8. September 2014 - Browser-Erweiterungen als Datenschutz-Gehilfen

Maßnahmen gegen heimliches Online-Tracking

Ohne Hilfsmittel haben Internetnutzer kaum eine Chance, heimliches Online-Tracking zu entdecken. Spezielle Browser-Erweiterungen versprechen, die Nutzer dabei zu unterstützen. Doch Nebenwirkungen sind nicht ausgeschlossen.

heimliches Online-Tracking Das Plug-in Privacy Badger will gegen heimliches Online-Tracking helfen (Bild: Bumbasor/iStock/Thinkstock)

Tracking wird immer vielfältiger und raffinierter

Wenn man früher als Datenschutzbeauftragte oder Datenschutzbeauftragter vor Online-Tracking warnen und Gegenmaßnahmen empfehlen wollte, kamen schnell Datenschutz bei Cookies und der Cookie-Manager im Browser zur Sprache. Inzwischen reicht dies nur noch als Einstieg ins Thema, in Zukunft vielleicht sogar nur noch als Rückblick, wie Tracking früher aussah. Das Nachverfolgen von Nutzeraktivitäten ist so lohnend, dass sich laufend alternative Tracking-Methoden etablieren, die wenig bekannt sind und deshalb kaum abgewehrt werden.

Aber auch der Tracking-Schutz hat viele Facetten

Der Cookie-Manager als Tracking-Schutz hat allerdings ebenfalls Verstärkung bekommen. Einerseits gibt es verschiedene Browser-Erweiterungen oder Plug-ins, die dem Internetnutzer mitteilen sollen, wann Online-Tracking auf einer Website entdeckt wird. Andererseits können Browser auch direkt Webseiten mitteilen, dass der Nutzer sich gegen Tracking entschieden hat (Do-not-Track, DNT).

Es hat sich allerdings gezeigt, dass sich viele Webseiten nicht an den Wunsch „DNT“ des Nutzers halten. Auch bei den Browsererweiterungen gab es Entwicklungen, die einen echten Mehrwert für den Datenschutz fraglich werden lassen. So wurde zum Beispiel festgestellt, dass bestimmte Plug-ins gegen Online-Werbung und Online-Tracking auch kommerziellen Interessen folgen und nicht nur den hehren Datenschutzzielen.

Datenschutz auch bei Datenschutz-Tools hinterfragen

Als Datenschutzbeauftragter sollten Sie deshalb durchaus kritisch sein, wenn es scheinbar nützliche Browser-Erweiterungen gibt, die den Nutzer vor Tracking bewahren wollen. Es stellt sich immer die Frage, wie sich solche Dienste und Programme finanzieren, ob ein solcher Dienst also zum Beispiel Tracking dann nicht unterbindet, wenn der entsprechende Anbieter sich finanziell erkenntlich zeigt.

Neben den Finanzierungsmodellen und Nutzungsbedingungen sollten natürlich immer auch die Datenschutzerklärungen geprüft werden. Immerhin könnten die Browsererweiterungen zur Erkennung von Online-Tracking die kompletten Browseraktivitäten überwachen.

Privacy Badger will Tracking enttarnen

Die Electronic Frontier Foundation (EFF) als Nichtregierungsorganisation für den Grundrechtsschutz im Internet hat nun eine neue Browsererweiterung veröffentlicht, die die Nachteile früherer Plug-ins gegen Online-Tracking vermeiden soll.

Der sogenannte Privacy Badger ist unter www.eff.org/privacybadger zu finden und kann für den Firefox- und den Chrome-Browser installiert werden. Der Privacy Badger prüft zum Beispiel, ob der Nutzer „Do-not-Track“ in den Browsereinstellungen ausgewählt hat und trotzdem Daten zur Identifizierung des Nutzers abgefragt werden. Im Gegensatz zu manch anderen Plug-ins arbeitet der Privacy Badger nicht mit Verbotslisten (Black Lists), sondern prüft jeweils, ob ein Tracking stattfindet. Bei den Verbotslisten wäre es generell möglich, dass sich Tracking-Dienste „freikaufen“ und dann trotz Tracking nicht blockiert werden. Ein solches Vorgehen möchte EFF verhindern.

Auch wenn der Privacy Badger positiv klingt, hat er doch so manche Einschränkung. So prüft er bisher nur, ob Tracking auf Webseiten durch Dritte erfolgt, nicht aber, ob der Webseitenbetreiber selbst Tracking vornimmt. Zudem werden nicht alle Tracking-Verfahren in dem Programm erkannt, so dass die Möglichkeiten des Tracking-Schutzes nicht überschätzt werden sollten. Es zeigt sich also: Jeder Tracking-Schutz muss genau hinsichtlich seiner Funktionen geprüft werden, damit nicht der falsche Eindruck eines kompletten Tracking-Schutz entsteht.

Nutzen Sie am besten die aktuelle Mitarbeiterinformation, um über die aktuelle Entwicklung im Tracking-Schutz zu informieren.


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Oliver Schonschek
Oliver Schonschek, Diplom-Physiker, ist IT-Fachjournalist und IT-Analyst.

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