12. August 2013 - Datenschutz bei Spracherkennung

Sprachsteuerung: Wenn beim Diktat nicht nur der Computer zuhört

Spracherkennung gehört zu den Komfort-Funktionen vieler Endgeräte und hilft bei der Barrierefreiheit. Doch nicht jeder Dienst, der Sprache in Text verwandelt, ist unkritisch für den Datenschutz.

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Spracherkennung macht die Nutzung von Smartphones in vielerlei Hinsicht bequemer. Jedoch sollten mögliche Risiken für die Datensicherheit überprüft werden. (Bild: Thinkstock)

Wer viel unterwegs ist, hat viel zu erzählen, nicht aber die Zeit, alles selbst aufzuschreiben.

Smartphone, bitte zum Diktat

Früher nutzte man den Telefondienst des Sekretariats und diktierte seinen Text ins Telefon. Heute hört das Telefon selbst zu und wandelt die Sprache des Nutzers in einen mehr oder weniger fehlerfreien Text. Spracherkennung kann aber noch mehr.

Siri & Co hören aufs Wort

Für Smartphones und Tablets gibt es Apps wie Siri, Google Now und vergleichbare Lösungen, die es möglich machen, nicht nur Texte zu diktieren, sondern auch Sprachkommandos zu erteilen. Statt über den Browser nach dem Wetter zu suchen, sagt man seinem mobilen Gerät einfach „Wie ist das Wetter in Hamburg?“, und schon macht es sich auf die Suche. E-Mails zum Beispiel kann man dank der Sprachsteuerung nicht nur diktieren, sondern auch gleich per Sprachkommando speichern oder versenden. Die Spracherkennung macht vieles möglich – leider auch zusätzliche Datenrisiken.

Nicht die Apps erkennen die Sprache, sondern die Cloud

Um das Risiko für die personenbezogenen Daten bei Spracherkennung zu verstehen, muss man wissen, dass es nicht die kleinen, schnell installierbaren oder bereits vorinstallierten Apps sind, die die intelligente Erkennung des gesprochenen Wortes bewerkstelligen. Vielmehr nehmen die Apps über das Mikrofon des Endgeräts nur die Sprache entgegen und leiten sie an einen Cloud-Dienst weiter. Bei Cloud Computing jedoch ist bekanntlich Vorsicht geboten.

Sprache wird analysiert und gespeichert

Je nach Anbieter und App wird die Sprache nicht nur analysiert, erkannt und in Text verwandelt. Der gesprochene Text wird auch gespeichert, zum Teil für Jahre. Von einem vertraulichen Diktat kann man also nicht wirklich reden, wenn die Gefahr besteht, dass Mitarbeiter des Cloud-Anbieters abhören könnten, was man gesagt hat.

Für den Datenschutz wird es zudem kritisch, wenn personenbezogene Daten im Text enthalten sind, was zum Beispiel bei einem diktierten Brief allein schon durch die Anschrift der Fall ist. Besonders kritisch ist die Entwicklung, dass Smartphones zunehmend im Gesundheitswesen genutzt werden. Per Spracherkennung werden dann teils Arztbriefe diktiert.

Sprache wird auch mit anderen Daten verknüpft

Ein Blick in die Datenschutzerklärung des einen oder anderen Dienstes zeigt, dass die Sprache für den Zweck gespeichert wird, den Spracherkennungsdienst weiter zu optimieren. Die Datenschutzerklärung zeigt aber teilweise auch, dass die gespeicherte Sprache mit weiteren Daten verknüpft wird, wie zum Beispiel mit eindeutigen Gerätedaten.

In Verbindung mit einer möglichen Registrierung könnten also theoretisch das Gerät und die Sprachaufzeichnung mit einer Person in Verbindung gebracht werden, zumindest, wenn nicht verhindert wird, dass böswillige Mitarbeiter des Anbieters dies unerlaubt tun können.

Datenschutzkontrolle bei Spracherkennung nicht vergessen

Wenn in Ihrem Unternehmen also geplant ist, eine Spracherkennung für Diktate oder die entsprechenden Apps der mobilen Endgeräte zur Sprachsteuerung zu nutzen, sollten Sie aktiv werden mit einer Datenschutzkontrolle.

Zu klären sind Fragen wie:

  • Wird eine Cloud-Lösung für die Spracherkennung genutzt?
  • Wie steht es um die Cloud-Sicherheit in diesem Fall?
  • Speichert die App lokal die Sprache oder den umgewandelten Text?
  • Wenn ja, wie wird dieser geschützt?
  • Was besagt die Datenschutzerklärung zur Datennutzung, Speicherdauer und Löschung?
  • Finden Verknüpfungen mit weiteren Nutzerdaten statt?

Empfehlenswert sind nur solche Lösungen, die die Daten auch in der Cloud und in der App nach Datenschutzvorgaben behandeln, insbesondere die Daten anonymisieren und fristgerecht löschen. Prüfen Sie deshalb den Einsatz von Spracherkennung mit der Checkliste:


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Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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