13. Februar 2012 - Mehr Transparenz oder mehr Profiling?

Neue Datenschutzerklärung von Google

Seit 1. März 2012 soll die neue, einheitliche Datenschutzerklärung von Google gelten. Sollen sich die Google-Nutzer nun freuen, nicht mehr für jeden Dienst eine eigene Datenschutzerklärung lesen zu müssen? Oder beginnt jetzt die ganz große Datensammlung über alle Google-Dienste hinweg?

Datenschutzkonzept ist Grundlage der Datenschutzorganisation (Bild: Mathias Rosenthal / iStock / Thinkstock)

Keine heimliche Datenschutz-Änderung

Wer in den letzten Wochen die Google Web-Suche genutzt hat, konnte kaum übersehen, dass Google seine Datenschutzerklärungen ändern will. Wer ein Google-Konto hat, sollte auch eine entsprechende E-Mail bekommen haben (falls diese nicht im Spam-Ordner untergegangen ist).

Gleichzeitig hat Microsoft eine umfangreiche Öffentlichkeitskampagne gestartet und auf die eigenen Datenschutz-Prinzipien hingewiesen, nach dem Motto „Es gibt auch andere Suchmaschinen“.

Kritik der Datenschutzaufsicht

Man kann also nicht sagen, dass Google heimlich seine Erklärung zum Datenschutz ändern würde. Trotzdem gibt es Anlass zur Kritik, zum Beispiel seitens des Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Rheinland-Pfalz:

„Google wird ab dem 1. März 2012 alle Daten von registrierten Nutzern zusammenführen; wer also bei Google registriert ist, weil etwa die Googledienste Mail, Calender, Youtube oder Google+ genutzt werden, wird durch die Zusammenführung der Daten für Google noch leichter als bisher zum gläsernen Nutzer. Hintergrund ist die Optimierung der auf den Nutzer bezogenen Werbung“.

Umfassende Änderung: einheitliche Sicht auf den Nutzer

Das Unwohlsein, das viele Datenschützer verspüren, wenn es um Google geht, hängt unter anderem mit den zahlreichen Diensten zusammen, die Google in der Regel kostenlos anbietet und letztlich über Werbung finanziert. Die Vielzahl an Diensten in fast allen Bereichen des Internets und mobilen Webs weckt die Sorge, dass Google ein umfassendes Nutzerprofil erstellen könnte, das für Werbekunden natürlich höchst interessant wäre.

Tatsächlich sieht die neue Datenschutzerklärung von Google nicht nur vor, den Nutzer nicht mehr für jeden Google-Dienst einzeln über den Datenschutz zu informieren, sondern vielmehr den Nutzer über die Grenzen des einzelnen Google-Dienstes hinaus als einen Nutzer zu behandeln. Aus der einheitlichen Datenschutzerklärung folgt auch die einheitliche Sicht auf den Nutzer.

Einheitliche Policy gefordert, nicht einheitliches Profil

So manche Kritik an der neuen Datenschutzerklärung von Google wird in der laufenden Diskussion damit abgetan, dass doch seit Jahren eine einheitliche Datenschutzerklärung seitens vieler Datenschützer und Verbraucherschützer gefordert wurde. Das stimmt. Allerdings hatte niemand aus diesem Kreis gefordert, die bisher vom Nutzer getrennt wahrgenommenen Dienste zu einem einheitlichen Nutzerprofil zusammenzuführen.

Datenschutzerklärung geändert, nicht aber die Datennutzung?

Google hat natürlich auf die kritischen Stimmen reagiert und deutlich gemacht, dass die Verwendung der Nutzerdaten nicht verändert wird, sondern nur die Datenschutzerklärung einheitlich dargestellt wird. Auch die Datenschutz-Optionen der Nutzer wurden nicht verändert, so Google. Zudem würden auch andere Unternehmen, wie der Google-Kritiker Microsoft, eine Kombination von Nutzerdaten aus verschiedenen Diensten in ihrer Datenschutzerklärung als möglich bezeichnen.

Zusammenführung von Daten zu Abrechnungszwecken erlaubt

Aus Sicht des Datenschutzes ist gegen ein solches Vorgehen auch nichts einzuwenden, solange die Vorgaben des TMG (Telemediengesetzes) eingehalten werden. Dort heißt es insbesondere (§ 15 TMG): „Der Diensteanbieter darf Nutzungsdaten eines Nutzers über die Inanspruchnahme verschiedener Telemedien zusammenführen, soweit dies für Abrechnungszwecke mit dem Nutzer erforderlich ist.“

Google gibt Datenschutztipps, aber…

In Verbindung mit der neuen Datenschutzerklärung hat Google auch verschiedene Hinweise gegeben, wie man der Zusammenführung der Nutzerdaten entgehen können soll, zum Beispiel:

  • Google-Dienste nutzen, ohne sich bei Google anzumelden
  • Für jeden Dienst ein anderes Google-Konto anlegen
  • Daten im Google-Konto löschen

Allerdings gibt es Einschränkungen bei der Umsetzung dieser Tipps:

  • Werden Cookies über das Google-Netzwerk auf dem Rechner des Nutzers abgelegt, kann der Computer erkannt werden ohne jede Anmeldung
  • Bei der Registrierung für die verschiedenen Google-Konten braucht man auch verschiedene E-Mail-Adressen, sonst könnte eine Zusammenführung über die bei der Registrierung genannte Mail-Adresse erfolgen
  • Das Löschen der Daten oder der Widerspruch in den verschiedenen Google-Diensten ist nicht einheitlich, sondern erfordert die Verwendung zahlreicher Werkzeuge

Download:


Informieren Sie deshalb die zweifellos zahlreichen Google-Nutzer im Unternehmen über die in Kürze einheitliche Datenschutzerklärung von Google und die weiterhin vielfältigen Datenschutz-Optionen, am besten mit der Mitarbeiterinformation.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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