15. Juli 2013 - Datenschutz bei Web-Mail

Nicht nur Geheimdienste scannen E-Mails

Wer bestimmte Dienste für Web-Mail oder Cloud-Mail nutzt, muss nicht nur damit rechnen, dass die NSA (National Security Agency) die persönlichen Nachrichten analysiert. Das machen auch mehrere Mail-Provider.

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Die Nutzungsbedingungen der Web-Mail-Dienste räumen ihnen das Recht ein, die E-Mails ihrer Nutzer zu analysieren. Eine der Folgen: personalisierte Werbung (Bild: Thinkstock)

Web-Mails lassen sich leicht analysieren

Die umfangreiche Internetüberwachung deutscher Nutzer durch ausländische Nachrichtendienste kam für viele überraschend. Wer zum Beispiel einen Web-Mail-Dienst ohne zusätzliche Verschlüsselung der Nachrichten nutzt, muss allerdings damit rechnen, dass auch andere Stellen regelmäßig die E-Mails analysieren. Dabei geht es nicht etwa um einen unbefugten Dritten, der erfolgreich einen Lauschangriff gestartet hat, sondern um den Anbieter des Web-Mail-Dienstes selbst.

Personalisierte Werbung als Ziel

Um über das Scannen der Web-Mails bei verschiedenen Providern Klarheit zu erlangen, braucht es keinen Ex-Geheimdienst-Mitarbeiter. Ein Blick in die Nutzungsbedingungen und die Datenschutzerklärung reicht. Dort findet man je nach Anbieter den Hinweis, dass die E-Mails, die über den Web-Mail-Dienst verschickt und empfangen werden, ausgewertet werden, um unter anderem passende personalisierte Werbung für den Nutzer anbieten zu können.

Wer sich also bislang fragte, warum viele der Web-Mail-Dienste professionelle Funktionen kostenlos anbieten, kennt nun die Antwort.

Web-Mail ist Cloud Computing

Unternehmen, die ihren Beschäftigten erlauben, am Arbeitsplatz Web-Mail zu nutzen oder sogar Web-Mail-Dienste fest in ihre IT-Landschaft einplanen, sollten nun aber nicht überrascht sein. Vielmehr sollte man sich klar machen, dass Web-Mail zu den Cloud-Diensten gehört und die notwendige Auftragskontrolle wohl nicht stattgefunden hat. Andernfalls müsste man

  • vom Scannen der E-Mails zu Werbezwecken wissen,
  • die Nutzer entsprechend informiert haben,
  • Verschlüsselungslösungen oder aber sichere E-Mail-Alternativen nutzen.

Auch Web-Mail-Anbieter sollten geprüft werden

Große Web-Mail-Anbieter wie Yahoo Mail oder Gmail präsentieren Online-Werbung innerhalb des Mail-Dienstes, die auf der Auswertung der E-Mail-Inhalte basieren kann. So schreibt zum Beispiel Yahoo: „Yahoo bietet Ihnen mittels seiner Computersysteme die automatisierte Prüfung Ihrer E-Mails, um für Sie persönlich relevante Produktfunktionen, Inhalte, Werbung und Spam- und Malware zu erkennen. Einige dieser Funktionen und Anzeigen werden von uns anhand des Inhalts Ihrer E-Mails bereitgestellt.“

Laut Yahoo werden die E-Mail-Analysen anonymisiert. Nutzer, die keine personalisierte, verhaltensbasierte Werbung wollen, können eine entsprechende Einstellung im Yahoo Ad Interest Manager vornehmen.

Unternehmen, die die Vorteile eines Web-Mail-Dienstes in Anspruch nehmen wollen, sollten es trotzdem nicht versäumen, die möglichen Nachteile und Risiken zu betrachten, bevor eine Entscheidung für Web-Mail oder einen bestimmten Anbieter getroffen wird. So empfiehlt zum Beispiel die Bürgerrechtsorganisation EFF (Electronic Frontier Foundation), am besten generell auf Web-Mail zu verzichten, wenn der Dienst von einem externen Anbieter betrieben und nicht zusätzlich verschlüsselt wird.

Bei der Prüfung von Web-Mail- oder Cloud-Mail-Diensten hilft auch die folgende Checkliste:


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Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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