13. Januar 2010 - Risikomanagement mit der ISO 31000, Teil 2

Mit Risikomanagement die richtigen Entscheidungen treffen

Das Risikomanagement und insbesondere der Risikomanagementprozess liefern eine gute Datenbasis, um Entscheidungen zu treffen. Mit klaren Strukturen, nachvollziehbaren Methoden und transparenten Beurteilungsgrundsätzen unterstützt Risikomanagement die Entscheider im Unternehmen.

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Risikomanagement-Methoden helfen, die richtige Entscheidung zu treffen (Bild: S. Hofschläger / PIXELIO)

Warum kommt es zu Unsicherheit?

Unternehmen versuchen, basierend auf sicheren und genauen Daten, Entscheidungen zu treffen. Oft aber liegen diese Daten nicht vor, und den Unternehmen fehlen das Geld und die Zeit, diese Daten zu beschaffen. So kommt es zu Unsicherheit und Risiken. Unsicherheit und deren Effekt auf die Zielerreichung, so ist der Risikobegriff in der kürzlich publizierten Norm ISO 31000 definiert.

Entscheidungen sind in die Zukunft gerichtet. Es mag banal klingen, aber mit zu treffenden Entscheidungen können wir die Vergangenheit beeinflussen. Ebenso lernen wir aus dem Vergangenen und können so Prognosen für die Zukunft erstellen.

Ein gutes Prognosebeispiel: Wahlen

In regelmäßigen Abständen werden die Parlamente neu gewählt. Bei der Bundestagswahl z.B. werden bereits nach Schließung der Wahllokale regelmäßig Prognosen gezeigt. Bis auf wenige Prozente genau wird das Wahlverhalten vorausgesagt. Der Wähler in der Wahlkabine allerdings mag zuvor im Einzelfall sein Kreuz an der einen oder anderen Stelle setzen. Fragt man die Wähler vor der Wahl, so sind viele noch unsicher.

Es ist also möglich, mit genügend vorliegenden Daten und Erkenntnissen das Verhalten und die Folgen einer Wahl relativ genau vorauszusagen.

Risikomanagement beschäftigt sich mit Unsicherheit

Wenden wir uns den betrieblichen Problemen zu. Auch dort müssen Entscheidungen getroffen werden, doch vermeintlich können die Folgen nicht vorausgesagt werden. Dabei ist es unerheblich, ob die Ereignisse technischer oder organisatorischer Art sind oder die Ereignisse im Verhalten der beteiligten Menschen ihren Ursprung haben.

Das Risikomanagement zielt nicht in erster Linie auf die Veränderung der Prozesse ab, sondern es wird die mit dem Prozess verbundene Unsicherheit betrachtet. Durch die systematische und strukturierte Vorgehensweise können Unsicherheiten schon vor deren Wirksamkeit im Hinblick auf die Zielerreichung identifiziert, analysiert und bewertet werden.

Risikomanagement verhindert somit zukünftige negative Auswirkungen und damit verbundene Kosten.


Risikomanagement ist Bestandteil der Entscheidungsfindung

Risikomanagement ist, abgestimmt auf die vorhandene Datenbasis und abhängig von der verwendeten Beurteilungsmethode, in der Lage, Entwicklungen vorauszusagen, Wirkungen und Folgen von Entwicklungen auf deren Ursache zurückzuführen oder gar neue und unbekannte Entwicklungen hinsichtlich der Ursachen und Wirkungen sowie Folgen abzuschätzen.

Induktive Verfahren und deduktive Verfahren

Bei sogenannten induktiven Verfahren versucht man, ausgehend von einer bekannten Ursache die resultierenden Konsequenzen zu finden. Ein typisches Beispiel hierfür ist die Fehlermöglichkeits- und -einflussanalyse (FMEA). Ausgehend vom entdeckten Fehler in Verbindung mit der zugrunde liegenden Ursache ergibt sich das Wirkungsspektrum der resultierenden Konsequenzen.

Im Gegensatz zu den induktiven Verfahren gehen deduktive Verfahren von einer Wirkung, einer bekannten Konsequenz aus, um die Ursache zu ermitteln. Eine typische Methode, die das deduktive Vorgehen anwendet, ist die Fehlerbaumanalyse. In diesen Fällen sind die Konsequenzen bekannt, und diese werden zu einem Ursprungseffekt zurückgeführt. Somit kann die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten des Ursprungseffekts bestimmt werden.

Explorative Methoden und kreative Methoden

Eine dritte Methodenklasse stellen die explorativen Verfahren dar. Hier werden oft Systeme betrachtet, bei denen weder die Ursachen noch die Folgen bekannt sind. Sie eignen sich insbesondere, um komplexe, unbekannte Systeme hinsichtlich ihres Verhaltens zu untersuchen (explorieren). Eine spezielle Untergruppe bilden hier die kreativen Methoden.

Die kreativen Methoden (z.B. Brainstorming, morphologischer Kasten) finden oft als Hilfsmethoden im Rahmen von anderen Methoden ihre Anwendung, um einen Teilaspekt, ein einfaches Problem mit niedriger Komplexität, geringer Datenqualität und Datenquantität mit geringem Aufwand zu lösen.

Die Ergebnisse werden oft weiterverarbeitet und fließen in die Gesamtbetrachtung zurück. Die Anwendung der Methoden erfolgt auch in Kombination mit oder im Rahmen einer Teillösung für den Bewertungsprozess.

Auswahlkriterien für die richtige Methode

Verschiedene Einflussfaktoren sind bei der Auswahl der Risikobewertungsmethoden zu berücksichtigen. Um ein optimales Ergebnis bei der Beurteilung des Risikos zu erzielen, ist es entscheidend, die richtige Methode zu finden.

Die Risikobewertungsmethoden lassen sich in qualitative und quantitative Methoden unterteilen. Grundsätzlich sind die qualitativen Methoden den quantitativen Methoden vorzuziehen, liefern diese doch umfangreichere Ergebnisdaten und bedürfen oft keiner weiteren Interpretation.

Eine Möglichkeit, solche Kriterien zu wählen, ist die Orientierung an der Komplexität des Problems. Oft sind Probleme eindimensional, d. h. eine Ursache führt zu einer Wirkung. Im betrieblichen Umfeld allerdings gibt es häufig mehrere Ursachen. Des Weiteren kann selbst eine einzige Ursache zu mehreren Wirkungen führen. Schließlich ist es möglich, dass Ursachen untereinander vernetzt sind, das bedeutet, dass sich Ursachen gegeneinander beeinflussen und zu einem Strauß von Wirkungen führen können.

Neben der genannten Komplexität sind die Qualität und die Verfügbarkeit von Daten und Informationen wichtig. Oft sind Informationen nicht vorhanden. Ein weiterer Aspekt liegt in der Datenbeschaffungsökonomie. Das bedeutet, dass man bei der Beschaffung der relevanten Daten den damit verbundenen Aufwand berücksichtigen muss.

Einige Methoden sind hoch kompliziert und nur von geübten Fachleuten anzuwenden. Andere Methoden sind einem breiten Kreis von Anwendern möglich. So können insbesondere z.B. beim Brainstorming Laien in den Prozess der Problemlösung auch ohne Vorbereitung eingebunden werden.

Vier wichtige Parameter

Folglich lässt sich die Methodenwahl auf vier zu berücksichtigende Parameter reduzieren:

  • Anforderung an die qualitative oder quantitative Bewertung
  • Komplexität des Problems
  • Art und Grad der Unsicherheit der Informationen, die zur Verfügung stehen
  • Ausmaß der Ressourcen in Form von Zeit, Fachkenntnissen, Datenbedarf und Kosten

Die am 27. November 2009 erschienene Norm IEC/ISO 31010:2009 gibt einen Überblick über die Beurteilungsmethoden und deren Anwendung sowie Hilfestellung zu deren Auswahl.

Prof. Dr. Udo Weis
Herausgeber „Risikomanagement nach ISO 31000“

 

 

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