10. Juni 2013 - Passwort-Management

Was vom Facebook-Ersatzschlüssel zu halten ist

Wer Angst hat, sein Passwort zu vergessen, kann bei Facebook bald Ersatzschlüssel bei ausgewählten Kontakten hinterlassen. Was praktisch klingt, könnte allerdings leicht in die falsche Richtung gehen.

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Bei Facebook ist bald das Hinterlegen von Ersatzpasswörtern möglich (Bild: Thinkstock)

Von Facebook abgeschnitten

Für viele Internetnutzer gehört der Besuch sozialer Netzwerke wie Facebook dazu wie der Kaffee oder Tee am Morgen. Mindestens einmal täglich, eher noch häufiger wird nach den Nachrichten und Statusinformationen der Kontakte geschaut und werden eigene Informationen verteilt. Wenn man dann plötzlich das Passwort vergessen würde, wäre man ausgesperrt aus seinem Netzwerk.

Auch wenn man sich fragen kann, wie man ein Passwort, das so häufig im Einsatz ist, denn vergessen kann: Facebook wird bald das Hinterlegen von Ersatzschlüsseln anbieten; in den USA gibt es diese Funktion bereits.

Ersatzschlüssel sollen helfen

Die Facebook-Funktion nennt sich „zuverlässige Kontakte“ und kann bei der Wiederherstellung des Facebook-Passworts helfen. Hat man sein Passwort vergessen oder das Handy, das zur Anmeldebestätigung genutzt wird, verloren, kann man bei drei definierten Kontakten hinterlegte Codes anfordern, mit denen sich der Facebook-Zugang wieder öffnen lässt.

Was nach Rettung klingt, kann aber auch einen Haken haben.

Besser als Passwort speichern?

Generell ist die Verteilung von Codes zur Passwort-Wiederherstellung an mehrere Personen nicht direkt gleichzusetzen mit der Weitergabe des Passworts. Und die andere Funktion gegen das Passwort-Vergessen, das Speichern des Facebook-Passworts, kommt aus Datenschutz-Sicht erst gar nicht infrage. Aber die Funktion „Zuverlässige Kontakte“ wirft Fragen auf: Zum einen muss sich der Nutzer genau überlegen, welcher Kontakt denn zuverlässig ist. Diese Frage impliziert, dass es auch unzuverlässige Kontakte auf Facebook gibt. Für den Datenschutz ein wichtiger Hinweis und eine zentrale Erkenntnis.

Passwort-Hilfen können kritisch sein

Zum anderen ist eine Funktion wie der Facebook-Ersatzschlüssel nicht förderlich für die Sensibilisierung zur Wahl und zum Umgang mit Passwörtern, zumal eine Plattform wie Facebook durchaus Einfluss auf das Verhalten und die Denkweise der Nutzer haben kann. So könnten Nutzer der Funktion „Zuverlässige Kontakte“ das Verfahren auf andere Situationen übertragen, also unter Umständen ihr komplettes Passwort für andere Dienste an Dritte weitergeben oder sich nicht mehr bemühen, starke Passwörter zu finden, die man sich trotzdem merken kann.

Auf Passwortrichtlinien achten

Vergessen werden aber nicht nur Passwörter, sondern auch Passwortrichtlinien. Wird der Facebook-Zugang betrieblich genutzt, stellt sich schnell die Frage, ob denn eine Funktion wie „zuverlässige Kontakte“ mit den betrieblichen Passwortrichtlinien vereinbar ist. Schließlich besteht theoretisch die Möglichkeit, dass die drei gewählten Kontakte doch nicht so zuverlässig sind und unter Umständen den betrieblichen Facebook-Zugang gefährden.

Nutzen Sie deshalb die Checkliste zum Passwort-Management, um den Umgang mit Passwörtern im Unternehmen zu hinterfragen.


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Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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