27. Januar 2014 - Datensparsamkeit

Online-Dienste: Auswertung beginnt bereits vor Veröffentlichung

Wer im Internet sparsam mit seinen Daten umgehen will, darf seine Daten erst gar nicht im Browser oder in seine App eingeben. Denn die Analyse der Daten beginnt früher, als viele Nutzer glauben. Für die Datensparsamkeit hilft es also leider wenig, vertrauliche Daten vor einer Veröffentlichung auf Facebook & Co. zu löschen.

Online-Dienste Auswertung beginnt bereits vor der Veröffentlichung Datensparsamkeit: Erst denken, dann tippen. Denn schon bei der Eingabe beginnt die Verarbeitung der Daten auf Facebook und Co. (Bild: Thinkstock/YanLev)

Lieber doch nicht?!

Stellen Sie sich vor, ein Mitarbeiter freut sich so darüber, Projektleiter geworden zu sein, dass er es gleich all seinen Facebook-Kontakten mitteilen möchte. Er greift zum Smartphone, startet die Facebook-App und beginnt damit, eine entsprechende Statusmeldung zu verfassen.

Dabei fällt ihm ein, dass er den Kundennamen zum Projekt gar nicht nennen darf, denn das Projekt ist streng vertraulich. Schnell löscht er die Kundenangaben aus seiner Statusnachricht und veröffentlicht erst dann seine Meldung.

Gerade noch einmal gut gegangen? Wohl eher nicht!

Eingabekontrolle persönlich nehmen

Viele Nutzer glauben, Datensparsamkeit bei Facebook & Co. bedeute, dass sie mit der Preisgabe personenbezogener Daten vorsichtig sein und vertrauliche Daten überhaupt nicht veröffentlichen sollten. Das Vermeiden der Veröffentlichung jedoch sorgt nur dafür, dass je nach Privatsphären-Einstellung die Facebook-Kontakte oder aber das komplette Internet die zu schützenden Informationen nicht einsehen können. Die Datensparsamkeit sollte aber noch früher einsetzen: bei der Eingabe der Daten.

Jede Eingabe könnte ausgewertet werden

Wie die Studie „Self-Censorship on Facebook“ zeigt, analysiert Facebook auch Metadaten zu den Daten, die nur eingegeben, dann aber gelöscht und nicht veröffentlicht werden. Das ist technisch kein Problem. Denn wenn Daten in ein Textfeld bei Facebook oder einem anderen Online-Dienst eingegeben werden, kann die Übertragung an den Betreiber bereits mit der Eingabe beginnen. Entsprechend könnten die Daten bereits in diesem Moment ausgewertet werden. Viele Nutzer sind sich dessen nicht bewusst.

So ergab die oben genannte Studie, dass 71 Prozent der Nutzer kurz vor der Veröffentlichung eines Facebook-Posts noch einmal eine Überarbeitung oder „Selbstzensur“ vornehmen. Man kann also annehmen, dass die Nutzer weitaus mehr kritische Daten eingeben als sie letztlich veröffentlichen. Untersucht wurden die Daten von 3,9 Millionen Facebook-Nutzern über einen Zeitraum von 17 Tagen.

Auf Datenschutzerklärung hinweisen

Im Prinzip lässt sich jede Interaktion, jede Eingabe bei Facebook (und anderen Online-Diensten) für eine Analyse nutzen. So besagt zum Beispiel die Datenschutzerklärung von Facebook, dass Facebook Daten über den Nutzer erhält, wenn er Inhalte anklickt, aufruft oder auf sonstige Art mit ihnen interagiert. Die offene Formulierung zur Interaktion lässt natürlich Spielraum, über den sich die Nutzer klar sein müssen.

Empfehlen Sie mehr Prävention bei der Datensparsamkeit

Datensparsamkeit bedeutet also nicht nur, so wenig Daten wie möglich zu veröffentlichen, sondern auch, so wenig Daten wie möglich im Browser oder in einer App einzugeben. Denn mit der Eingabe beginnt bereits die Verarbeitung der personenbezogenen Daten.

Nutzen Sie am besten die Arbeitshilfe, um für mehr Prävention bei der Datensparsamkeit zu werben. Datenvermeidung bedeutet eben auch, jede unnötige Dateneingabe zu vermeiden.


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Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker, IT-Fachjournalist und IT-Analyst

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