1. August 2011 - Soziale Netzwerke

Mehr Datenschutz beim Facebook-Konkurrenten Google+?

Das neue soziale Netzwerk Google+ findet hohen Zuspruch und könnte dem Marktführer Facebook gefährlich werden. Insbesondere beim Datenschutz soll Google+ einige Vorteile bieten. Es lohnt sich also, genauer hinzusehen.

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Hat Google+ Facebook in Sachen Datenschutz abgehängt? (Bild: Thinkstock)

Der Wettkampf ums soziale Internet

Wenn es um die Suche im weltweiten Netz geht, ist Google der klare Marktführer. Bei den sozialen Netzwerken jedoch hat Facebook eindeutig die Nase vorn. Google Buzz konnte sich nicht durchsetzen. Seit Ende Juni 2011 jedoch hat Google ein neues Pferd ins Rennen geschickt: Google+

Besserer Datenschutz bei Google+?

Die bisherigen Bewertungen von Google+ sehen überwiegend positiv aus. Manche glauben sogar daran, dass Facebook bald seine Vorherrschaft verlieren könnte. Einer der Gründe soll der bessere Datenschutz bei Google+ sein. Sollte man nun aus Datenschutz-Gründen eine Empfehlung für Google+ aussprechen?

Soziale Werbung ist Trumpf

Um diese Frage zu beantworten, sollte man sich zuerst die möglichen Motive überlegen, warum sich Google auf einen zweifellos harten Wettkampf mit Facebook einlassen will. Zum einen dürfte dies daran liegen, dass aktuelle Analysen besagen, die Internetnutzer verbringen zunehmend ihre Zeit bei Facebook und nicht bei Google.

Damit kommen wir auch direkt zum zweiten möglichen Grund: Das Geschäft mit sozialer Werbung, also der Werbung innerhalb eines sozialen Netzwerks und auf Basis von Online-Profilen, wächst und gedeiht. Das ist nicht verwunderlich, hat man hier doch eine gute Möglichkeit, die Online-Anzeigen weitestgehend zu personalisieren.

Google als Online-Marketer kann und wird sich dieses Geschäft nicht einfach entgehen lassen.

Zieht der Datenschutz seine Kreise? Die Circles bei Google+

Ob der Datenschutz nun bei Google+ besser ist als beim Wettbewerb, lässt sich gegenwärtig nur anhand von Testversionen untersuchen.

Unter den Funktionen von Google+ sind es insbesondere die Kreise (Circles), die den Unterschied zum Wettbewerb machen sollen. Dabei handelt es sich um eine Möglichkeit, mit grafischer Unterstützung festzulegen, von welcher Art ein Kontakt ist, zum Beispiel Familienmitglied, Vereinsmitglied, Kunde oder Kollege. Diese Kategorien sind frei wählbar, die Zuordnung erfolgt, indem man die Kontakte in einen entsprechend benannten Kreis per Drag-and-Drop zieht.


Download:


Google+ erzwingt die Trennung von Informationsbereichen

Bei jeder Statusänderung oder Nachricht, die man in Google+ veröffentlicht, muss man dann entscheiden, für welchen Kontaktkreis die Information bestimmt ist. Wohlgemerkt: Das KANN der Nutzern nicht entscheiden, er MUSS es entscheiden!

Facebook stellt das den Nutzern frei

Bei Facebook ist das bislang anders:

  • Hier kann man zwar auch seine „Freunde“ in unterschiedliche Gruppen einteilen, man muss es aber nicht.
  • Auch die Entscheidung, wer Informationen sehen darf und wer nicht, lässt sich bei Facebook treffen, aber das ist ebenfalls nicht zwingend. Man kann die Daten einfach per Standardeinstellung allen oder allen Freunden zugänglich machen.

Trotzdem ist auch bei Google+ Vorsicht angezeigt

Die Funktion „Circles“ zur Unterscheidung von Kontakten und die Pflicht, den Empfängerkreis neuer Informationen genau auszuwählen, ist zweifellos ein guter Schritt. Trotzdem ist der Datenschutz auch bei Google+ nicht vorprogrammiert:

  • Google+ gliedert sich in die anderen, bereits vorhandenen Google-Dienste ein. Nutzer sollten sich immer genau klar machen, ob sie nun eine E-Mail über Google Mail schreiben oder eine Nachricht auf ihrem Google+-Profil veröffentlichen wollen.
  • Die Integration in die zahlreichen Google-Dienste könnte eine Profilbildung erleichtern. Eine Google-Suche könnte unter Umständen mit dem Profil bei Google+ in Verbindung gebracht werden, wenn die Suche ausgeführt wird, nachdem man sich bei seinem Google-Konto angemeldet hat. Google muss also die Daten sauber trennen und Zugriffe von Innentätern und Hackern verhindern. Denn solche Datenansammlungen wecken immer kriminelle Begehrlichkeiten.
  • Personen, die man in Google+ geblockt hat, können trotzdem Daten des Nutzers sehen, wenn diese für alle (und somit auch für die Suchmaschine Google) freigegeben sind. Nutzer sollten prüfen, wie ihr Online-Profil bei Google+ für andere Nutzer aussieht (Funktion „View Profile as“ im Profil-Editor).
  • Bei unvorsichtigen Einstellungen könnte jeder Internetanwender Nachrichten an den Nutzer senden. Denn je nach gewählter Option bietet das Online-Profil für jedermann eine Funktion, um Nachrichten an den Profil-Inhaber zu senden (Spam-Gefahr).
  • Google+ befindet sich in einer Testphase und hat gewisse Kinderkrankheiten. So war es zum Beispiel anfangs möglich, dass Kontakte Daten eines Nutzers, die nur sie sehen sollten, an andere weiterleiten („reshare“) konnten. Diese Lücke wurde inzwischen behoben.
  • Wird ein Online-Profil bis auf Namen und Foto als unsichtbar klassifiziert, bleiben die Daten, die man mit anderen geteilt hat, für diese trotzdem sichtbar.
  • Es gibt bereits Phishing- und Malware-Attacken, die als Einladungen zur Teilnahme an Google+ getarnt sind.
  • Google verfügt über zahlreiche, verschiedene Datenschutzerklärungen. Man sollte die Privacy Policy von Google+ lesen, und zwar regelmäßig, ob sich eine Änderung bei der Datennutzung ergeben hat.

Mehr Wettbewerb – mehr Datenschutz?

Noch ist der Datenschutz also nicht bereits eingebaut, auch nicht bei Google+. Doch der Wettbewerb zwischen Facebook und Google könnte die Bemühungen um mehr Datenschutz verstärken.

Wer jedoch ein datenschutzfreundliches soziales Netzwerk sucht, sollte nicht nur den Vergleich mit dem Marktführer Facebook machen und sich dann über Datenschutz-Vorteile freuen. Vielmehr gilt es, den Datenschutz richtig in den Blick zu nehmen.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

 

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