22. August 2011 - Soziale Netzwerke

So nutzen Social Ads Ihre personenbezogenen Daten

Soziale Netzwerke sind nicht nur virtuelle Treffpunkte, sondern auch riesige Marktplätze. Online-Anzeigen auf Basis der Nutzerprofile, sogenannte Social Ads, nutzen die Daten der Teilnehmer in einer Intensität, die den meisten Nutzern nicht bewusst ist. Sorgen Sie für Aufklärung, um für mehr Datensparsamkeit zu werben.

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Soziale Netzwerke sind über die Social Ads ein Paradies für die Werbewirtschaft (Bild: Thinkstock)

Soziale Netzwerke sind ein Werbeparadies

Facebook meldet Rekordzuwächse, der neue Wettbewerber Google+ verzeichnet einen beachtlichen Zustrom. Wo Massenmedien sind, ist auch die Werbung nicht fern. Tatsächlich gehören soziale Netzwerke inzwischen zu den interessantesten Werbemedien überhaupt, zweifellos ein wesentlicher Grund für Google, mit Google+ einen neuen Anlauf in die sozialen Netzwerke zu unternehmen.

Nicht nur die Masse der zu erreichenden Internetnutzer ist ein Grund, in sozialen Netzwerken zu werben. Durch die Freigiebigkeit der Nutzer sind diese Netzwerke ein wahres Datenparadies, jedenfalls aus Sicht der Werbewirtschaft.

Machen Sie auf die vielfältige Datennutzung aufmerksam

Für Sie als Datenschutzbeauftragter macht es Sinn, die Social Ads, also die Anzeigen in den sozialen Netzwerken, als Thema Ihrer Datenschutzunterweisung aufzugreifen. Ein Einblick in die Welt des sozialen Marketings wird so manchem die Augen öffnen und zeigen, wie wichtig die Datensparsamkeit doch ist.

Online-Profile: Mehr als die Suche nach Gleichgesinnten

Wer in seinem Online-Profil den Wohnort, das Geburtsdatum, das Geschlecht und die Lieblingsfilme angibt, kann dadurch Nutzer aus der Nachbarschaft, einen Freund/eine Freundin oder einen Film-Club finden, der entsprechende Spielfilme zeigt. Man bekommt dann vielleicht sogar Glückwünsche zum Geburtstag.

Was aber auch passieren kann, ist, dass man mit Namen und Foto in einer Werbung für den Film auftaucht oder ungefragt die Werbung eines Kinos aus der Region bekommt.

Jede Angabe, wirklich jede (!) kann im Rahmen einer Online-Werbung genutzt werden, wenn man nicht über die Datenschutz-Optionen seine Ablehnung signalisiert.

Vorausgesetzt natürlich, es gibt diese Einstellungen überhaupt und die Werbepartner des sozialen Netzwerkes halten sich daran.

Umfragen im Internet: Alles andere als anonym

In sozialen Netzwerken werden auch Umfragen durchgeführt, sie können sogar ein eigenes Werbeformat sein (zum Beispiel Facebook Poll Ads).

Wer daran teilnimmt, braucht nicht zu glauben, dass seine Angaben in jedem Fall anonym erfolgen, im Gegenteil: Die Umfrageergebnisse werden gern mit Fotos und Namen der Nutzer veröffentlicht, die die entsprechende Antwort gegeben haben. Mitunter sind auch Anzeigen geschaltet, die sogar das Umfrageergebnis einzelner Personen wiedergeben, wenn diese zu den Kontakten des umworbenen Nutzers gehören.

Selbst Angaben der Kontakte werden bei Online-Anzeigen genutzt

Nicht nur die Daten, die man als Nutzer im eigenen Online-Profil preisgibt, können Social Ads verwerten. Auch die Angaben eines Kontakts erscheinen in den Online-Anzeigen im eigenen Online-Profil. So kann man Anzeigen vorfinden wie „Max Mustermann gefällt Produkt XY“. Dies ist eine Art Empfehlungsmarketing, führt jedoch dazu, dass man Werbung sieht, die man selbst gar nicht möchte.


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Social Malvertising ist eine besondere Gefahr

Generell kann es natürlich sehr interessant sein, welche Produkte die besten Freunde oder Kunden gut finden. Da klickt man schnell einmal auf die Anzeige, denn der nächste Geburtstag oder sonstige Geschenkanlass kommt bestimmt.

Die hohe Wahrscheinlichkeit, dass Nutzer solche Empfehlungsanzeigen anklicken, macht sie nicht nur für Werbepartner der sozialen Netzwerke spannend. Auch Internetkriminelle mögen Social Ads. So hat der Sicherheitsdienstleister Dasient ermittelt, dass bei sozialen Netzwerken zunehmend verseuchte Online-Werbung (Malvertising) zu finden ist (Social Malvertising).

Online-Profile lassen sich auch durch Kriminelle missbrauchen

Internetkriminelle verwenden Online-Profile jedoch nicht nur, um dort verseuchte Online-Anzeigen zu verstecken. Sie werten die umfangreichen Angaben der Nutzer auch aus, um deren Identität zu stehlen oder um das Vertrauen bei Betrugsversuchen zu erschleichen (Social Engineering).

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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