20. Januar 2011 - Internet Explorer 9

Was die Datenschutz-Funktion Tracking Protection wirklich bringt

Über die Funktion Tracking Protection im neuen Microsoft Internet Explorer 9 können Verbindungen zu Tracking-Diensten blockiert werden. Das klingt vielversprechend, doch Tracking Protection sollte nicht überschätzt werden.

was-die-datenschutz-funktion-tracking-protection-wirklich-bringt-1.jpeg
Die Datenschutz-Funktion Tracking Protection des IE 9 schützt nicht automatisch vor jeglicher "Verfolgung" (Bild: Thinkstock)

Gerade das Tracking im Internet und die Erstellung von Nutzerprofilen mit dem Ziel einer immer individuelleren, verhaltensbasierten Werbung wird zunehmend kritisch von Nutzern und Datenschützern gesehen. Es ist also nicht verwunderlich, wenn der Microsoft-Browser Internet Explorer 9 mit einer Datenschutz-Funktion gegen das Tracking punkten möchte.

Der Name der neuen Funktion „Tracking Protection“ klingt für den Nutzer nach einem Schutz vor Online-Tracking, wie eine Malware Protection einen Schutz gegen Schadsoftware bieten soll. Doch die Wirklichkeit sieht etwas anders aus.

Tracking Protection muss aktiviert werden

Zum einen bleibt festzustellen, dass die Funktion nicht direkt nach der Installation des Internet Explorers 9 aktiv sein wird. Sie muss zuerst durch den Nutzer gestartet werden. Allein dieser Umstand schmälert bereits den möglichen Erfolg dieser neuen Datenschutz-Funktion, denn viele Datenschutz-Funktionen, die die heutigen Browser bereits bieten, sind der Mehrzahl der Nutzer nicht umfassend bekannt oder werden nicht vollständig genutzt.

Machen Sie eine Umfrage im Unternehmen

Um zu erfahren, wie gut die Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen über die bestehenden Datenschutz- und Sicherheitsoptionen ihres Webbrowsers informiert sind, sollten Sie einmal eine kleine Umfrage mit Hilfe dieses Downloads machen.


Download:

Tracking Protection betrifft nur Dritte

Auch wenn Tracking Protection danach klingt: Das Tracking durch den Webserver, den man über den Browser jeweils kontaktiert, kann diese Funktion nicht verhindern. Sie betrifft lediglich die Verbindungen durch Dritte, die bei dem Aufrufen einer Webseite zusätzlich aufgebaut werden, wenn die Webseite zum Beispiel Bilder, Cookies oder Skripte von anderen Webservern bezieht.

Tracking Protection hat kein Vorwissen

Die dritte Einschränkung für den Einsatz durch den normalen Internetnutzer besteht darin, dass im Gegensatz zu einer Malware Protection zu Beginn keine einzige Information über Tracking-Webseiten hinterlegt ist.

Technisch gesehen arbeitet Tracking Protection so, dass der Anwender eine eigene Liste der zu blockierende bzw. der zu erlaubenden Verbindungen zu Webservern Dritter hinterlegt, also insbesondere die Adressen der Online-Werbenetzwerke, denen man Tracking verbieten oder erlauben möchte.

Der Nutzer ist überfordert

Der einzelne Nutzer ist jedoch zweifellos überfordert mit einer Zusammenstellung der sogenannten Tracking Protection Lists (TPL), die die Webadressen der zu blockierenden oder zu erlaubenden Tracking-Seiten enthalten sollen.

Ohne Tracking-Listen geht es nicht

Microsoft nennt eine Begründung für die fehlenden TPLs: Zum einen soll der Nutzer selbst entscheiden können, welchem Tracking-Dienst er Daten liefern möchte und welchem nicht. Zum anderen werden durch die Blockade von Webadressen ja nicht nur Tracking-Verbindungen blockiert, sondern auch andere mögliche Dienste der genannten Webadressen.

Wenn also eine Blockade vorgenommen werden soll, muss der Nutzer schon selbst aktiv werden. Allerdings kann der Nutzer auch TPLs Dritter herunterladen und verwenden, um nicht selbst zahllose Werbenetzwerke in seine Tracking Protection Liste einfügen zu müssen.

Woher kommen die Tracking-Listen?

Es stellt sich aber die Frage, woher der normale Internetnutzer nun geeignete TPLs bekommen soll, um unerwünschte Tracking-Dienste auszuschließen oder bestimmte Dienste zuzulassen.

Im Prinzip kann jede Person und jede Organisation solche Listen erstellen und anbieten.

Ob aber die Listen wirklich zuverlässig, unabhängig und aktuell sind, kann man als Nutzer nicht zwangsläufig wissen. Es müsste also zuverlässige und gepflegte Quellen für TPLs geben, die der Globalität des Internets Rechnung tragen und zum Beispiel nicht nur deutsche Webadressen berücksichtigen.

Tracker-Dienste nicht unterschätzen

Ein weiteres Problem wird die Dynamik bei den Tracking-Diensten sein:

  • Wenn ein Dienst feststellt, dass er in mehreren oder besonders verbreiteten TPLs blockiert wird, könnte der Dienst einfach seine Webadresse verändern. Solche dynamischen Adresswechsel sind ja bereits in anderen Online-Bereichen gut bekannt, wenn man zum Beispiel an die Bekämpfung der Spammer denkt.
  • Dieses Problem besteht auch dann, wenn der Internet Explorer 9 regelmäßig nach Updates der Tracking Protection Lists sucht.

Keine Zustimmung auf Datenebene

Ein Blick auf die Listen zeigt zudem, dass dort nur ausgewählt werden kann, ob eine angelegte oder importierte Webadresse blockiert oder zugelassen werden soll. Welche Daten denn genau übermittelt werden dürfen oder nicht, lässt sich dort nicht festlegen.

Trotzdem positiver Schritt

Trotz der genannten Einschränkungen ist die Idee von Tracking Protection zu begrüßen, denn Microsoft kurbelt den Browser-Wettbewerb weiter an. Firefox hat bereits angekündigt, in der Version 4 eine Funktion gegen das Tracking anzubieten.

Online-Datenschutz bleibt somit im Fokus der Browserhersteller, allerdings sollten Internetnutzer nicht glauben, neue Funktionen würden ihrem Namen entsprechend ohne weiteres vor jedem Tracking schützen.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

Sie glauben, Sie hätten noch so viel Zeit? Falsch! Es gibt mehr zu tun, als Sie vielleicht denken! ▶ Zeit zu handeln