25. Juni 2012 - Soziale Netzwerke

Warum sich jeder für den Datenschutz in sozialen Netzwerken interessieren sollte

Selbst wenn kein Beschäftigter Ihres Unternehmens bei Facebook oder einem anderen sozialen Netzwerk Mitglied ist oder wenn die betriebliche Nutzung sozialer Netzwerke sogar verboten wurde, sollten Sie für den notwendigen Datenschutz in sozialen Netzwerken sensibilisieren. Aktuelle Studien zeigen nämlich, wie umfassend sich auch Nicht-Mitglieder von sozialen Netzwerken analysieren lassen.

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Auch Nicht-Mitglieder sollten für den Datenschutz in sozialen Netzwerken sensibilisiert werden (Bild: Thinkstock)

Facebook geht uns nichts an?

„Schon wieder Facebook und soziale Netzwerke, das betrifft uns nicht, denn bei uns ist das verboten.“ Wenn Ihnen solche Gedanken bei diesem Artikel kommen, werden Sie gleich überrascht sein. Denn auch Nicht-Mitglieder werden durch soziale Netzwerke analysierbar, wie aktuelle Untersuchungen zeigen.

Im Prinzip kann also jeder vom mangelnden Datenschutz in sozialen Netzwerken betroffen sein!

Sicherheit in sozialen Netzwerken: Ein Thema für jeden

Eigentlich ein gutes Zeichen für die steigende Sensibilisierung, wenn es um den Datenschutz in sozialen Netzwerken geht: Lediglich 14 Prozent fühlen sich in sozialen Netzwerken sicher; die große Mehrheit von rund 84 Prozent befürchtet, dass ihre persönlichen Informationen in Facebook, Google+ oder Twitter gestohlen oder missbraucht werden könnten, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des IT-Sicherheitsanbieters Avira.

Doch es stellt sich die Frage, warum sich die 14 Prozent der Befragten sicher fühlen, wenn es um Facebook & Co geht. Sind sie vielleicht gar nicht auf einem der sozialen Netzwerke vertreten? Dann aber verlassen sie sich auf eine trügerische Sicherheit.

Soziale Netzwerke breiten sich aus

Zum einen sind sich viele gar nicht bewusst, wie weit verbreitet soziale Netzwerke bereits sind. Wie der Hightech-Verband BITKOM kürzlich darstellte,

  • sind fast drei Viertel (74 Prozent) aller Internetnutzer in Deutschland in einem sozialen Netzwerk angemeldet, zwei Drittel nutzen sie auch aktiv,
  • ist das am häufigsten genutzte soziale Netzwerk Facebook, 45 Prozent der Internetnutzer in Deutschland sind dort aktiv, und
  • ist fast ein Drittel (32 Prozent) aller Unternehmen bereits mit eigenen Seiten auf Facebook aktiv.

Das ist aber nicht alles: Man muss gar nicht Mitglied in einem sozialen Netzwerk sein, um zu den Betroffenen zu gehören.

Daten durch Dritte bei Facebook & Co

Schließlich muss man nicht selbst seine Daten den sozialen Netzwerken anvertrauen, das können auch Dritte übernehmen.

Selbst wenn zum Beispiel Facebook in den Rechten und Pflichten seiner Nutzer schreibt: „Du wirst Nutzer ohne ihre Einverständniserklärung nicht markieren oder Personen, die keine Nutzer sind, ohne ihre Zustimmung E-Mail-Einladungen schicken“ und „Du wirst uns keine Informationen übergeben, die du eigenständig von einem Nutzer oder dessen Inhalten erfasst hast, ohne dessen Einwilligung eingeholt zu haben“, können Daten von Nicht-Mitgliedern analysiert werden.

In der Praxis werden nur wenige zuerst ihre Kontakte befragen, bevor sie die E-Mail-Adressen in ein soziales Netzwerk hochladen.

Auch Nicht-Mitglieder werden transparenter

Aktuelle Studien der Universität Heidelberg zeigen, dass sich Informationen aus der Kontaktliste von Mitgliedern auf Nicht-Mitglieder übertragen lassen. Unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich, etwa 40 Prozent der existierenden Freundschaftsbeziehungen zwischen Nicht-Mitgliedern auf der Basis reiner Kontaktdaten korrekt vorherzusagen.

Anders ausgedrückt: Kontakte zwischen Nicht-Mitgliedern lassen sich erstaunlich gut aus Kontakten von Mitgliedern ableiten, wenn die Mitglieder zum Beispiel E-Mail-Adressen dieser Nicht-Mitglieder einem sozialen Netzwerk übergeben, damit diese eine Einladungsmail erhalten.


Download:


Freundschaftsbeziehungen sind nicht alles

Die möglichen Vorhersagen reichen aber noch weiter: In einem sozialen Netzwerk lassen sich laut der Studie aus Heidelberg auch Angaben wie sexuelle Orientierung oder politische Ausrichtung, die ein Mitglied nicht selbst angegeben hat, mit sehr hoher Präzision „berechnen“, wenn genug Kontakte des betreffenden Nutzers die entsprechende Information über sich selbst freigegeben haben.

Sprich: Aus den Kontakten eines Nutzers lassen sich Rückschlüsse über seine Interessen ziehen, ohne dass der Nutzer sie selbst angibt. Berücksichtigt man das zuvor erwähnte Ergebnis über die Rückschlüsse auf Nicht-Mitglieder, wird schnell deutlich, dass auch Nicht-Mitglieder indirekt und ungewollt ihre Interessen offenlegen könnten, ohne selbst bei Facebook oder einem anderen sozialen Netzwerk dabei zu sein.

Informieren Sie deshalb alle Internetnutzer in Ihrem Unternehmen über den Datenschutz in sozialen Netzwerken, ob sie nun Mitglieder sind oder nicht. Nutzen Sie dazu am besten die aktuelle Mitarbeiterinformation.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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