22. Oktober 2012 - Bewegungsprofile

Mobiler Datenschutz: Ich weiß, wo Du gleich hin willst!

Heimliche Bewegungsprofile von Smartphone-Nutzern zeigen nicht nur, wo sich der Nutzer in der letzten Zeit aufgehalten hat. Neue Studien zeigen, dass sich auch die Aufenthaltsorte der nächsten 24 Stunden recht gut vorhersagen lassen. Ein wichtiger Grund mehr, Ortungsfunktionen besser zu kontrollieren!

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Mit Bewegungsprofilen ist es möglich, Aufenthaltsorte auf 20 Meter genau vorherzusagen (Bild: Thinkstock)

Nicht nur die Vergangenheit wird transparent

Sicherlich haben Sie in Ihrer Datenschutz-Unterweisung schon darauf hingewiesen, dass die Smartphone- und Tablet-Nutzer die GPS- und WLAN-Funktion nur dann aktivieren sollen, wenn sie sie wirklich benötigen (mobiler Datenschutz). Ansonsten sollten diese Funktionen deaktiviert sein, denn sie könnten eine heimliche Ortung und damit heimliche Bewegungsprofile ermöglichen.

Solche Bewegungsprofile zeigen nicht nur, wer an welchem Ort gewesen ist. Sie sagen auch etwas über die Aktivitäten aus, die man leicht aus den meisten Aufenthaltsorten ableiten kann. Aber Bewegungsprofile erlauben noch mehr: Eine Vorhersage der nahen Zukunft!

Die nächsten 24 Stunden werden berechenbar

Eine Studie der Universität Birmingham, die auf der Mobile Data Challenge vorgestellt wurde, sollte Datenschützer aufhorchen lassen: Mit geschickten mathematischen Modellen und den Standortdaten der jüngeren Vergangenheit eines mobilen Internetnutzers lässt sich eine ziemlich gute Vorhersage treffen, welche Aufenthaltsorte der jeweilige Nutzer in den nächsten 24 Stunden aufsuchen wird und damit letztlich auch, was sie oder er machen wird.

In der wissenschaftlichen Untersuchung wurden die Bewegungsprofile von 200 Personen ausgewertet. Die Vorhersage war laut Studienergebnissen auf 20 Meter genau, für zukünftige Standorte wohl gemerkt!

Für die Werbung ideal, für den Datenschutz keineswegs

Stellen Sie sich vor, was solche Vorhersagen für die Werbung bedeuten können. Über die Standortdaten eines mobilen Internetnutzers ist es bekanntlich möglich, passende lokale Werbung auf dem Smartphone zu präsentieren. Durch die Analyse der Bewegungsprofile aber kann diese Werbung wohl dosiert im richtigen Zeitraum präsentiert werden nach dem Motto „Gleich wird der Nutzer wieder einen Kaffee trinken gehen, und wir sagen ihm, wo dies am besten geschehen soll“.

Die laufende Ortung des mobilen Nutzers macht aber noch mehr möglich als raffinierte Werbung: Sie führt letztlich zu einem gläsernen Nutzer, auch für Internetkriminelle, die zum Beispiel bösartige Apps in Umlauf bringen, um die Bewegungsprofile abgreifen zu können.

Rütteln Sie die mobilen Nutzer wach!

Wenn Sie also vor ständiger Ortung, GPS-Überwachung, vor Bewegungsprofilen und vor unseriösen standortbasierten Diensten warnen, dann sollten Sie unbedingt auch auf mögliche Analysen hinweisen, die für Dritte sogar die nahe Zukunft transparenter machen.

Weisen Sie deshalb die Nutzer von Smartphones, Tablets, Notebooks und Navigationsgeräten, die heute auch meistens über einen Internetzugang verfügen, auf folgende Gefahren hin, die zu heimlichen Bewegungsprofilen führen könnten und deshalb nur mit Vorsicht und passenden Datenschutzeinstellungen genutzt werden sollten:

  • dauerhaft aktivierte GPS-Funktionen
  • dauerhaft aktivierte WLAN-Funktionen
  • die persönliche Anmeldung bei einem Internet-Karten- oder Navigationsdienst
  • Online-Bewertungsdienste für POIs (Points of Interest)
  • das sogenannte Einchecken an einem Standort in einem Online-Dienst
  • die Übermittlung der Standortdaten in einem sozialen Netzwerk
  • die Weitergabe der Standortdaten an Apps
  • die Weitergabe der Standortdaten an Browser (Location-Aware Browsing)
  • die Speicherung der Standortdaten in digitalen Fotos, die im Internet landen

Teilen Sie am Ende Ihrer Datenschutz-Schulung einen (anonymen) Selbsttest aus, den die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausfüllen, um zu erfahren, ob schon alles gegen heimliche Bewegungsprofile getan wird. Nutzen Sie dazu die aktuelle Mitarbeiter-Checkliste „Bewegungsprofile verhindern“.


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Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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