19. August 2013 - Datenschutz-Ziel „Unverkettbarkeit“

Spokeo: Wie viele Badezimmer hat Ihr Kunde?

Werden personenbezogene Daten miteinander verknüpft, ergeben sich neue Einsichten bei Kundenanalysen, aber auch neue Datenrisiken. Die Verknüpfung von Profilen in sozialen Netzwerken mit Spokeo zum Beispiel zeigt eindrucksvoll, was alles möglich wird.

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Suchmaschinen wie Spokeo verknüpfen verschiedene Profile miteinander und offenbaren somit Einiges, was vielleicht lieber privat geblieben wäre. (Bild: Thinkstock)

Es sind wirklich nur noch Ausnahmefälle, in denen man in der Bezeichnung eines Online-Profils den Zusatz „Privat“ oder „Arbeit“ finden kann. Damit wollen die Inhaber der Profile bei Facebook & Co. für sich und andere klar stellen, zu welchem Zweck und für welche Art von Inhalten das jeweilige Profil angelegt wurde.

Wenn eine Trennung besser ist

In „Max Mustermann (Privat)“ kommen dann zum Beispiel die Urlaubsfotos mit Badehose, in „Max Mustermann (Firma)“ findet man den Betroffenen im Business-Anzug.

So eine Trennung macht Sinn zur Organisation der Daten, hält Suchmaschinen allerdings nicht davon ab, die Profile miteinander zu verknüpfen.

Das Problem der Verknüpfung

Für eine Personensuchmaschine wie zum Beispiel Spokeo reicht der Name „Max Mustermann“ in beiden Profilen, um eine Verbindung zwischen den Online-Profilen herzustellen. Ohne weiteres lassen sich die Daten verknüpfen. Wer also über eine Personensuchmaschine nach dem Betreffenden sucht, sieht die Urlaubsbilder genauso wie die Business-Fotos.

Eine Verknüpfung zwischen den Profilen in sozialen Netzwerken macht aber noch mehr möglich, so zum Beispiel eine ausführliche Kundenanalyse.

Wert des Hauses und Anzahl der Badezimmer gefällig?

Wer etwa den Namen eines (US-amerikanischen) Kunden bei der Suchmaschine Spokeo angibt, bekommt Ergebnisse aus einer Vielzahl sozialer Netzwerke angezeigt, verdichtet, gruppiert und aussagekräftig. So findet Spokeo nicht nur die Adresse oder Adressen zu einem Namen, sondern zeigt das Haus oder die Wohnung des Betroffenen in einer Satellitenaufnahme. Zudem werden der geschätzte Wert der Immobilie, die Zahl der Zimmer und Bäder sowie der geschätzte Wert der Nachbarimmobilien angezeigt. Wer will, könnte also seine Kunden oder andere Kontakte „durchleuchten“, in welchem Umfeld diese wohnen oder arbeiten.

Dazu wertet Spokeo neben Facebook & Co. auch Telefonverzeichnisse, Immobilienbörsen, Partnerbörsen, Weblogs, Online-Shops, Foto-Alben, Mailing-Listen oder Firmen-Webseiten aus, zwar jeweils die öffentlich verfügbaren Informationen, jedoch in geballter Form. Spokeo wird deshalb auch als Social Network Aggregator bezeichnet.

Berichte an mögliche Arbeitgeber

Die Auswertungen von Spokeo haben durchaus schon Interessenten gefunden. So musste Spokeo im Sommer 2012 eine hohe Strafe bezahlen, weil die Federal Trade Commission (FTC) feststellen musste, dass die Suchmaschine möglichen Arbeitgebern detaillierte Informationen über Bewerber lieferte.

Es ist schon eine unschöne Vorstellung, wenn der mögliche Arbeitgeber vor dem Bewerbungsgespräch weiß, ob man ein oder zwei Badezimmer hat und wie viel die Wohnung etwa wert ist.

Unverkettbarkeit als Datenschutz-Ziel

Im deutschen Datenschutz wird deshalb eine Unverkettbarkeit gefordert, also die Möglichkeit, eine ungewollte Verknüpfung von personenbezogenen Daten zu verhindern. Nur der Betroffene soll dann in der Lage sein, zum Beispiel seine verschiedenen Online-Profile zu verknüpfen.

Denkt man an den Klarnamenzwang zum Beispiel bei Facebook und den Mangel an Pseudonymen im Internet, wird schnell klar, wie schwer dies zu realisieren ist. Eine Opt-out-Funktion allein bringt nicht viel. Dazu muss der Betroffene den Online-Dienst erst einmal kennen, und Personensuchmaschinen gibt es inzwischen sehr viele.

Deshalb ist es so wichtig, dass Sie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Risiken einer Verknüpfung bei sozialen Netzwerken informieren, insbesondere dann, wenn verschiedene Daten in den einzelnen Profilen vorgehalten werden. Nutzen Sie dazu am besten die Arbeitshilfe als Mitarbeiterinformation:


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Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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