6. November 2008 - Die zehn bekanntesten Spionage-Tools

Mit diesen Tools werden Sie bespitzelt (Teil 3)

Wenn von Überwachung die Rede ist, denken viele zunächst an die allgegenwärtigen Überwachungskameras, dann an das Ausspionieren von PCs, und ansonsten fällt den meisten nur noch der Privatdetektiv ein, der mit Superteleobjektiven und Richtmikrofonen Jagd auf vermeintlich untreue Ehepartner macht. Dabei bleibt unberücksichtigt, dass heute fast jeder etwas bei sich trägt, das sich ganz vorzüglich manipulieren und überwachen lässt.

Datenschutzkonzept ist Grundlage der Datenschutzorganisation (Bild: Mathias Rosenthal / iStock / Thinkstock)

Moderne Handys auf Java- oder Symbian-Basis lassen sich leicht und unauffällig mit Spionagesoftware versehen.

Jede SMS, jede gewählte Rufnummer wird dann, per E-Mail oder unsichtbar verschickter Zweit-SMS, an den Spion weitergeleitet.

Das Handy als Wanze

Im letzten Teil der Serie haben wir Ihnen gezeigt, wie Sie mithilfe eines Handys eine Person überwachen können.

Mehr Mühe erfordert es dagegen, Ihr eigenes Handy als Wanze zu missbrauchen, um Ihre Telefonate abzuhören.

Solche Abhör-Aktionen sind im privaten Bereich eher selten, weil sie einen erhöhten technischen Aufwand erfordern und mit beträchtlichen Kosten verbunden sind.

Gern genutzt von Behörden und Wirtschaftsspionen

Behörden wie die Polizei, Geheimdienste oder die Steuerfahndung sind aber grundsätzlich ohne weiteres dazu in der Lage.

Und auch im Bereich der Wirtschaftsspionage kommen solche Methoden zum Einsatz: Die Rede ist vom Abhören mit Hilfe von IMSI-Catchern.

Was ist eine IMSI?

Die IMSI ist ein für jedes Handy einzigartiger Code, der beim Einbuchen in eine Funkzelle übermittelt wird.

Sie ist unabhängig von der Telefonnummer und bleibt auch beim Wechsel der SIM-Karte unverändert.

Was tut ein IMSI-Catcher?

Ein IMSI-Catcher, ein mobiles Gerät, das in der Regel mit Hilfe eines Notebooks gesteuert wird, gibt sich selbst als Funkzelle aus.

Alle Handys, die sich in der Nähe des IMSI-Catchers befinden, buchen sich automatisch in diese Pseudo-Funkzelle ein. Ein- und ausgehende Gespräche laufen dann über den IMSI-Catcher.

Mithilfe der dabei übermittelten IMSI sind die Überwacher in der Lage, die Gesprächsdaten eines speziellen Teilnehmers zu isolieren und aufzuzeichnen.

IMSI-Catcher kann nicht jeder einfach so bauen

Die gute Nachricht: Es genügt nicht, sich beim nächsten Elektronik-Discounter ein paar Kondensatoren, Widerstände und Transistoren zu besorgen, um sich seinen IMSI-Catcher selbst zu basteln, und die Geräte werden so ohne weiteres auch nicht an jedermann verkauft.

Bei Preisen zwischen 200.000 und 300.000 Euro pro Stück setzen auch krankhaft eifersüchtige Partner und extrem misstrauische Arbeitgeber in der Regel lieber andere Überwachungsmethoden ein.

Ein IMSI-Catcher lässt sich aufspüren

Völlig spurlos arbeitet ein IMSI-Catcher übrigens auch nicht: Während er sich gegenüber dem überwachten Handy als Funkzelle ausgibt, kann er Gespräche nur in das echte Mobilfunknetz weiterleiten, indem er sich diesem Netz gegenüber als Handy ausgibt.

Dabei kann er aber nicht die Mobilfunknummer des Überwachten weiterleiten, sondern nur seine eigene – also unterdrücken IMSI-Catcher in der Regel die Rufnummern-Übermittlung.

Nicht dem Überwachten selbst, aber denen, die er anruft, könnte das auffallen.

René Gelin
René Gelin war Redakteur, Projektleiter und Chefredakteur bekannter Computer- und Internet-Zeitschriften und ist seit mehr als zehn Jahren selbständiger Journalist. Er führt die Agentur TimeToPrint Publishing GmbH & Co. KG als Geschäftsführer.

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