24. November 2015 - Online-Datenschutz

Tracking-Schutz gegen Datenspionage

Online-Tracking ist nicht nur ein Instrument für die personalisierte, verhaltensbasierte Werbung. Auch Internetkriminelle nutzen Tracking-Methoden und Webanalysen, um ihre Opfer auszuforschen, wie aktuelle Studien zeigen. Tracking-Schutz ist also doppelt wichtig.

Tracking-Schutz ist derzeit doppelt wichtig Schutz vor Tracking schützt auch vor Datenspionage (Bild: scyther5 / iStock / Thinkstock)

Tracking-Schutz im Datenschutz-Fokus

80 Prozent der Internetnutzer in Deutschland halten ihre persönlichen Daten im Internet für unsicher, so der Digitalverband Bitkom auf Basis einer repräsentativen Umfrage. 48 Prozent meinen, dass Unternehmen ihre persönlichen Daten illegal nutzen und zum Beispiel unerlaubt an Dritte weitergeben könnten. Diese Befürchtung ist nicht unbegründet. Immer wieder werden zum Beispiel Webseiten oder Apps entdeckt, die heimlich die Aktivitäten der Nutzer protokollieren und an Dritte übertragen.

Erlaubt sind die Nutzeranalysen oder Webanalysen für Zwecke der Werbung, der Marktforschung oder zur bedarfsgerechten Gestaltung der Telemedien bekanntlich nur dann, wenn

  • Pseudonyme zum Einsatz kommen,
  • der Nutzer der Bildung von Nutzerprofilen nicht widerspricht und
  • die Pseudonyme nicht mit den Daten über den Träger des Pseudonyms zusammengeführt werden.

Diese Vorgaben umgehen Unternehmen allerdings oftmals.

Webanalysen durch die Werbewirtschaft

Die Daten über die Nutzeraktivitäten sind aus Sicht mancher Werbeunternehmen so interessant, dass sie sich über den Wunsch des Nutzers hinwegsetzen und versuchen, den Nutzer so genau wie nur möglich zu bestimmen. Da Online-Nutzer inzwischen verstärkt den Cookie-Manager im Browser einsetzen, kommen alternative Tracking-Verfahren zum Einsatz, darunter

Die Nutzer müssen den Tracking-Schutz also ständig anpassen und erweitern, um heimliche Überwachungen zu verhindern. Doch es droht nicht nur ungewollte personalisierte Werbung.

Webanalysen als Teil der Datenspionage

Der IT-Sicherheitsanbieter FireEye berichtet in einer aktuellen Studie über ein großangelegtes kriminelles Datenerfassungsprojekt. Cyberkriminelle sammeln demnach in großem Umfang Informationen von Internetnutzern, indem sie Webanalyse-Technologien für ihre Zwecke missbrauchen. Den Cyberkriminellen dient dies dazu, potenzielle Opfer zu identifizieren und Daten über sie zu sammeln.

In einem konkreten Fall haben die Internetkriminellen über 100 ausgewählte Websites manipuliert. Wer diese Websites besucht, wird heimlich auf eine weitere Website weitergeleitet, die ein Tracking-Verfahren (Einsatz spezieller Skripts) vorhält. Die Datenspione sammeln Informationen über das Computersystem des Nutzers und installieren ein Supercookie, mit dem sich der Rechner des Opfers künftig eindeutig identifizieren lässt.

Die IT-Sicherheitsforscher denken, dass die Cyberkriminellen eine Datenbank mit Informationen zu einzelnen Nutzern und ihrer Computer-Konfiguration anlegen, sodass diese sich später mit speziell auf sie zugeschnittenen Angriffstechniken manipulieren lassen.

Die IT-Sicherheitsexperten empfehlen die Inkognito-Einstellungen vieler Browser (Private Browsing), die verschiedene Tracking-Verfahren blockieren.

Tracking-Schutz überprüfen!

Wenn bisher die Motivation für umfassenden Tracking-Schutz zu gering war, weil ja „nur“ lästige Online-Werbung drohe, sollten Unternehmen und Nutzer spätestens jetzt alle Maßnahmen ergreifen, um heimliches Online-Tracking so weit wie möglich zu verhindern. Immerhin interessieren sich auch Datendiebe für die Nutzeraktivitäten, um ihre Opfer auszuforschen und die Angriffe noch besser auf den jeweiligen Nutzer anzupassen.

Nutzen Sie die Checkliste zur Prüfung des Tracking-Schutzes also zur Information der Internet- und Browsernutzer.


Download: Checkliste Anti-Tracking


Wichtig dabei ist, dass die Nutzer verstehen, dass Maßnahmen, die teils gegen Online-Werbenetzwerke helfen, bei Datenspionen keine Aussicht auf Erfolg haben. Praktisch sind hingegen neue Funktionen des Firefox-Browsers, der automatisch auf Tracking-Versuche von Webseiten hinweist.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker (Universität Bonn), Analyst und IT-Fachjournalist. Er ist Herausgeber und Fachautor zahlreicher Fachpublikationen.

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