22. April 2013 - Datenschutzunterweisung Soziale Netzwerke

Was Kommentare bei Facebook über Nutzer verraten

Aktuelle Studien zeigen, dass niemand Bewertungen auf Facebook sorglos abgeben sollte. Denn aus den „Gefällt-mir“-Angaben lassen sich Rückschlüsse zum Beispiel auf die politische Gesinnung und auf sexuelle Neigungen ableiten.

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Ein "Gefällt mir" sagt manchmal mehr aus als Sie ahnen: Mithilfe von Analysetools ist es keine große Herausforderung, Ihre politische Gesinnung oder andere Vorlieben herauszufinden (Bild: Thinkstock)

Soziale Netzwerke werden Pflicht

59 Prozent der IT-Unternehmen nutzen Social Media sowohl für die interne als auch für die externe Kommunikation, so die aktuelle BITKOM-Studie „Einsatz und Potenziale von Social Business“. In anderen Branchen zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab.

Ein Verbot sozialer Netzwerke aus Datenschutz- und Sicherheitsgründen lässt sich somit kaum verargumentieren, geschweige denn durchsetzen. Umso wichtiger ist Ihre Datenschutzunterweisung und Sensibilisierung zu Facebook & Co. Nützlich sind hierbei zum Beispiel aktuelle Studien zur Aussagekraft von „Gefällt-mir“-Angaben.

„Gefällt mir“ sagt noch mehr

Unternehmen, die Fans und damit letztlich Kunden auf Facebook finden und binden möchten, tun einiges, um ein „Gefällt mir“ zu bekommen. Dazu gehören insbesondere interaktive Angebote wie Umfragen, aber auch Bilder, die die Nutzer ansprechen sollen und zu positiven Kommentaren und Reaktionen führen sollen. Wenn nun ein Nutzer ein „Gefällt mir“ bei Facebook anklickt, kann dies so einiges über ihn verraten.

Es lassen sich zahlreiche sensible Informationen ableiten

Aus den „Gefällt-mir“-Angaben eines Nutzers lassen sich einige Informationen, die zu den besonderen Arten personenbezogener Daten gehören und die ein Nutzer in aller Regel nicht so einfach Facebook anvertrauen würde, ableiten. Dazu gehören zum Beispiel die sexuelle Orientierung und die politische Gesinnung.

Auf Basis der „Gefällt-mir“-Angaben von 58.000 Freiwilligen, über die zusätzliche Daten verfügbar waren, konnten Wissenschaftler der Universität von Cambridge bestimmte Muster entdecken zwischen den Facebook-Reaktionen und persönlichen Eigenschaften und Vorlieben. Diese Muster lassen recht treffsichere Vorhersagen zu:

  • Zum Beispiel konnte die Information, ob ein Nutzer Raucher ist oder nicht, in 73 Prozent der untersuchten Fälle richtig aus „Gefällt-mir“-Angaben abgeleitet werden.
  • In 88 Prozent der Fälle konnte eine Homosexualität der Nutzer aus Facebook-Likes vorhergesagt werden.
  • In ebenfalls 88 Prozent der Fälle ließ sich an Facebook-Likes erkennen, ob ein Nutzer männlich oder weiblich ist.
  • In 95 Prozent der Fälle konnten die Forscher die Hautfarbe eines Nutzers richtig vorhersagen.
  • 85 Prozent der Berechnungen zur politischen Gesinnung der Nutzer war ebenfalls korrekt.
  • Ein Drogenkonsum konnte in 75 Prozent der Fälle richtig abgeleitet werden.

Genauere Analysen werden kommen

Diese Beispiele zeigen, dass ein Nutzer in einem sozialen Netzwerk wie Facebook genau überlegen sollte, was sie oder er tut. Leistungsstarke Analysetools, sogenannte Big-Data-Tools, könnten in naher Zukunft die Auswertung von Angaben in sozialen Netzwerken noch einfacher machen.

Dabei geht es wohlgemerkt um öffentliche Angaben der Nutzer. Die Auswertungen könnte also nicht nur Facebook, sondern jedes interessierte Unternehmen vornehmen, um die eigene Werbung zu optimieren. Nicht zuletzt die Social-Engineering-Attacken der Datendiebe dürften dadurch noch zielsicherer und erfolgreicher werden.

Klären Sie deshalb die Internetnutzer im Unternehmen auf, dass sich sämtliche Aktivitäten in sozialen Netzwerken mit der Person und den persönlichen Eigenschaften in Verbindung bringen lassen könnten. Nutzen Sie zur Sensibilisierung am besten die aktuelle Mitarbeiterinformation.


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Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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