9. August 2016 - Datenschutz bei WhatsApp & Co.

Messenger für Sales und Marketing: Darauf müssen Sie achten

Wer Messenger wie WhatsApp lediglich als privaten Chat-Dienst sieht, irrt sich. Unternehmen verwenden Messenger zunehmend als Shopping- und Marketing-Kanal. Was bedeutet das für den Datenschutz?

Messenger dringen immer mehr in die Bereiche Marketing und Sales ein Messenger wie WhatsApp können immer mehr (Bild: audioundwerbung / iStock / Thinkstock)

Messenger als Teil der betrieblichen Prozesse

Messenger-Dienste wie WhatsApp sind nicht nur eine alternative Form der Kommunikation neben E-Mail und SMS. Stattdessen sind Messenger zunehmend Bestandteil betrieblicher Prozesse: Innerhalb des Online-Marketings, im Online-Shopping und im Online-Banking.

Demensprechend sollten Datenschutz und Datensicherheit bei Messenger-Diensten auch aus betrieblicher Sicht eine größere Rolle spielen.

Wie bei vielen neuen Technologien finden Einzug und Verbreitung in die Verfahren der Verarbeitung personenbezogener Daten fast heimlich statt:

  • durch neue Funktionen in bestehender Software,
  • durch die Schatten-IT der Fachabteilung,
  • durch die Nutzung privater Geräte im Unternehmen (darunter BYOD).

Haben Sie als Datenschutzbeauftragte oder Datenschutzbeauftragter stets ein Auge auf neue Entwicklungen. Hinterfragen Sie, ob Technologien wie Messenger-Dienste nicht bereits im Einsatz sind, ohne dass das Unternehmen überhaupt an eine Datenschutz-Folgenabschätzung gedacht hat, wie sie die Datenschutz-Grundverordnung bei neuen Technologien sieht.

Nutzen Sie die folgende Checkliste, um den Messenger-Diensten im Unternehmen auf die Spur zu kommen. Nehmen Sie den Einsatz von E-Mail als Ausgangspunkt und spüren Sie der zusätzlichen oder alternativen Nutzung von WhatsApp & Co nach.


Download: Checkliste Einsatz von Messenger-Diensten


Bei der Datenschutz-Prüfung selbst hilft Ihnen die Checkliste Datenschutz bei Messenger-Apps

Beispiele: Shopping und Finanzen über WhatsApp

AllyouneedFresh.de, der Online-Supermarkt von Deutsche Post DHL Group, bietet seit Kurzem im Pilot-Betrieb die Möglichkeit, per WhatsApp einzukaufen:

  • Nutzer geben in diesem Fall ihre gewünschten Produkte wie eine Art digitale Einkaufsliste in den Messenger ein und senden sie an AllyouneedFresh.
  • Der Kunde erhält einen Link, der seine Wunsch-Produkte in einer Liste anzeigt, und kann so bestellen.

Online-Shopping per Messenger ist nicht alles, was die betriebliche Nutzung von WhatsApp & Co. wichtiger werden lässt: Das Unternehmen Sage zum Beispiel, Anbieter für cloudbasierte Buchhaltungs-Lösungen, hat beim Sage Summit 2016 den neuen Messenger-Dienst Pegg vorgestellt:

  • Pegg ermöglicht es den Anwendern, finanzielle Transaktionen innerhalb von Messaging-Apps wie Facebook Messenger zu erfassen und zu verwalten.
  • Unternehmer diktieren ihre Geschäftsvorfälle direkt in eine Textnachricht hinein. Die Informationen werden am Punkt der Aufnahme in digitale Form umgewandelt.

WhatsApp & Co: Betriebliche Nutzung wird wichtiger

Kurznachrichten-Dienste wie WhatsApp, Facebook Messenger oder iMessage von Apple sind aus der persönlichen Kommunikation der meisten Menschen nicht mehr wegzudenken, so eine Studie des Digitalverbands Bitkom. Demnach verwenden gut zwei Drittel (69 Prozent) der Internetnutzer ab 14 Jahren in Deutschland einen Kurznachrichten-Dienst.

Wie die Bitkom-Studie zeigt, kommen Messenger neben der persönlichen Kommunikation zunehmend als Informations-Quelle zum Einsatz. Zahlreiche Verlage versenden aktuelle Nachrichten zum Tagesgeschehen an Nutzer, die sich für diese Dienste angemeldet haben.

Zudem sind weitere Services möglich: Mit einem Messenger lassen sich Flüge oder Züge buchen, Kinokarten ordern oder ein Taxi bestellen.

Das macht Messenger-Dienste zu einem digitalen Kanal für den Vertrieb und das Marketing. Tatsächlich gibt es bereits Services, um Messenger beispielsweise ins Online-Shopping einzubinden.

Zeit also, sich auch aus Datenschutz-Sicht mit diesem Thema zu befassen.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker (Universität Bonn), Analyst und IT-Fachjournalist im Bereich IT-Sicherheit und Datenschutz. Er ist Herausgeber und Fachautor zahlreicher Fachpublikationen.

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