20. Oktober 2008 - Personensuchmaschinen

Warum auch deutsche Behörden das Internet nach Personen durchsuchen

Nicht nur Privatpersonen nutzen Personensuchmaschinen im Internet. Wie sich jetzt zeigte, setzen auch deutsche Behörden in speziellen Fällen auf die Informationsbeschaffung durch Yasni.de und vergleichbare Angebote. Doch wie zuverlässig können solche dienstlichen Recherchen sein? Und zu welchem Zweck werden solche Internetsuchen Teil der dienstlichen Informationsbeschaffung? Datenschutz PRAXIS sprach mit Yasni-Geschäftsführer Steffen Rühl, verschiedenen Bundestagsabgeordneten und Behörden.

Datenschutzkonzept ist Grundlage der Datenschutzorganisation (Bild: Mathias Rosenthal / iStock / Thinkstock)

Vor über einem Jahr begann die US-amerikanische Personensuchmaschine Spock.com damit, die Recherchen nach persönlichen Informationen im Internet zu vereinfachen.

Inzwischen gibt es auch deutsche Personensuchmaschinen. Auf yasni.de zum Beispiel greifen monatlich über fünf Millionen Nutzer zu, um sich die Fundstellen im Internet zu ihren eigenen personenbezogenen Daten oder zu den Daten beliebiger anderer Personen anzeigen zu lassen.

Neben den Privatpersonen gibt es aber auch andere Interessenten für die Daten, die die Personensuchmaschinen finden.

Internet als Teil der Bewerbungsunterlagen?

Immer wieder finden sich Berichte in den Medien, dass Personalabteilungen die eingereichten Bewerberunterlagen durch Informationen ergänzen, die sie über den Bewerber oder die Bewerberin im Internet finden. So manche Stelle sei schon anderweitig vergeben worden, nachdem peinliche Fotos oder negative Äußerungen von einem Interessenten im Internet gefunden wurden.

Auch die Bundesagentur für Arbeit nutzt yasni.de

Mit seiner Pressemeldung vom 19.08.08 machte Yasni-Geschäftsführer Steffen Rühl auf ein angebliches behördliches Interesse an den Daten, die über seine Personensuchmaschine und vergleichbare Dienste gefunden werden können, aufmerksam.

„Die Bundesagentur für Arbeit (BA) greift regelmäßig über die Personen-Suchmaschine yasni auf personenbezogene Daten im Internet zu“, hieß es dort, „Weit über 20.000 Datenabfragen monatlich kommen offenbar von Arbeitsagenturen aus ganz Deutschland.“

Behörden sind über ihre Domains identifizierbar

Hier stellen sich für den Datenschützer verschiedene Fragen: Unter welchen Voraussetzungen werden personenbezogene Daten aus dem Internet durch die BA abgefragt, und wie werden sie verwendet? Aber auch: Wie konnte yasni.de diese Feststellung treffen, wenn laut Datenschutzerklärung keine IP-Adressen gespeichert werden?

Die Antwort auf die zweite Frage ist leicht zu geben. „Selbstverständlich bietet unsere Webanalyse weiterhin die Möglichkeit, die Provider der uns nutzenden User auszuwerten, ebenso wie Verbindungsgeschwindigkeiten oder Bildschirmauflösungen“, erklärt der Yasni-Geschäftsführer. „Das passiert auf aggregierter Ebene, geht ohne IP-Adressen und ist für den einzelnen Nutzer auch absolut anonym.“

Der Rückschluss auf Behörden wie die BA sei trotzdem durch die Webanalyse möglich, da viele Behörden und Firmen ihre eigenen Zugangsnetze und Zugangskennungen verwenden. Und sammeln Websites nur aggregierte Informationen über die Besucher oder nur anonymisierte Daten in Form von auf Domain-Ebene reduzierten IP-Adressen, so ist damit keine Speicherung personenbezogener Daten gegeben.

Bleibt zu klären, warum Behörden wie die BA im Internet nach Personendaten suchen.

Die Bundesregierung nimmt Stellung

Die Bundestagsabgeordnete Gisela Piltz richtete die schriftliche Frage an die Bundesregierung, in welchen Fällen von den Bundesbehörden Details über lnternetdienste wie  „yasni“ und „Xing“ zu Bürgerinnen und Bürgern abgefragt würden.

Nach Aussage der Bundesregierung gibt es keine Fälle, in denen die Bundesregierung und ihr Geschäftsbereich systematisch oder routinemäßig Daten von Bürgerinnen und Bürgern über Personensuchmaschinen oder soziale Netzwerke abfragen.

Gelegentlich werde aber zur dienstlichen Aufgabenwahrnehmung und unter Beachtung der geltenden datenschutzrechtlichen Vorgaben auch auf Internetdienste der genannten Art, soweit sie offen (ohne Anmeldung oder Registrierung) zugänglich seien, zugegriffen. Statistische Erhebungen lägen hierzu nicht vor.

Die BA erklärt Verwendung von Suchmaschinen

„Selbstverständlich ist es uns nicht möglich zu bestimmen, ob aus den Behörden nun aus beruflichem Antrieb oder aus privaten Gründen einzelner Mitarbeiter auf unsere Personensuche zugegriffen wurde“, erklärt Steffen Rühl von yasni.

Eine Nachfrage des Autors bei der BA ergab zwei Gründe für die dienstliche Nutzung von Suchmaschinen in konkreten Einzelfällen. So erklärte die BA:

  1. Es ist mittlerweile vielfach üblich, dass Personalstellen von Unternehmen bei Bewerbern vorab Internet-Einträge prüfen. Wenn also einzelne Bewerber immer wieder Absagen bekommen, die eigentlich nicht erklärbar sind, nutzen auch Arbeitsvermittler derartige Suchmaschinen. Sinn ist es, die Arbeitslosen auf mögliche negative Einträge im Internet hinzuweisen, damit sie diese ggf. löschen.
  2. Es kann sich auch anlassbezogen um die Prüfung von Fällen auf Leistungsmissbrauch handeln. Das erfolgt allerdings nur dann, wenn ein Anfangsverdacht vorliegt.

Bundestagsabgeordneter hält Vorgehen der Bundesagentur für sehr befremdlich

Zu der Pressemeldung von yasni.de über die Zugriffe der BA erklärte der Bundestagsabgeordnete Jan Korte: „Unabhängig von der rechtlichen Einordnung fände ich ein solches Vorgehen jedoch sehr befremdlich, da yasni eine Meta-Suchmaschine ist, die Daten aus verschiedensten anderen Quellen (wie Profile aus verschiedenen Community-Seiten, Google) zusammensucht und automatisiert zusammen führt.“

Korte erläuterte seine Bedenken: „So kann die Integrität der Daten nicht garantiert werden, die Richtigkeit ist nicht sicher und die zweifelsfreie Zuordnung von Personen zu einer Information geradezu ausgeschlossen. Yasni ist also für Recherchezwecke der BA generell ungeeignet. Darüber hinaus hat die BA Daten vor allem bei den Antragstellerinnen und Antragstellern direkt zu erheben, statt sich auf Sekundärquellen zu verlassen.“

Das Internet ist nicht nur ein Raum für polizeiliche Ermittlungen

Auch nach der Pressemeldung vom 19.08.08 bleiben die Zugriffe auf yasni.de durch die BA und andere Behörden weiterhin stabil hoch, so Steffen Rühl.

Für Datenschützer heißt das, über die Möglichkeiten, aber auch über die Einschränkungen von Personensuchmaschinen aufzuklären und den Internetnutzern zu verdeutlichen, dass nicht nur die Anzahl der im Web veröffentlichten persönlichen Daten stetig zunimmt. Auch die Anzahl der Interessenten für solche Daten im Internet dürfte weiter wachsen, auch auf behördlicher Seite.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

 

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