitätsdiebstahl (Kopieren oder Übernahme des Online-Profils) und Phishing-Attacken ausgesetzt sind
  • dass Nutzer von sozialen Netzwerken zunehmend mit Spam und Malware-Attacken konfrontiert werden, da sie ja in der Regel ihre Kontaktdaten öffentlich preis geben

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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