7. Februar 2011 - Online-Tracking

Warum auch Chrome und Firefox beim Tracking-Schutz zu kurz greifen

Nicht nur Microsoft hat sich um den Schutz der Internetnutzer vor unerwünschtem Online-Tracking bemüht. Wie im Internet Explorer 9 soll es auch bei Mozilla Firefox 4 eine Opt-Out-Funktion geben. Und Google bietet bereits für den Chrome-Browser eine entsprechende Erweiterung. Doch allein die technischen Browserfunktionen werden das unerwünschte Online-Tracking nicht abstellen können.

warum-auch-chrome-und-firefox-beim-tracking-schutz-zu-kurz-greifen.jpeg
Online-Tracking: Auch mit den neuen Browserfunktionen nicht gänzlich zu verhindern (Bild: Thinkstock)

Gute Zeiten für den Datenschutz?

67 Prozent der US-amerikanischen Internetnutzer müssten auf den ersten Blick bald sehr zufrieden sein. In einer Umfrage von Gallup vom Dezember 2010 hatten sie sich gegen verhaltensbasierte Werbung im Internet ausgesprochen. 61 Prozent sahen sogar die Nutzung kostenloser Internetdienste als keinen Grund an, verhaltensbasierte Werbung zu akzeptieren.

Nun kommen endlich Browser-Funktionen, die das unerwünschte Online-Tracking unterbinden sollen. In Zukunft sollen Internetnutzer selbst entscheiden können, ob ihre Internetaktivitäten durch Dritte nachverfolgt werden dürfen, um passende Online-Werbung anzeigen zu können.

Schutz vor Online-Tracking auch bei Firefox und Chrome

Nach der Ankündigung von Tracking Protection für den neuen Internet Explorer 9 hat auch Mozilla für den Firefox-Browser 4 eine Do-not-Track Funktion angekündigt. Google Chrome hat sogar bereits eine entsprechende Browser-Erweiterung mit dem Plug-in „Keep my Opt-outs“ im Angebot.

Doch bringen die Browser-Funktionen wirklich, was sie versprechen, also einen zuverlässigen Tracking-Schutz?

Firefox: Hilft ein Kennzeichen „Tracken verboten“?

Der Online-Tracking-Schutz der Browser Firefox und Chrome sieht ganz anders aus als das Tracking Protection des Internet Explorers. Während beim Microsoft-Browser eine Liste der verbotenen und erlaubten Tracking-Dienste hinterlegt werden kann, auf deren Basis Verbindungen zu Tracking-Diensten blockiert oder zugelassen werden, geht Mozilla Firefox den Weg, die Ablehnung (Opt-out) von Online-Tracking als Kennzeichen (im sogenannten http-Header) an die Webseitenbetreiber und Werbenetzwerke zu übertragen.

Die Idee ist hübsch. Allerdings müssen der Webseitenbetreiber und die Werbenetzwerke, die das Kennzeichen „Do-not-Track“ übertragen bekommen, das Signal technisch verarbeiten können und sich daran halten. Schließlich wird auch im Internet nicht jeder Wunsch erfüllt.

Google Chrome: Ein Plug-in gegen das Tracken

Google Chrome setzt dagegen auf sein bereits eingeführtes Opt-out-Plug-in. Die Idee, über ein Opt-out-Cookie das Ablegen von Tracking-Cookies zu verbieten, verfolgt Google bereits seit Längerem.

Bislang gab es aber das Problem, dass das Löschen der Cookies auch das Opt-out-Cookie von der Festplatte des Internetnutzers getilgt hat. Deshalb musste man theoretisch für jede neue Sitzung ein Opt-out-Cookie aktivieren, sofern der Cookie-Manager am Sitzungsende die Cookies löscht.


Download:


Da ein Mechanismus, der bei jeder Online-Sitzung erneut aktiviert werden muss, kaum zum Erfolg führt, gibt es nun eine Browsererweiterung namens „Keep my Opt-outs“ (also „behalte meinen Opt-out-Wunsch“) von Google. Auch diese Idee ist gut, doch nicht alle Werbenetzwerke und Webseitenbetreiber werden auf das Plug-in achten. Verpflichtet haben sich insbesondere die Mitglieder des NAI (Network Advertising Initiative).

Browser können rechtliche Vorgaben nicht ersetzen

Jede Browserfunktion, die vor Online-Tracking schützen soll, ist ein guter Schritt in Richtung verbesserter Online-Datenschutz. Doch der Ansatz bei Google Chrome oder der bei Mozilla Firefox kann nicht erzwingen, dass sich alle Werbenetzwerke auch an das Opt-out gegen Online-Tracking halten.

Tracking Protection beim Internet Explorer 9 ist ebenfalls limitiert durch die Tracking Protection Lists, die kaum vollständig sein können bei der Dynamik im Internet und bei dem Einfallsreichtum der Online-Werber.

Letztlich kann nur eine rechtliche Vorgabe zum Online-Tracking für Klarheit sorgen, wann verhaltensbasierte Werbung erlaubt sein soll und wann nicht. All die neuen Browserfunktionen können keinen sicheren Schutz gegen unerwünschtes Tracking bieten.

Informieren Sie die Mitarbeiter über die Tracking-Situation

Informieren Sie deshalb Mitarbeiter und Administratoren über die neuen Browserfunktionen gegen Online-Tracking und weisen Sie auf die Beschränkungen hin. Dazu finden Sie eine Mitarbeiterinformation unter den Downloads.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

Sie glauben, Sie hätten noch so viel Zeit? Falsch! Es gibt mehr zu tun, als Sie vielleicht denken! ▶ Zeit zu handeln