12. April 2010 - Soziale Netzwerke

Vorsicht, Massen-Screenings im Web 2.0!

Soziale Netzwerke breiten sich immer weiter aus. Das kann zum Problem für Unternehmen werden, deren Mitarbeiter berufliche und private Informationen nicht sauber trennen. So können – unbeabsichtigt oder nicht – wichtige Informationen oder Betriebsgeheimnisse an die Öffentlichkeit gelangen. Unterstützen Sie als Datenschutzbeauftragter daher das Unternehmen dabei, bestimmte Spielregeln aufzustellen.

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Auch bei der Überwachung von Aktivitäten in sozialen Netzwerken darf die Mitarbeiterüberwachung nie zu weit gehen (Bild: Thinkstock)

Dass Mitarbeiter über den Status vertraulicher Projekte freimütig in ihrem Online-Profil berichten, ist schon mehr als einmal vorgekommen. Kein Wunder also, dass viele Unternehmen soziale Netzwerke und andere Formen des Web 2.0 als Bedrohung empfinden. Schließlich geht es um den möglichen Verlust des guten Rufs, gefolgt von Umsatz- und Kundenverlust.

Was also tun, um das Problem „soziale Netzwerke“ in den Griff zu bekommen?

  • Die eine – und die aus Datenschutz-Sicht beste – Möglichkeit: eine Social Media Policy.
  • Die andere Möglichkeit: die Überwachung der Mitarbeiter, um Auswüchse zu verhindern. Damit schafft man allerdings ein neues Problem. Denn die Kontrolle darf nicht zum anlasslosen Massenscreening ausarten.

Mitarbeiterüberwachung per Social Sentry

Ähnlich den Presse-Clippings aus der Medienbeobachtung können Unternehmen eine Beobachtung der Mitarbeiteraktivitäten in sozialen Netzwerken beauftragen oder selbst durchführen.

In den USA ist dazu bereits ein Online-Dienst auf dem Markt, Social Sentry genannt. Dieser Dienst sendet regelmäßig Berichte an seinen Auftraggeber über das, was dessen Mitarbeiter auf Plattformen wie Facebook, Twitter, LinkedIn oder YouTube veröffentlicht haben.

Alarm bei Verdacht auf Geheimnisverrat

Durch die Definition von Keywords können sich Unternehmen immer dann eine Alarmierung senden lassen, wenn die eigenen Mitarbeiter auf Facebook, Twitter oder einem der anderen überwachten Online-Plattformen eines oder mehrere der Keywords erwähnen. Denkbare Keywords wären zum Beispiel der Name eines vertraulichen Projekts, eines noch nicht auf den Markt gebrachten Produktes, Markennamen, Kundennamen oder aber der Name des Chefs.

Auch Beziehungen werden analysiert

Über Keywords und andere Suchaufträge kann ein Tool wie Social Sentry auch Beziehungen zwischen Mitarbeitern und Wettbewerbern aufdecken, wenn sich diese in sozialen Netzwerken zeigen. So könnten auch Stellensuchen der Mitarbeiter auffallen oder aber die Zeit aufsummiert werden, die ein Mitarbeiter während der Arbeit in sozialen Netzwerken verbringt.

Schwierig dürfte es immer dann werden, wenn sich über die Keywords keine klare Trennung zwischen privaten und dienstlichen Online-Profilen treffen lässt. Dann geraten auch die privaten Äußerungen der Mitarbeiter unter die Überwachung. So könnten die Berichte bei entsprechender Einstellung ohne weiteres zeigen, wie lange ein Mitarbeiter nach Feierabend Nachrichten über Twitter gesendet hat oder wann ein neuer Eintrag auf dem privaten Facebook-Profil erzeugt wurde.

An Mitarbeiterdatenschutz denken!

Ein anlassloses Massen-Screening und die Auswertung der privaten Internetnutzung sind allerdings nicht vereinbar mit einem Mitarbeiterdatenschutz, wie er in Grundzügen in § 32 BDSG beschrieben wird und in absehbarer Zeit noch ausführlicher geregelt werden wird. Wer also einen Dienst wie Social Sentry nutzt oder die Mitarbeiteraktivitäten im Internet über Personensuchmaschinen überwacht, sollte ganz genau abwägen, nach welchen Informationen gesucht werden darf und nach welchen nicht.

Ohne Zweifel muss sich ein Unternehmen vor Geheimnisverrat und Verleumdung schützen können, indem auch das Web 2.0 nach entsprechenden Anzeichen durchsucht wird. Der Mitarbeiterdatenschutz darf dabei aber nicht auf der Strecke bleiben.

Empfehlen Sie deshalb

  • klare Spielregeln für die betriebliche Nutzung sozialer Netzwerke (Social Media Policy),
  • die strikte Trennung beruflicher und privater Profile in Online-Netzwerken,
  • die Verwendung von Pseudonymen für private Profile und
  • Datensparsamkeit, die gerade im Web 2.0 bislang nur unzureichende Beachtung findet.

Weiteres Tipps finden Sie in unserer Checkliste „Arbeitnehmerdatenschutz und Mitarbeiterüberwachung im Web 2.0“.

Kündigung möglich!

Übrigens: Mitarbeiter, die vertrauliche oder negative Informationen über ihr Unternehmen im Internet veröffentlichen, müssen mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen!

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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