12. Dezember 2008 - Interview

Warum der Datenschutz zur Schule gehen sollte

Eine Aufklärung über die Bedeutung des Datenschutzes und die Risiken des Datenmissbrauchs sollte so früh wie möglich erfolgen. Diese Überzeugung liegt dem Projekt „Datenschutz geht zur Schule“ zugrunde, das vor etwa zwei Jahren mit einer ersten Schulveranstaltung in Versmold begann und nun bundesweit durchgeführt werden soll. Datenschutz PRAXIS sprach mit dem zuständigen Projektleiter beim Berufsverband der Datenschutzbeauftragten Deutschlands (BvD) e.V. und Geschäftsführer der EDV-Unternehmensberatung Floß GmbH, Thomas Floß.

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Thomas Floß, zuständiger Projektleiter beim Berufsverband der Datenschutzbeauftragten Deutschlands (BvD) e.V. und Geschäftsführer der EDV-Unternehmensberatung Floß GmbH.

Datenschutz PRAXIS: Wie ist es zu dem Projekt „Datenschutz geht zur Schule“ gekommen?

Thomas Floß: Das Projekt basiert auf einer Initiative des BvD-Vorstandsvorsitzenden Thomas Spaeing – der schon seit 2004 auf Anfrage ehrenamtlich Datenschutz-Vorträge an Schulen hält – und mir aus dem Jahre 2006. Meine Kinder zum Beispiel hatten immer wieder einmal Fragen zur Bedeutung des Datenschutzes. Da sie das Gymnasium hier gleich in der Nähe meines Büros besuchten, haben wir bei der Schule angefragt, ob dort Interesse an einem Vortrag über Datenschutz bestünde.

Bei einem Vorgespräch haben wir dann erst einmal erläutert, was es genau mit dem Datenschutz auf sich hat. Gerade die Informatik-Lehrerinnen und -Lehrer haben die Bedeutung des Themas Datenschutz gegenüber der Schulleitung unterstrichen. Wir haben dann eine Veranstaltung für die Klassen 11, 12 und 13 angeboten. Inzwischen hat die Veranstaltung bereits neunmal stattgefunden.

Datenschutz PRAXIS: Wie kann man sich eine Schulveranstaltung zum Thema Datenschutz denn konkret vorstellen?

Thomas Floß: Die Veranstaltung dauert jeweils eineinhalb Stunden. Wir haben eine PowerPoint-Präsentation dazu ausgearbeitet, die wir zu zweit vortragen. Dabei wechseln wir uns ab, dadurch wird die Präsentation lebendiger. Gleichzeitig haben wir praktisches Anschauungsmaterial dabei, damit die Schüler auch etwas zum „Begreifen“ erhalten. Fragen sind natürlich jederzeit zugelassen.

Datenschutz PRAXIS: Welche Art von Fragen wird am häufigsten gestellt?

Thomas Floß: Besonderes Interesse erregt das Thema MP3- und Video-Downloads auf Tauschbörsen im Internet. Den Schülerinnen und Schülern ist meist nicht klar, wie sie dabei in den Fokus der Strafverfolgung geraten können und welche Spuren sie im Internet hinterlassen. Fragen zu Gesetzen und Vorschriften kommen dagegen kaum.

Datenschutz PRAXIS: Welche weiteren Themen werden als Schwerpunkte in der Veranstaltung behandelt?

Thomas Floß: In unseren Schulveranstaltungen behandeln wir insbesondere Themen wie die verschiedenen Speicherorte personenbezogener Daten, was sich mit personenbezogenen Daten wie den Telefondaten neben der Abrechnung noch so alles machen lässt, wie Payback funktioniert, die möglichen Konsequenzen der Profile in Social Networks für eine spätere Bewerbung oder die Gefahr eines Identitätsdiebstahls.

Auch die Bedeutung und Wahl eines starken Passwortes und Fragen der IT-Sicherheit sprechen wir an. Das fängt an mit dem Speichern einer Datei auf einen USB-Speicherstift und geht bis zu Lauschangriffen auf Netzverbindungen.

Datenschutz PRAXIS: Welche Reaktionen der Schülerinnen und Schüler bekommen Sie?

Thomas Floß: Etwa zwei Drittel sind jeweils an der Sache interessiert und reagieren mit Erstaunen, was alles mit ihren Daten passieren kann. Bisher war auch immer mal ein Teilnehmer darunter, der bereits Kontakt mit der Staatsanwaltschaft wegen illegaler Dateidownloads auf Tauschplattformen hatte.

Datenschutz PRAXIS: Und wie sehen die Schulungen für Lehrkräfte aus?

Thomas Floß: Unsere Veranstaltungen für die Lehrkräfte beinhalten im Wesentlichen die gleichen Themen wie die Vorträge für die Schüler, allerdings teilweise detaillierter aufbereitet. Wir versuchen, die Lehrkräfte als Multiplikatoren zu gewinnen, damit sie die ersten Fragen selbst beantworten können und bei komplizierten Fragen sich bei uns melden.

Datenschutz PRAXIS: Welche Erfahrungen aus dem bisherigen Schulprojekt können Sie an interessierte Mitglieder und Datenschützer weitergeben?

Thomas Floß: Uns erscheint es wichtig, dass bei den Schülerinnen und Schülern eine gewisse Vorbildung vorhanden sein muss, damit die 1,5 Stunden ausreichen und wirklich neue Erkenntnisse vermittelt werden können. Also sollten die Klassen 11, 12 und 13 angesprochen werden, oder aber bei jüngeren Schülern sollte durch die Lehrer eine Vorarbeit geleistet werden, zum Beispiel im Politikunterricht.

Zudem haben wir festgestellt, dass in den vergangenen Jahren die Schülerinnen und Schüler sensibler geworden sind für das Thema Datenschutz, die Fragen werden kritischer.

Erfreulich ist die Erfahrung, dass die Schüler nach der Veranstaltung mit ihren Geschwistern und Eltern über Datenschutz reden. Das wissen wir durch Rückfragen zu speziellen Punkten seitens der Eltern.

Datenschutz PRAXIS: Welche Unterstützung können Sie interessierten Mitgliedern und Datenschützern bisher zur Verfügung stellen?

Thomas Floß: Zunächst unsere Präsentation, die auch als Handout ausgedruckt werden kann. Es gibt darüber hinaus eine ganze Reihe von Materialien, die wir noch gar nicht ganz sichten konnten. Dies wird eine der ersten Aufgaben des neuen Arbeitskreises im BvD sein. Zudem können wir Anfragen von Schulen und Veranstaltungsangebote unserer Mitglieder koordinieren.

Datenschutz PRAXIS: Welche weiteren Schritte planen Sie?

Thomas Floß: Bislang können wir aus Kapazitätsgründen die Veranstaltungen nur in unserem Umkreis in NRW anbieten. Da sich aber bereits zahlreiche Datenschutzbeauftragte aus dem Berufsverband bei uns gemeldet haben, die bereit sind mitzuarbeiten, wollen wir nun das Projekt bundesweit ausrollen. Gleichzeitig sind wir mit verschiedenen Stellen und Organisationen im Gespräch, um die Kräfte in diesem Projekt zu bündeln und mehr Unterstützung für die Schulen zu bekommen.

Aktuell haben wir eine positive Resonanz aus Brandenburg. Auch Stiftungen haben wir schon angesprochen, leider bislang ohne Erfolg. Wir würden gerne mit einer solchen Unterstützung weiteres Material an die Schulen geben und auch ein Informationsportal über Datenschutz für Schüler aufbauen. Die vorhandenen Portale sind meist weniger kindgerecht. Auch Softwarehersteller im Anti-Virus-Bereich und andere Unternehmen könnten die Aktion mit kostenlosen Tools für die Schüler unterstützen.

Wir hoffen, dass allen bewusst wird, dass der Datenschutz deutlich früher anfangen muss. Das sieht man schon daran, dass bereits Schüler aus der 6. oder 7. Klasse regelmäßig im Internet surfen.

Das Interview führte Oliver Schonschek.

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