29. April 2013 - Nutzerprofile im Internet

Was bei der Datenschutz-Diskussion um Google Reader vergessen wird

Der Aufwand für den Datenschutz soll einer der Gründe gewesen sein, warum Google sein Produkt Reader zum 1. Juli 2013 einstellt, so berichten verschiedene Medien. Statt bisherige Reader-Nutzer negativ für den Datenschutz zu stimmen, sollte man jedoch erst einmal schauen, welche Auswirkungen Google Reader und andere sogenannte RSS-Reader tatsächlich auf den Datenschutz haben.

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Mit RSS-Readern kommt man schnell und unkompliziert an aktuelle Nachrichten (Bild: Thinkstock)

Google Reader: Nachrichten per RSS abonnieren

Das Internet bietet eine Fülle von Webseiten, die aktuelle Nachrichten zu jedem nur erdenklichen Thema anbieten. Wer die neusten Nachrichten oder auch andere Änderungen an Webseiten nicht verpassen will, braucht Unterstützung. Diese liefert RSS.

RSS steht für Really Simple Syndication und wird von den meisten Nachrichten-Portalen angeboten, um die Nutzer automatisch über Änderungen informieren zu können. Dazu abonnieren die Nutzer den sogenannten RSS-Feed in einem Programm, das RSS-Reader genannt wird. Einer der bekanntesten RSS-Reader, Google Reader, wird nun bald eingestellt.

Datenschutz als Grund für Ende von Google Reader?

Renommierte Medien wollen erfahren haben, dass Google unter anderem aus Datenschutz-Gründen den so beliebten Google Reader einstellen wird. Betrachtet man die hitzige Diskussion und die laufende Online-Petition, die Google bittet, den Reader doch weiter zu betreiben, besteht die Gefahr, dass die Reader-Nutzer letztlich dem Datenschutz die Schuld geben. Da stellt sich die Frage, was denn der Google Reader eigentlich mit Datenschutz zu tun hat. Die Antwort: Eine ganze Menge, und deshalb sind auch alle Datenschutz-Forderungen berechtigt.

RSS-Feeds zeigen Interessen der Nutzer

Ob nun Google wirklich wegen der Datenschutz-Forderungen lieber auf Google Reader verzichtet oder anderen Produkten wie Google News mehr Entfaltungsmöglichkeiten geben möchte, sei dahin gestellt. In jedem Fall sind Datenschutz-Maßnahmen bei Google Reader und anderen RSS-Readern erforderlich.

Die im Google Reader abonnierten Nachrichten-Quelle zeigen ohne weiteres, wofür sich der jeweilige Nutzer interessiert. Da man sich bei Google Reader mit dem Google-Nutzerkonto anmeldet, könnte das Interessenprofil theoretisch mit den Nutzerdaten in Verbindung gebracht werden. Würde also zum Beispiel ein Google-Konto gehackt, könnte der Datendieb über den Google Reader genau sehen, welche Nachrichten-Quellen für das Opfer interessant sind. Das hilft unter anderem bei einer Social-Engineering-Attacke, zum Beispiel einer Phishing-Mail, die angeblich von einem der Nachrichten-Portale kommt.

Hilfreich für personalisierte Werbung

Ob Google Reader oder ein anderer RSS-Reader, die Auswahl der Nachrichten-Quellen hilft auch bei der Personalisierung der Online-Werbung. Wer zum Beispiel hauptsächlich Nachrichten über PCs und Smartphones abonniert hat, wird sich auch eher für entsprechende Werbung interessieren. Viel einfacher als vor dem guten, alten Kiosk kann man in einem RSS-Reader theoretisch laufend beobachtet werden, welche Nachrichten von Interesse sind. Das aber interessiert natürlich Werbeunternehmen.

Dezentralisierung von Diensten ist positiv

Denkt man an die Kritik an Googles Praxis, über die Grenzen mehrerer Dienste und Produkte hinweg Daten zu sammeln, kann man eigentlich im Ende von Google Reader auch Positives sehen:

Es gibt zahlreiche Alternativen, die nicht vom Suchmaschinen-Primus Google stammen, und die Daten aus Google Reader kann man leicht exportieren. Wenn also ein anderer RSS-Reader genutzt wird, sinkt die theoretische Gefahr, dass die abonnierten Nachrichten in ein umfassendes Nutzerprofil einfließen. Statt also den Datenschutz als möglichen Verursacher für das Ende von Google Reader zu sehen, sollte man lieber die Chance sehen, sich neu zu orientieren und dabei das Generieren von zentralen Nutzerprofilen zu erschweren.

Informieren Sie auch die Internetnutzer im Unternehmen über diese Entwicklung, am besten mit der Arbeitshilfe:


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Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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