7. Juni 2010 - Google-Suche

Was die Verschlüsselung bei der Google-Suche wirklich bringt

Seit kurzem bietet Google eine SSL-verschlüsselte Suche an. Aber dadurch ändert sich aus Sicht des Datenschutzes nicht so viel, wie man denken könnte. Informieren Sie deshalb die Mitarbeiter, wie sich Internetrecherchen möglichst datensparsam durchführen lassen, aber auch, was eine SSL-Verschlüsselung bringt und was nicht.

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Die neue SSL-Verschlüsselung von Google soll die Suche im Internet sicherer machen (Bild: Thinkstock)

Wenn Sie eine Suchmaschine im Internet nutzen, erhalten Sie nicht nur Informationen, Sie liefern auch welche.

So könnte aus Ihren Suchbegriffen und der Auswahl bestimmter Links in den Trefferlisten der Suchmaschine ohne weiteres ein Interessenprofil erstellt werden.

Wer dann noch zu den Personen zählt, die sich selbst gerne im Internet suchen, um ihre Online-Reputation zu testen, liefert in den Suchbegriffen gleich noch den eigenen Namen mit. Für Datendiebe ein gefundenes Fressen.

76 Prozent der Browser vom „History Stealing“ bedroht

Wie eine Sicherheitsanalyse von Janc und Olejnik kürzlich zeigte, sind mindestens drei Viertel aller Internetnutzer der Gefahr ausgesetzt, dass ihre Browser-History (also der Seitenverlauf im Browser) über einen Online-Angriff gestohlen werden könnte.

Bei diesem sogenannten History Stealing könnten auch die Suchbegriffe auslesen werden, die sich noch im Browser-Verlauf befinden. Eine Absicherung der Internetsuche scheint also angebracht.

Neu bei Google: SSL-Verschlüsselung der Internetsuche

Seit kurzem bietet der Suchmaschinen-Marktführer Google nun die Beta-Version einer SSL-verschlüsselten Internetsuche.

Mit „SSL Search“ (https://www.google.com) wird eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zwischen dem Rechner des Internetnutzers und Google aufgebaut. Unbefugte Dritte werden so daran gehindert, die eingegebenen Suchbegriffe und die Ergebnisseiten des Nutzers abzufangen und auszuwerten.

Dank SSL werden die übertragenen Suchbegriffe und Suchergebnisse verschlüsselt. Gleichzeitig wird mit SSL Search verhindert, dass der sogenannte Referrer übertragen wird, also die Adresse der Webseite, die man besucht hat, bevor man die aktuelle Webpräsenz geöffnet hat.

Profilbildung und Nachverfolgung werden erschwert

Dadurch sehen die Webseitenbetreiber also nicht mehr, von welcher Internetseite man auf ihre Webseite gekommen ist – sofern der eingesetzte Webbrowser die Funktion unterstützt, dass bei einem Wechsel von http zu https kein Referrer mehr übertragen wird.

Verschlüsselung bietet keinen Schutz vor History Stealing oder vor Google

Die neue Google-Funktion der SSL-verschlüsselten Suche klingt gut und könnte dem angeschlagenen Datenschutz-Image von Google auch nutzen. Allerdings sollte man hier genauer hinsehen.

Google selbst erwähnt in seinen weiteren Hinweisen zu der neuen Funktion einige Haken:

  • Eine SSL-Verschlüsselung verhindert nicht, dass der lokale Browser einen Seitenverlauf aufzeichnet. Ein Schutz gegen den zuvor beschriebenen Angriff „History Stealing“ bietet SSL Search also nicht. Das liegt daran, dass SSL die Übertragung verschlüsselt, nicht aber die lokalen Datenspuren.
  • Es sei hier auch betont, dass die SSL-Verschlüsselung keine Anonymität gegenüber Google bietet. Google kann und muss die Suchanfragen entschlüsseln. Es fallen also weiterhin die Daten bei Google an, wie dies auch ohne SSL der Fall ist.

An SSL-Probleme denken

Auch wenn die neue Funktion SSL Search grundsätzlich zu begrüßen ist, sollten die SSL-Probleme an sich nicht vergessen werden:

  • Zum einen werden so manche Nutzer auf SSL Search verzichten, da die verschlüsselten Suchanfragen bis auf weiteres mehr Zeit in der Bearbeitung benötigen.
  • Zum anderen bietet SSL keinen vollständigen Schutz. So können SSL-Zertifikate gefälscht sein, und Hacker könnten eine SSL-Verschlüsselung austricksen.
  • Zudem bietet SSL Search bislang nur eine Verschlüsselung für die Standard-Google-Suche, nicht aber bei Diensten wie der Google Bildersuche oder bei Google Maps.

Sorgen Sie für Aufklärung

Damit die Mitarbeiter Ihres Unternehmens wirklich ihre Internetsuchen datensparsam erledigen können, reicht also SSL Search von Google nicht.

Vielmehr müssen lokale Datenspuren im Browser und auf der Festplatte vermieden und Anonymisierungsdienste wie TOR genutzt werden. Zudem bieten sich Internetsuchmaschinen als Alternative zu Google an, die in ihrer Datenschutzerklärung eine schnellere Löschung der Nutzerdaten zusagen oder aber gar keine Daten der Nutzer speichern.

Weitere Hinweise für Ihre Datenschutz-Schulung erhalten Sie in der Checkliste Datenschutz und Suchmaschinen

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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