23. Januar 2012 - Opt-out-Verfahren

Viele Datenschutz-Optionen sind zu kompliziert

Wenn Sie als Datenschutzbeauftragter eine Software prüfen, sollten Sie auch auf die Anwenderfreundlichkeit achten. Oftmals sind die Datenschutz-Einstellungen so schwierig zufinden und so umständlich, dass viele Nutzer ungewollt auf mehr Datenschutz verzichten müssen. Abhilfe schafft eine spezielle Unterweisung zu den Datenschutz-Optionen.

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Viel Mühe bereitet das richtige Verstehen anwenderfeindlicher Datenschutz-Optionen (Bild: Thinkstock)

Wollen und Können ist ein Unterschied

Nicht nur bei verhaltensbasierter Werbung möchten die Nutzer gerne selbst entscheiden, was mit ihren Daten geschieht. Auch bei sozialen Netzwerken wollen fast 80 Prozent der Nutzer aktiv die Datenschutz-Einstellungen verwenden, wie eine aktuelle BITKOM-Studie zeigt. Für soziale Netzwerke zeigt die erwähnte BITKOM-Studie aber auch, dass sich 66 Prozent der Nutzer mehr Informationen wünschen, wie sie ihre Daten konkret im sozialen Netzwerk schützen können.

An der Spitze der Nutzerwünsche steht laut Studie die Möglichkeit, die Sichtbarkeit von Daten generell nach Personengruppen zu differenzieren (95 Prozent). Jeweils 89 Prozent halten es für wichtig, dass sie ihre Pinnwand für bestimmte Personen freigeben können oder das eigene Profil vor Suchmaschinen verbergen können. 86 Prozent möchten die Möglichkeit haben, die Kommunikation mit einzelnen anderen Mitgliedern zu blockieren, und 82 Prozent plädieren für die Option, das eigene Profil auch innerhalb eines Netzwerks unsichtbar machen zu können.

Aber klappt dies auch in der Praxis?

Studie zeigt Schwierigkeiten der Nutzer bei den Datenschutz-Einstellungen

An der Carnegie Mellon University fand eine Untersuchung statt, wie eine Gruppe von 45 Testpersonen mit neun verschiedenen Opt-out-Verfahren zurecht kam („Why Johnny Can’t Opt Out: A Usability Evaluation of Tools to Limit Online Behavioral Advertising“).

Das Ergebnis ist eine deutliche Warnung für den Datenschutz: Die Testkandidaten hatten große Schwierigkeiten, ihren persönlichen Wunsch wie zum Beispiel die Ablehnung verhaltensbasierter Werbung korrekt einzustellen. Die Erklärungen zu den Opt-out-Verfahren waren zu technisch und zu kompliziert, so das Studienergebnis.

Anwenderfreundlichkeit gehört zum Datenschutz

Es reicht nicht, von einer Software oder einem Online-Dienst Datenschutz-Optionen zu fordern. Die Datenschutz-Einstellungen müssen auch anwenderfreundlich und verständlich sein. Wenn Sie also eine Software oder einen Online-Dienst vor der internen Einführung prüfen, sollten Sie sich auch ansehen, wie einfach oder kompliziert die angebotenen Datenschutz-Optionen sind.

Leider hat Ihr Unternehmen in vielen Bereichen keine wirkliche Wahl, um nur anwender- und datenschutzfreundliche Software einzusetzen. Wenn zum Beispiel alle Webbrowser komplizierte Datenschutz-Optionen haben, kann man nicht anders, als einen der Webbrowser zu nutzen.

Erklären Sie die Datenschutz-Optionen

Wenn Sie also bei einem Online-Dienst oder einer Software, die dienstlich genutzt werden soll, feststellen müssen, dass Sie selbst mit den Einstellungen klar kommen (oder auch nicht), bei den meisten Anwender aber nicht zu erwarten ist, dass diese damit wirklich umgehen können, haben Sie ein wichtiges Thema für Ihre Datenschutzunterweisung gefunden: die Datenschutz-Optionen.

Kein Patentrezept, aber typische Probleme

Leider gibt es keine allgemein gültigen Datenschutz-Einstellungen, fast jedes Produkt bietet veränderte Funktionen für die Datenschutz-Optionen. Suchen Sie deshalb für Ihre Datenschutzunterweisung ganz gezielt in der Online-Hilfe oder im Benutzerhandbuch der Software nach „Datenschutz-Optionen“ oder „Datenschutz-Einstellung“ und testen Sie selbst den Ablauf der Datenschutz-Funktionen.


Download:


Überlassen Sie das Thema Anwenderfreundlichkeit nicht nur dem Einkauf, sondern achten Sie darauf, dass gut verständliche und einfach nutzbare Datenschutz-Einstellungen zu den Auswahlkriterien gehören. Wenn keine echte Alternative zu einer Software oder einer Online-Lösung besteht, sollten Sie die Datenschutz-Optionen explizit schulen.

Der Download zeigt Ihnen die typischen Probleme der Nutzer mit den Datenschutz-Einstellungen, auf die Sie besonders achten sollten.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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