24. Oktober 2008 - Die besten Anti-Spionage-Tools

So schützen Sie sich gegen Datendiebe (Teil 2)

„So leicht dürfen wir es denen nicht machen.“ Mit diesem Satz beantwortete Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble die Frage, wie er bei der Online-Durchsuchung privater Computer den Kernbereich privater Lebensführung schützen wolle. Im Klartext: Auf dem Computer und im Internet soll es keine Privatsphäre geben. Während solche Äußerungen aber immerhin für einigen Unmut und eine öffentliche Diskussion sorgen, bleiben andere Sachverhalte weitgehend unbeachtet – zum Beispiel der, dass längst jeder überwacht und ausspioniert wird, der sich nicht wirksam genug davor schützt.

Datenschutzkonzept ist Grundlage der Datenschutzorganisation (Bild: Mathias Rosenthal / iStock / Thinkstock)

Wer auf Nummer sich gehen möchte, dass er beim Surfen im Internet oder beim Versand von E-Mails nicht ausspioniert wird, der sollte sich schützen.

Tools zum anonymen Surfen gibt es reichlich, doch nicht alle sind wirklich praktikabel. In unserer Reihe der besten  Anti-Spionage Tools stellen wir Ihnen dieses Mal Programme vor, mit denen Sie sich unerkannt durchs Internet bewegen und sichere E-Mails versenden.

Anonymer surfen mit JAP

Die an der Technischen Universität Dresden entwickelte Software JAP (http://anon.inf.tu-dresden.de) ermöglicht das – relativ – anonyme Surfen, indem sie Verbindung nicht über eine, sondern gleich über mehrere Zwischenstationen leitet, bei JAP auch „Mixkaskade“ genannt.

Eine Kommunikationsbeziehung kann nur dann aufgedeckt werden, wenn die Betreiber aller Zwischenstationen gemeinsam die Anonymisierung sabotieren. Dazu enthält die Software eine „Strafverfolgungsfunktion“, die nur auf Anweisung der Strafverfolgungsbehörden eingesetzt wird.

Nicht-Kriminelle können mit JAP also relativ sicher surfen:
  1. Nach der Installation von JAP führt ein Assistent Sie durch die erste Inbetriebnahme. Um sich zu schützen, müssen Sie den Dienst in Ihrem Browser als lokalen Proxyserver einrichten. Dessen Zugangsdaten für alle Protokolle: localhost an Port 4001. Für alle gängigen Browser, vom Internet Explorer bis zum Safari, liefert der Assistent ausführliche Erläuterungen.
  2. In der Arbeitsoberfläche von JAP können Sie die Anonymisierung nun fallweise ein- und ausschalten. Wie sicher die Anonymisierung ist, wie viele Nutzer die selbe Mixkaskade verwenden und wie viel Datenverkehr dort herrscht, zeigt die Software in einer Grafik an.
  3. Über das Pulldown-Menü können Sie zwischen verschiedenen Mixkaskaden wählen. Inzwischen gehören auch hochsichere, aber kostenpflichtige Mixkaskaden zum Leistungsumfang. Doch auch mit den kostenlosen Angeboten steigt die Sicherheit deutlich.

Anonym mailen mit Komfort: Sneakemail.com

Es gibt eine ganze Reihe von Diensten, die Wegwerf-E-Mail-Adressen anbieten, wie sie empfohlen werden, wenn Internet-Surfer bei der Anmeldung zu Webdiensten eine E-Mail-Adresse angeben müssen.

Was aber, wenn sich zeigt, dass diese Adresse bei der späteren Nutzung des Dienstes doch öfter als geplant benötigt wird?

Für solche Fälle ideal ist der Dienst Sneakemail.com:
  1. Bevor Sie Sneakemail zum ersten Mal nutzen können, müssen Sie sich anmelden. Dazu wählen Sie aus dem „Main Menu“ den Eintrag „Create Account“. Dann vervollständigen Sie die Angaben in dem nun erscheinenden Web-Formular. Damit Sie den Dienst richtig nutzen können, müssen Sie hier ausnahmsweise Ihre echte E-Mail-Adresse angeben.
  2. Über das „Account“-Menü erstellen Sie nun als erstes eine neue Sneakemail-Adresse. Die hier erstellte Adresse (…@sneakemail.com) verwenden Sie dann für die Anmeldung bei diversen Diensten, denen Sie Ihre wahre E-Mail-Adresse lieber verschweigen möchten.
  3. Wichtig bei Erstellen der E-Mail-Adresse ist die Regel, die Sneakemail anwenden soll, wenn E-Mails an diese Adresse eintreffen. „Allow“ leitet E-Mails an Ihre echte E-Mail-Adresse weiter, „Bounce“ weist sie zurück, „Shred“ vernichtet die E-Mail ohne Rückmeldung und „Defer“ weist die E-Mail zurück, fordert den absendenden Server aber auf, es später nochmals zu versuchen.
  4. Wenn nun eine E-Mail an diese Adresse geschickt und per „Allow“ an Ihr Postfach weiter geleistet wurde, können Sie darauf antworten, ohne befürchten zu müssen, Ihr Kontaktpartner erhalte Ihre Original-E-Mail. Der Header der weitergeleiteten E-Mail ist so konfiguriert, dass Antworten grundsätzlich über Sneakemail.com geleitet werden, sodass Ihr Kontakt letztlich immer nur Ihre Sneakemail-Adresse erfährt. Und geht der Ihnen irgendwann auf die Nerven, setzen Sie die Adresse einfach auf „Bounce“ oder „Shred“.

René Gelin
René Gelin war Redakteur, Projektleiter und Chefredakteur bekannter Computer- und Internet-Zeitschriften und ist seit mehr als zehn Jahren selbständiger Journalist. Er führt die Agentur TimeToPrint Publishing GmbH & Co. KG als Geschäftsführer.

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