19. September 2008 - Reputationsmanagement

Was Web-Reputationsmanagement wirklich leisten kann

Immer mehr Personensuchmaschinen bieten einen schnellen Überblick über die personenbezogenen Daten, die im Internet veröffentlicht wurden. Auch die Anzahl der Dienste, die eine Optimierung des eigenen Rufs im Internet (Web-Reputation) anbieten, nimmt weiter zu. Doch was leistet ein solches Web-Reputationsmanagement? Können damit wirklich im Internet veröffentlichte persönliche Daten wieder gelöscht werden? Oder vermehren sie sogar die Daten im Web? Sorgen Sie für Aufklärung in Ihrem Unternehmen.

Datenschutzkonzept ist Grundlage der Datenschutzorganisation (Bild: Mathias Rosenthal / iStock / Thinkstock)

Ob Sie nun eine herkömmliche Internetsuchmaschine nutzen oder eine der speziellen Personensuchmaschinen: Eine Suche nach Ihrem eigenen Namen im Internet zeigt Ihnen ziemlich schnell, dass Sie mit Ihren persönlichen Daten auf Internetseiten zu finden sind, die Sie vielleicht noch gar nicht kannten.

Oder es war Ihnen noch nicht bewusst, dass bestimmte auf einer Website veröffentlichte Informationen für jeden anderen Nutzer sichtbar und suchbar sind.

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Das Internet kennt viele Details über Ihre Reputation

In jüngster Vergangenheit häufen sich die Meldungen, dass zukünftige oder gegenwärtige Arbeitgeber gezielt nach den Daten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Internet suchen, um mehr über die Bewerber oder die Beschäftigten zu erfahren.

Quellen personenbezogener Daten gibt es im Web reichlich. Denken Sie nur an:

  • die Firmen-Website eines Lieferanten, der Sie vielleicht als Referenzkunden nennt, ohne Sie zu fragen
  • die Internetseiten Ihres Sportclubs, auf denen Ihre Spielzeiten und Ergebnisse zu finden sind
  • Webshops, die ohne Einwilligung Ihren Wunschzettel veröffentlichen
  • Online-Foren, in denen Sie einmal einen Kommentar geschrieben haben
  • Weblogs, an denen Sie als Blogger oder aktiver Leser beteiligt sind
  • Wikis, die eines der Projekte, an denen Sie beteiligt waren, öffentlich dokumentieren

Datenlöschung im Internet ist nicht einfach

Einmal veröffentlichte Daten wieder aus dem Internet zu bekommen, ist keine einfache Aufgabe. Da könnte man schon versucht sein, einen entsprechenden Löschdienst zu beauftragen, der gegen Entgelt diese Arbeit übernimmt.

Tatsächlich gibt es im Internet inzwischen nicht nur zahlreiche Personensuchmaschinen, sondern auch Web-Reputation-Manager, also Dienstleister, die den guten Ruf ihrer Kunden im Internet per Reputationsmanagement verteidigen wollen.

Sind diese Dienste vielleicht eine Möglichkeit, Daten im Internet wirklich löschen zu lassen? Was bieten solche Reputationsmanagement-Dienste an?

Die rechtliche Position von Reputationsmanagement ist schwierig

Abgesehen von Löschanfragen bei den Website-Betreibern, die bestimmte persönliche Daten vorhalten, die Sie selbst einmal dort veröffentlicht haben, gibt es weder für Sie noch für Web-Reputationmanager eine einfache rechtliche Handhabe zur Datenlöschung im Internet, sofern es sich nicht um fehlerhafte Daten oder um eine unrechtmäßige Datennutzung handelt.

Deshalb beinhalten Dienste zum Reputationsmanagement je nach Leistungsumfang

  • die Suche nach Ihren persönlichen Daten auf Internetseiten
  • die Anfrage bei den Betreibern mit der Bitte um Löschung
  • die Optimierung des Rufs im Internet

Web-Reputationmanagement ist in der Regel nicht gleich Datenlöschung

Eine tatsächliche Löschung der Daten können Sie also meist von solchen Diensten nicht erwarten. Vielmehr bietet das Web-Reputationsmanagement eine Art Suchmaschinenoptimierung für persönliche Daten. Dabei werden oftmals nicht die bestehenden Daten im Web gelöscht, sondern weitere Daten von Ihnen hinzugefügt.

So bietet manches Reputationsmanagement an, positive Inhalte über Sie im Internet zu veröffentlichen, um mögliche unerwünschte persönliche Daten aus den Trefferlisten der Suchmaschinen weiter nach unten zu verdrängen. Das Reputationsmanagement-Konzept lautet hier also Verdrängen statt Löschen.

Das eigentliche Problem der im Internet auffindbaren personenbezogenen Daten ist damit aber nicht wirklich behoben. Höchstens die Wahrscheinlichkeit, dass viele andere Internetnutzer diese Daten sehen, könnte sinken, falls man unterstellt, dass diese nur die ersten Treffer in einer Suchmaschine verfolgen.

Für Datenjäger im Internet gilt dies jedoch ohne Zweifel nicht.

Ein weiteres persönliches Profil soll klarstellen, was stimmt

Ein anderes Angebot im Web-Reputationsmanagement ist die Erzeugung eines persönlichen Profils, unter Umständen zusätzlich zu den bereits von Ihnen angelegten Profilen in den sogenannten Social Networks im Internet.

Ein solches Web-Reputation-Profil erlaubt die Auswahl der gewünschten personenbezogenen Suchergebnisse, eine Kommentierung der Suchtreffer und ein scheinbares Löschen unerwünschter Details.

Doch diese Änderungen betreffen nur die Anzeige im Profil und auf den Internetseiten des Web-Reputationsmanagers selbst. Der Index von anderen Suchmaschinen oder die Inhalte von Webseiten, also die eigentlichen Datenquellen, werden damit nicht verändert.

Sucht man also Ihren Namen über eine Internetsuchmaschine oder Personensuchmaschine, wird man dieses überarbeitete Profil von Ihnen finden, aber auch alle anderen Treffer, die Sie eigentlich ausschließen wollten.

Besser als Reputationsmanagement: Datensparsamkeit

Schnell wird deutlich, dass auch ein Web-Reputationsmanagement keine vollständige Tilgung von Datenspuren im Internet bieten kann. Als Datenschutzbeauftragter sollten Sie deshalb die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen entsprechend informieren und zur Datensparsamkeit im Internet ermuntern.

Zur Datensparsamkeit gehören insbesondere die folgenden Maßnahmen:
  • Hinterfragen Sie die Erfordernis von abgefragten Daten bei einer Registrierung im Internet.
  • Verzichten Sie auf Internetdienste, die Daten erheben wollen, die nicht für den von Ihnen gewünschten Zweck benötigt werden.
  • Löschen Sie nicht mehr benötigte Internet-Registrierungen.
  • Prüfen Sie die Datenschutzerklärung der Anbieter.
  • Verwenden Sie wo immer möglich Pseudonyme im Internet.
  • Schließen Sie Suchmaschinen von Ihren Profilen in sozialen Netzwerken aus, wenn Sie solche Plattformen aus beruflichen Gründen nutzen.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

 

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