7. Januar 2013 - Videoanalysen im Handel

Wenn die Schaufensterpuppe den Kunden beobachtet

Neuartige Videosysteme und Videoanalysen im Einzelhandel ermitteln nicht nur die Zahl der Kunden. Dank Gesichtserkennung können unter anderem auch bestimmte Kunden bei Betreten des Geschäfts den Verkäufern gemeldet werden. Ist das noch Einkaufserlebnis oder schon Überwachung?

wenn-die-schaufensterpuppe-den-kunden-beobachtet-3.jpeg
Schaufensterpuppen mit Kameras: Neuartige Videoanalyse-Systeme können Alter, Geschlecht und Herkunft des Kunden ermitteln. (Bild: Thinkstock)

Woher weiß der Verkäufer das?

Stellen Sie sich vor, Sie machen einen Shopping-Trip in Asien. Sie sehen sich die Auslage in den Schaufenstern an und betreten eines dieser riesigen Geschäfte. Plötzlich kommt ein Verkäufer aus dem Büroraum hinter der Kasse und geht auf Sie zu. Er spricht Sie erst auf Englisch an und kann dann sogar einige Sätze in Deutsch.

Sie freuen sich über die nette Begrüßung, wundern sich aber als Datenschutzbeauftragte oder Datenschutzbeauftragter, woher denn der Verkäufer wusste, dass gerade jetzt jemand aus Europa in das unübersichtliche Geschäft kommt.

Schaufensterpuppen machen Meldung

Die Antwort könnten die Schaufensterpuppen sein, die Sie sich zuvor angesehen hatten. So könnte es sein, dass diese Puppen auch Sie gesehen haben. Es wird bereits über Schaufensterpuppen berichtet, in deren Augen kleine Kameras stecken und die Daten für eine spezielle Videoanalyse liefern. Die Videoanalyse versucht zum Beispiel, Ihr Alter und Geschlecht sowie die Herkunft zu ermitteln. Eine klassische Videoüberwachung als Diebstahlschutz sieht anders aus.

Jede Videokamera könnte Auswertungen ermöglichen

Es muss aber keine neugierige Schaufensterpuppe sein, die das Videomaterial für die erweiterten Videoanalysen liefert. Jedes Videosystem kann letztlich dafür genutzt werden, es kommt nur darauf an, was mit den Videobildern gemacht wird. Beispiele für Videoanalysen im Handel sind:

  • Welche Regale sind die größten Publikumsmagnete im Geschäft?
  • Bei welchen Produkten im Regal bleiben die meisten Besucher stehen?
  • Welche Bereiche im Geschäft werden montags zwischen 8 und 12 Uhr am liebsten aufgesucht?
  • Wie viele Personen passieren innerhalb einer Stunde oder an einem ganzen Tag einen bestimmten Eingang? Und aus welcher Richtung kamen sie?
  • Wie können die Emotionen der Kunden bewertet werden? (Emotionsstatus glücklich, traurig, erstaunt und ärgerlich können unterschieden werden)

Auf einer Heatmap, einer Bewegungskarte des Überwachungsbereichs, werden die am stärksten frequentierten Bereiche zum Beispiel farblich markiert dargestellt. Aber es geht noch mehr.

Gesichtserkennung bei Stammkunden

Bestimmte Videoanalyse-Systeme werben damit, dass sie einen Alarm auslösen, wenn registrierte Kunden im Videomaterial erkannt werden, nach dem Motto „Frau Schmidt ist da, jetzt sollte ihr Lieblingsverkäufer nicht fehlen“. Dazu muss allerdings das Gesicht der Kundin auch in den Kundendaten gespeichert werden. Theoretisch könnte die Gesichtserkennung aber auch genutzt werden, um unterschiedliche Angebote zu präsentieren oder aber, um einen unbeliebten Kunden etwas warten zu lassen.

Wirtschaftliche Vorteile sind nicht alles

Aus Sicht eines Händlers sind solche intelligenten Videoanalysen durchaus ein möglicher Vorteil: Kaufgewohnheiten der Kunden werden transparent, die Warenpräsentation kann angepasst werden, die Aufteilung der Geschäftsfläche und Regale lässt sich optimieren.

Der Schutz der Kundendaten und der Privatsphäre der Kunden jedoch darf nicht vergessen werden. Wenn Ihr Unternehmen neue Verfahren zur Videoanalyse einführen will, sollten Sie vorab auf die Bedenken des Datenschutzes zur Videoanalyse hinweisen. Kunden wollen zwar gerne ein Shopping-Erlebnis, aber keine heimliche Überwachung. Nutzen Sie zur Information der Geschäftsleitung am besten die aktuelle Arbeitshilfe.


Download:


Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

Sie glauben, Sie hätten noch so viel Zeit? Falsch! Es gibt mehr zu tun, als Sie vielleicht denken! ▶ Zeit zu handeln