22. Juni 2012 - Vorsicht, bevor es teuer wird!

Übernahme von Bildern aus dem Internet für Vorträge und Präsentationen

Jeder kennt den goldenen Ratschlag: Ein gutes Bild sagt mehr als tausend Worte! Also wird die nächste Präsentation mit einigen passenden Bildern aus dem Internet angereichert. Dort findet man schließlich genug davon. Die Folge des Ganzen kann allerdings eine ziemlich teure Rechnung sein. Informieren Sie die Kollegen daher, was sie hierzu wissen sollten. Der Beitrag erläutert die wichtigsten Begriffe und schildert die Bedeutung von Nutzungsbedingungen auch bei „freien“ Bildern.

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Das Urheberrecht gilt bei Bildern grundsätzlich auch ohne ein Copyright-Zeichen (Bild: Thinkstock)

Ärger bei der Übernahme von Bildern aus dem Internet droht sehr rasch wegen Verletzung des Urheberrechts. Zu diesem Thema kursieren – nicht zuletzt im Internet selbst – viele falsche Ratschläge.

Der „Copyright-Vermerk“ wird meist völlig überschätzt

Einer davon ist die Behauptung: „Wenn bei einem Bild kein Copyright-Vermerk angebracht ist (also kein „c in einem Kreis“), dann muss man sich auch keine Gedanken machen. Solche Bilder darf jeder frei benutzen.“

Vorsicht vor rechtlichen Märchen!

Bei dieser Aussage handelt es sich um ein rechtliches Märchen. Im deutschen Recht – und übrigens inzwischen auch im Recht der USA – entsteht das Urheberrecht „automatisch“, also kraft Gesetzes.

Das Urheberrecht greift auch ohne einen Copyright-Vermerk

Es muss nirgendwo registriert werden, und es ist auch kein ausdrücklicher Hinweis darauf erforderlich, dass der Urheber den Schutz dieses Rechts tatsächlich in Anspruch nimmt. Ein vorhandener Copyright-Vermerk begründet also kein Urheberrecht. Und ein fehlender Copyright-Vermerk lässt ein vorhandenes Urheberrecht nicht entfallen.

Bild und abgebildeter Gegenstand sind zwei verschiedene Dinge

Ebenso wenig trifft folgende Aussage zu: „Wenn auf einem Bild alte Sachen abgebildet sind, gibt es kein Urheberrecht. Das Urheberrecht endet nämlich nach 70 Jahren“. Diese Behauptung beruht auf mehreren Irrtümern:

  • Zunächst einmal geht es bei Bildern von Sachen um das Urheberrecht an dem Bild selbst und nicht um das Urheberrecht an den darauf abgebildeten Sachen. Wenn also ein Fotograf die Titelseite eines 500 Jahre alten Buches fotografiert, besteht an dem Lichtbild, das er angefertigt hat, für ihn sehr wohl ein Urheberrecht. Wie alt der abgebildete Gegenstand ist, spielt keine Rolle.
  • Weiterhin ist die Frist von 70 Jahren im Urheberrechtsgesetz (UrhG) zwar als Grundregel dafür enthalten, wie lange ein Urheberrecht besteht (siehe § 64 UrhG). Für „Lichtbilder“ gilt aber eine spezielle, kürzere Frist von lediglich 50 Jahren (siehe § 72 Abs. 3 UrhG). Während dieser „Schutzfrist“ muss das Urheberrecht beachtet werden.

„Gemeinfrei“ – ein oft missverstandener Begriff

Nach Ablauf der Schutzfrist wird ein Bild „gemeinfrei“. Das bedeutet, dass es dann allgemein (also für jedermann) frei zu benutzen ist.

Die Gemeinfreiheit entsteht kraft Gesetzes durch Ablauf der Schutzfrist. Weil es in manchen Ohren besser klingt, werden gemeinfreie Bilder manchmal auch als „Public-Domain-Bilder“ bezeichnet. Dieser Begriff ist aber nicht eindeutig. Teils wird er nämlich auch benutzt, wenn ein Urheber Bilder vollständig zur beliebigen Nutzung durch jedermann freigibt.

„Frei“ – und trotzdem gelten Bedingungen

Wenn ein Bild vom Urheber selbst als „frei“ bezeichnet wird, vermuten viele, man könne es nach Belieben und ohne Vergütung übernehmen. Das ist jedoch zu kurz gegriffen.

Bei Wikipedia Commons wird etwa ausdrücklich – und völlig zutreffend – darauf hingewiesen, der Vermerk „frei“ bedeute lediglich, dass das betreffende Bild bei Einhaltung der Lizenzbedingungen kostenlos übernommen werden kann. Denn ein Urheber hat natürlich die Möglichkeit, die Nutzung eines Bildes nur für bestimmte Zwecke zu gestatten, etwa für Zwecke des Unterrichts oder für wissenschaftliche Zwecke.

Unbedingt die Lizenzbedingungen des „freien“ Bildes beachten!

Deshalb muss stets überprüft werden, ob der Vermerk „frei“ durch irgendwelche Lizenzbedingungen näher erläutert ist. Sie müssen dann sorgfältig gelesen und beachtet werden.

„Lizenzfrei“ und „freie Lizenz“ sind keineswegs dasselbe!

Ähnlich irreführend ist der Begriff „lizenzfrei“. Er darf nicht etwa mit „kostenlos“ gleichgesetzt werden. Er bedeutet üblicherweise ganz im Gegenteil, dass vor Beginn der Nutzung eine einmalige Gebühr zu zahlen ist.

Die sprachlich ganz ähnliche Formulierung „freie Lizenz“ meint dagegen, dass tatsächlich keinerlei Gebühren anfallen. Aber auch eine freie Lizenz ist immer noch eine Lizenz. Sie enthält also Bedingungen für die Verwendung der Bilder, die zu beachten sind.

Zwei Beispiele aus dem Internet

Manche Urheber sind dabei sehr großzügig, andere weniger. So bietet die Seite www.kostenlos-fotos.de/ viele schöne Bilder, die man ohne Weiteres in Präsentationen einbauen darf. Allerdings legt dieser Urheber in seinen Nutzungsbedingungen z.B. Wert darauf, dass seine Bilder nicht zur Herstellung von Postkarten verwendet werden.

Die genannte Seite besteht nach (glaubwürdigen) Angaben ihres Inhabers ausschließlich aus Bildern, die er selbst angefertigt hat. Schwieriger wird es, wenn eine Plattform Bilder anbietet, die zahlreiche verschiedene Personen hochladen (siehe als Beispiel www.bildergrotte.de/). Zwar müssen die „Uploader“ dann üblicherweise versichern, dass ihnen alle Rechte an den Bildern zustehen. Nachprüfen kann dies jedoch weder der Betreiber der Plattform noch deren Nutzer.

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht

Greift man auf Bilder zurück, bei denen das Urheberrecht in Wirklichkeit doch einer anderen Person zusteht, hat man das Recht verletzt und sieht sich Unterlassungsansprüchen ausgesetzt. Der Hinweis, man habe das alles nicht gewusst, hilft dann nichts. Ein Unterlassungsanspruch setzt nämlich kein Verschulden voraus!

Gibt es „Bildzitate“?
Mancher hält sich für besonders klug, übernimmt Bilder, an denen ganz klar ein Urheberrecht besteht, und behauptet, er habe diese Bilder lediglich „zitieren“ wollen. Denn schließlich dürfen ja auch Texte frei übernommen werden, solange sie nur als Zitat wiedergegeben werden (siehe § 51 UrhG).

Dabei wird allerdings regelmäßig Folgendes übersehen: Nicht jede Wiedergabe von etwas ist automatisch ein Zitat. Ein Zitat hat vielmehr den Zweck, die inhaltliche Auseinandersetzung mit irgendeiner Aussage oder Behauptung zu ermöglichen. Erst wenn auch tatsächlich eine solche Auseinandersetzung erfolgt, wird aus einem bloßen „Abschreiben“ ein „Zitat“.

Bei Bildern ist es nach Meinung vieler Juristen generell nicht vorstellbar, dass man sie wiedergeben muss, um sich mit ihnen inhaltlich auseinandersetzen zu können. Fast immer wird es nämlich möglich sein, stattdessen eine sorgfältige Bildbeschreibung zu geben. Deshalb ist zu raten, die Argumentation mit dem „Zitat“ gar nicht erst zu versuchen.

Ein alternativer Vorschlag: Zahlen Sie doch mal!

Und was ist, wenn man im Internet einfach kein passendes Bild findet, das kostenlos für den gewünschten Zweck wiedergegeben werden darf?

In diesem Fall sollte man überlegen, ob man nicht schlicht und einfach bei einer Bilddatenbank für ein passendes Bild eine Lizenzgebühr bezahlt. Solange eine Präsentation oder ein Vortrag vor einem überschaubaren Publikum stattfindet, ohne dass danach alles im Netz landet, sind die hierfür anfallenden Beträge erstaunlich gering.

Dr. Eugen Ehmann

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