13. Mai 2013 - Lösch-Konzept

Was bietet das digitale Testament von Google?

Die Medien berichten über eine neue Google-Funktion, mit der man sein Google-Konto an bestimmte Personen vererben kann. Eine digitale Nachlass-Regelung wird zweifellos immer wichtiger, das digitale Löschen ist aber schon heute von Bedeutung.

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Mit dem Kontoinaktivitäts-Manager von Google ist es möglich, dass nach einer bestimmten Zeitspanne die Nutzerdaten gelöscht werden. (Bild: Thinkstock)

Gratulation an einen Toten

Soziale Netzwerke haben viele praktische Funktionen, um die sozialen Beziehungen zu pflegen. So gibt es zum Beispiel eine Erinnerungsfunktion für die Geburtstage der Kontakte auf Facebook & Co. Leider kommt es immer wieder vor, dass dadurch inzwischen Verstorbene Glückwünsche ihrer losen Bekanntschaften aus dem Internet bekommen. Für die Hinterbliebenen ist das meist kein Grund zur Freude, wenn sie dies im Internet sehen. Abgesehen davon zeigt dieses Internet-Phänomen, dass Online-Profile in sozialen Netzwerken länger existieren können als ihre physischen Besitzer.

Google ermöglicht Nachlass-Regelung

Seit kurzem bietet Google einen sogenannten Kontoinaktivitäts-Manager (Inactive Account Manager). Gemeint ist damit, dass der Besitzer eines Online-Profils bei Google nun festlegen kann, wer seine Daten bekommen oder informiert werden soll, wenn das Google-Konto eine bestimmte Zeit nicht mehr genutzt wurde. Im Prinzip lässt sich damit eine Art digitales Testament hinterlegen. Aber Google bietet noch eine weitere Möglichkeit.

Löschen bei Inaktivität

Statt die Google-Daten an eine definierte Person senden zu lassen, die die Daten dann verwalten kann, ist es mit dem Kontoinaktivitäts-Manager von Google auch möglich, die Daten nach einer bestimmten Periode der Inaktivität löschen zu lassen. Wer möchte, kann nun also in seinem Google-Konto einstellen, dass das Konto nach drei, sechs, neun oder zwölf Monaten gelöscht wird, wenn man es in dieser Zeitspanne nicht mehr genutzt hat. Gerechnet wird jeweils ab dem letzten Anmeldedatum.

Ein Anfang, aber keine Lösung

Die Löschautomatik von Google soll insbesondere für alle Nutzerdaten bei Blogger, Drive, Gmail, Google+, Picasa-Webalben, Google Voice und YouTube funktionieren. Vor der Löschung wird man per SMS oder E-Mail nochmals gewarnt.

Diese Löschfunktion klingt einerseits gut. Zum anderen aber zeigt sie, wie umfangreich die Verteilung der Nutzerdaten bei Google bereits ist. Weiterhin kann eine solche Automatik den Nutzer auch verleiten, unvorsichtig zu werden. Schließlich wird alles ja später einmal gelöscht. Doch ist hier Vorsicht angezeigt!

Löschen nicht nur bei Inaktivität

Da wir Menschen nur ungern etwas aus Versehen löschen, werden viele Nutzer eher große Zeitspannen wählen, um eine automatische Löschung aktiv werden zu lassen. Zudem beginnt die Löschfrist bei Google immer erst nach dem letzten Login im Google-Konto. Wer die Google-Dienste also regelmäßig nutzt, wird zu Lebzeiten keine automatische Löschung erfahren. Ein Kontoinaktivitäts-Manager kann also kein umfassendes Löschkonzept und auch keine Datensparsamkeit ersetzen.

Ob für die digitale Nachlass-Verwaltung oder für das scheinbar bequeme Löschen mit der neuen Google-Funktion: Im Internet gilt weiterhin, dass sich Kopien der Daten schnell verbreiten, eine Löschung durch Google kann aber nur die Google-Daten betreffen. Eine vollständige Löschung der Daten jedoch ist im Internet kaum möglich.

Nehmen Sie deshalb das digitale Testament als Aufmacher für eine Unterweisung und Prüfung zum Löschkonzept im Unternehmen. Die Checkliste nennt Ihnen die wichtigen Themen.


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Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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