31. Juli 2008 - Geringer Trost: 25.000 Euro Schmerzensgeld

Nackt im Web – Karriere ruiniert!

In seinen vier Wänden kann jeder tun, was er für richtig hält. Doch eine bitterböse Erfahrung musste eine Frau machen, deren Ex-Freund höchst private Bilder ins Netz stellte. Sie sah am Ende nur noch den Ausweg, ihre Praxis zu schließen und umzuziehen. Dass der Ex umfassend zu Schadensersatz verurteilt wurde, half ihr kaum noch.

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In manchen Fällen hilft auch Schadensersatz nichts mehr (Bild: Thinkstock)

Die ganze Sache begann harmlos. Eine Frau erlaubte ihrem Freund, ein paar eindeutige Fotos mit seiner Digitalkamera zu machen.

Der gekränkte Ex-Freund versah die Nacktbilder mit Namen und Adresse

Kurz danach war es mit der Harmonie vorbei. Die Freundschaft ging auseinander. Das verkraftete der Freund leider nicht. Er bearbeitete die Fotos:

– In der linken oberen Ecke fügte er in roter Schrift den Namen, die vollständige Anschrift und die Telefonnummer der Frau ein.

– In der rechten oberen Ecke brachte er das Wort „… danach!“ an.

Die Bilder waren nur 14 Stunden online

Dann stellte er – wohl tatsächlich nur 14 Stunden lang – die drei Fotos auf einer Tauschbörse zum freien Herunterladen und Verteilen ins Internet.

Ein Alptraum beginnt

Die Frau wusste davon zunächst nichts – bis eines Tages ein unbekannter Mann bei ihr anrief und von den Fotos berichtete. Dieser Mann merkte offensichtlich schnell, dass mit diesen Fotos etwas nicht stimmte.

Mit dieser Haltung blieb er jedoch ziemlich allein:

  • Andere Männer riefen an und kamen verbal deutlich „zur Sache“.
  • Unbekannte klopften nachts an die Fensterscheiben.
  • Zu den unmöglichsten Zeiten wurde an der Haustür geklingelt.

Letzte Chance: Flucht durch Umzug

Die Frau hielt den Terror nicht lange aus. Nach einem guten Jahr gab sie ihre erst neu eröffnete Praxis auf und zog mit ihren Kindern um.

Polizei und Staatsanwalt werden aktiv

Die Frau erstattete Strafanzeige und konsultierte einen Anwalt, um gegen den Ex-Freund vorzugehen. Das Strafverfahren führte zu einer Verurteilung wegen Beleidigung.

Die Anklage lautet auf Beleidigung und Verletzung des Rechts am eigenen Bild

Mehr konnte die Staatsanwaltschaft nicht tun. Das Strafrecht schützt die Frau nur in zweierlei Hinsicht:

  • Dadurch, dass sie quasi als Prostituierte hingestellt wird, ist sie beleidigt worden (§ 185 Strafgesetzbuch).
  • Die Veröffentlichung der Bilder gegen ihren Willen stellt eine strafbare Verletzung des Rechts am eigenen Bild dar.

Der Betroffenen stehen Schadensersatz und Schmerzensgeld zu

Unabhängig vom Strafrecht kann die Frau Schadensersatz und Schmerzensgeld verlangen. Am meisten wäre der Frau allerdings geholfen, wenn man die Bilder im Netz wieder „einfangen“ und dauerhaft entfernen könnte. Die notwendigen Aufwendungen hätte der Täter als Schadensersatz zu tragen.

Der Beklagte wurde auch auf Ersatz für künftige Schäden verpflichtet

Ein solches Vorgehen ist derzeit technisch unmöglich. Immerhin ist es aber denkbar, dass in einigen Jahren solche Techniken zur Verfügung stehen.

Aus diesem Grund stellte der Anwalt einen „Antrag auf Feststellung der Ersatzpflicht für künftige Schäden“. Diesem Antrag gab das Gericht statt, ist es doch „nicht ausgeschlossen, dass zukünftig ein effizientes Löschungsverfahren entwickelt wird“.

9.000 Euro Schmerzensgeld für immateriellen Schaden

Es liegt auf der Hand, dass der Frau auch ein immaterieller Schaden entstanden ist. Der Anwalt forderte vom Täter 11.000 Euro, von denen er 2.000 Euro zahlte. Daraufhin klagte der Anwalt auf Zahlung des Restbetrags.

Das Gericht erhöht das beantragte Schmerzensgeld auf 25.000 Euro

Deutsche Gerichte haben den Ruf, bei Schmerzensgeld eher kleinlich zu sein. Doch im Urteil erwartete den Täter eine böse Überraschung. Das Gericht hielt 11.000 Euro für zu wenig und verurteilte ihn zu einem Schmerzensgeld von 25.000 Euro.

Dieser Beitrag beruht auf dem Urteil des Landgerichts Kiel vom 27.4.2006, 4 O 251/05, veröffentlicht in NJW 2007, 1002.

Dr. Eugen Ehmann

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