17. August 2011 - Online-Datenschutz

Was bedeutet die neue Google-Bildersuche für den Datenschutz?

Mit Bildern nach Bildern suchen, das ermöglicht nun die neue Google-Bildersuche. Statt Schlagwörter einzugeben, lädt man ein Bild hoch, zu dem man mehr erfahren möchte. Datenschützer sind alarmiert. Informieren Sie sich daher, was mit der neuen Google-Bildsuche möglich ist.

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Bilder anhand von Bildern suchen - das bieten Suchmaschinen wie Google mittlerweile an (Bild: Thinkstock)

Suche nach Bildern im Internet

Suchmaschinen beschränken sich schon längst nicht mehr auf Textdaten, sondern unterstützen die Bildersuche im Internet, Google genauso wie zum Beispiel Bing oder Yahoo.

Die Bildersuche im Netz wird zum Teil kritisch gesehen und hat bereits Eingang in Gerichtsurteile gefunden. Doch nun beginnt langsam, aber sicher ein neues Zeitalter in der Online-Bildersuche: die Suche nach Bildern anhand von anderen Bildern.

Bilder mit Bildern suchen

Seit Kurzem bietet Google bei seiner Bildersuche die Möglichkeit, ein Bild hochzuladen oder den Link zu einem Bild anzugeben, um vergleichbare Bilder zu finden. Als Abkürzung kann man auch eine Bilddatei per Drag & Drop in das Google-Bildsuchfeld ziehen.

Aus Datenschutzsicht spannend ist insbesondere die Frage, wie Google mit Personenbildern umgeht: Kann man also das Foto einer Person in die Google-Bildersuche laden, um weitere Bilder dieser Person zu finden?

Das Datenschutz-Risiko lautet Personenidentifizierung

Das wäre durchaus bedenklich, denn dann könnte man eine fremde Person (heimlich) fotografieren, das Bild in die Bildersuche laden und über weitere Bilder der Person dann zu anderen Fundstellen im Internet gelangen. Im Extremfall würde man auf das Online-Profil in einem sozialen Netzwerk stoßen und so über das Foto an zahlreiche persönliche Angaben kommen.

Jeder, der mit einem persönlichen Bild im Internet vertreten ist und dieses Bild mit weiteren personenbezogenen Daten versehen hat, würde identifizierbar. Mehr noch: Auch wenn Dritte Fotos zur eigenen Person ins Netz stellen und mit entsprechenden Schlagworten wie dem Namen versehen, könnten Bildersuchen zur persönlichen Identität des Abgelichteten führen.

Die Technik ist (noch) nicht so weit

Experimente mit der neuen Google-Bildersuche zeigen jedoch in den meisten Fällen (noch) keine wirklich verwertbaren Ergebnisse. Das Foto einer Person als „Suchauftrag“ liefert zwar andere Fotos, aber in aller Regel von anderen Personen.

Bei Prominenten kann jedoch durchaus ein Treffer dabei sein, bei dem die Google-Bildersuche tatsächlich weitere Bilder und damit auch weitere Daten zu einem Foto liefern kann. Dies gelingt aber bisher meist nur dann, wenn sich die Bilder wirklich ähneln, also auch hinsichtlich Farben, Beleuchtung, Aufnahmewinkel und Orientierung des Gesichtes nicht zu weit auseinander liegen.

Trotzdem keine Entwarnung geben

Bedeutet das nun, dass die Bildersuche von Google kein Risiko darstellen kann und auch kein Instrument für Internet-Stalker werden könnte? Das sollte man nicht abschließend beantworten. Vielmehr wird sich die Bildersuche bei Google weiter verbessern. So hat Google erst kürzlich das Spezialunternehmen Pittpatt (Pittsburgh Pattern Recognition) übernommen, das an der Gesichtserkennung bei Fotos und Videos arbeitet.

Nicht nur Google arbeitet an der Bilderuche

Zudem ist Google nicht der einzige Online-Anbieter, der eine inverse Bildersuche, also eine Suche anhand von Bildern, im Programm hat. TinEye zum Beispiel versucht gegenwärtig nach eigenen Aussagen, nicht Personen zu identifizieren, sondern sucht nur nach weiteren Fundstellen für ein Bild, das man dem Online-Dienst nennt. So kann man zum Beispiel prüfen, wer ein Bild im Internet verwendet.  Mitunter findet man so Webseitenbetreiber, die gegen Urheberrechte verstoßen und ein Bild ohne Erlaubnis kopiert und auf die eigene Webseite gestellt haben.

Allerdings arbeitet auch TinEye an einem Bilder-Vergleichsdienst, der eines Tages vielleicht ähnliche Fotos der gleichen Person finden könnte.


Download:


Auch an Metadaten und Tags denken

Zudem liefern Bilder im Internet mehr Informationen als auf den ersten Blick sichtbar ist. In den Metadaten, die die Suchmaschinen ebenfalls auswerten können, sind nicht nur Aufnahmedatum und Kameramodell zu finden. Wer seinen Fotos bei der Bildbearbeitung zusätzliche Informationen mitgibt (zum Beispiel Name des Fotografen, Stichworte zum Bildinhalt), liefert sie meist auch an die Suchmaschinen, wenn das Bild im Netz veröffentlicht wird.

Die Yahoo-Bildersuche zum Beispiel liefert zu dem Ergebnis einer Bildersuche auch Hinweise, woran die Nutzer, die dieses Bild gesucht haben, noch interessiert waren. Zudem werden Bilder zueinander in Beziehung gesetzt (Related Images, Related People in den Suchergebnissen).

Die Bildersuche könnte sich zum Sammeln personenbezogener Daten missbrauchen lassen

Eine Bildersuche im Internet könnte in Zukunft also nicht nur dabei helfen, Personen zu identifizieren, sondern auch weitere Informationen über Personen zu sammeln, wenn sich ihre Fotos in bestimmten Zusammenhängen aufspüren lassen.

Informieren Sie deshalb die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dass auch Bilddaten im Internet mehr verraten können als direkt sichtbar ist. Über Suchmaschinen können zusätzliche Daten mit den Bildern verknüpft werden.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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