3. September 2012 - Mobile Werbung

Mobile Werbung: Lockruf vom Geschäft um die Ecke

Mobile Werbung auf Smartphones und Tablets wird immer lokaler. Abhängig vom aktuellen Standort bekommen Smartphone-Nutzer nun Werbung aus der direkten Umgebung. Folgen uns bald die Sonderangebote auf Schritt und Tritt? Informieren Sie die Beschäftigten, wie man sich vor ungewollter mobiler Werbung und möglichen Bewegungsprofilen schützen kann.

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Smartphones bieten eine ideale Werbeplattform für lokale Geschäfte (Bild: Thinkstock)

Lokale Werbung ist Trumpf

Stellen Sie sich vor, Sie sehen eine Restaurant-Werbung auf Ihrem Smartphone und haben tatsächlich Appetit auf das Angebot. Interessiert sehen Sie nach, wo das mobil beworbene Restaurant denn zu finden ist. Betrübt müssen Sie feststellen, dass die Restaurant-Kette gar keine Filiale am Ort hat.

Da fragt man sich doch, was die Werbung eigentlich soll, denn schließlich wollten Sie jetzt etwas essen. Diesen Gedanken kennen die Werbefachleute natürlich auch und versuchen deshalb, die Werbung immer lokaler und damit auch passender zu gestalten.

Standortdaten ermöglichen Werbung vom Lokal um die Ecke

Smartphones bieten nicht nur einen mobilen Internetzugang und damit auch die Möglichkeit, Online-Anzeigen mobil zu präsentieren. Die intelligenten Mobiltelefone verfügen auch über verschiedene Ortungsmöglichkeiten, wie die GPS-Ortung, die WLAN-Ortung und die Funkzellen-Ortung, jeweils mit unterschiedlicher Genauigkeit.

In Innenstädten kann diese Genauigkeit durchaus im Bereich von zehn Metern liegen. Damit ist mobile Werbung vorstellbar, die aus der direkten Umgebung des Nutzers stammt.

Mobile, lokale Werbenetzwerke entstehen

Anbieter wie die Servtag GmbH zeigen, dass lokale, mobile Werbung bereits Realität ist. Das Angebot radcarpet richtet sich an Unternehmen, die in einem definierten Umkreis ihrer Standorte Werbung an die Zielgruppe der Smartphone-Nutzer senden wollen, und zwar genau dann, wenn diese ganz in der Nähe der jeweiligen Filialen und Niederlassungen sind.

Auf den Banner-Anzeigen wird neben der lokalen Online-Werbung auch die aktuelle Distanz zur nächsten Filiale angezeigt, dynamisch versteht sich.

Datenschutz: Standortdaten und eindeutige Kennzeichen

Die höhere Relevanz solcher lokalen Online-Anzeigen wird kaum jemand bestreiten. Aus Sicht des Datenschutzes stellt sich jedoch die Frage, ob und wie ein Nutzer über die Ortung informiert wird und wie man solch einer lokalen Online-Werbung widersprechen kann, wenn man das möchte.

Zudem ist die Verwendung von eindeutigen Kennzeichen (wie Cookies) zu klären, auch im Zusammenhang mit der EU-Cookie-Richtlinie.

Smartphone-Nutzer brauchen Aufklärung

Als Datenschutzbeauftragter sollten Sie die Smartphone-Nutzer im Unternehmen informieren,

  • dass Standortdaten für die Werbung immer wichtiger werden,
  • bei Verwendung eindeutiger Kennzeichen theoretisch Bewegungsprofile möglich wären und
  • dass ein Widerspruch bei mobiler Werbung nicht gerade einfacher ist als bei stationärer Online-Werbung.

Generell darf der Blick in die Datenschutzerklärung auch bei mobilen Internetangeboten nicht fehlen, gerade hinsichtlich der Standortdaten.

Browser- und Ortungsfunktionen anpassen

Im Fall des neuen Werbenetzwerks radcarpet findet nach Angaben des Betreibers eine Ortung auf bis zu zehn Meter Genauigkeit statt, werden IP-Adresse, ein eindeutiges Kennzeichen (Unique Identifier) sowie die Standortdaten des Nutzers gespeichert und das eindeutige Kennzeichen und die Standortdaten an die Anzeigenkunden übertragen. Eine Zuordnung zu Personen erfolgt laut Anbieter nicht. Nutzer können die Cookies auch durch entsprechende Browser-Einstellungen ablehnen.

Prüfen Sie aber zur Sicherheit, ob die Smartphone-Nutzer in Ihrem Unternehmen, die keine Cookies akzeptieren wollen, auch wirklich die mobilen Browser entsprechend einstellen können. Unklarheiten sind hier noch wahrscheinlicher als bei herkömmlichen Webbrowsern.

Zudem sollten Sie auf die Deaktivierung der Ortungsfunktionen bei Nichtgebrauch hinweisen, um mögliche Bewegungsprofile zu verhindern. Unsere aktuelle Checkliste gibt Ihnen weitere Hinweise zum Thema Smartphones und mobile Werbung:


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Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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