14. Januar 2013 - Kundenverzeichnisse im Internet

Kundendaten sind kein Tauschobjekt!

Wer seine Geschäftskontakte zum Beispiel in das Kontaktverzeichnis ZoomInfo Community Edition lädt, kann kostenlos auf alle anderen Kundendaten in dem Verzeichnis zugreifen. Was sich nach einem scheinbar guten Tauschgeschäft anhört, könnte zum Datenschutz-Problem werden.

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Vorsicht beim Datenaustausch: Neben den Kundendaten können auch Privatdaten übertragen werden. (Bild: Thinkstock)

Möglichst viel über die Kunden wissen

Wenn es um Kundendaten geht, werden viele Unternehmen zu Jägern und Sammlern. Je besser man seinen Kunden kennt, also je mehr zuverlässige Daten man über den Kunden hat, desto passender können das Angebot und die Kundenbetreuung sein. Dank sozialer Netzwerke und den umfangreichen Recherchemöglichkeiten im Internet reicht oftmals ein Kundenname und schon kann man technisch gesehen eine umfangreiche digitale Akte anlegen.

Neukunden sind gefragt

Als Unternehmen möchte man jedoch nicht nur die Stammkunden besser kennen lernen. Auch mögliche Neukunden sind mehr als interessant. Auch von noch unbekannten Interessenten hätte man gerne möglichst viele Daten, um die Erstansprache des Geschäftskunden so zielsicher wie möglich zu machen. Da könnte ein Angebot „Gib mir Deine Kontakte, dann bekommst Du meine“ ganz verlockend sein. Aus Sicht des Datenschutzes gilt es jedoch, hier genau aufzupassen.

Tausche Kundendaten gegen Interessentendaten

Im Internet gibt es zahllose Branchenverzeichnisse und Kundendatenbanken, die man zum Teil kostenlos, häufig aber gegen eine Gebühr anzapfen kann. Dadurch findet man neue Interessenten, füllt den Datenbestand zu seinen Kunden auf und bekommt mitunter ganz neue Einblicke in seine Kundengruppe.

Dabei stellt sich natürlich zum einen die Frage, woher die Daten eigentlich kommen. Das Internet-B2B-Verzeichnis ZoomInfo zum Beispiel bezieht seine Daten unter anderem aus Internetsuchmaschinen und damit auch aus sozialen Netzwerken. Aber auch andere Datenquellen werden genutzt, zum Beispiel Unternehmen, die ihre Kontaktdaten gegen einen kostenlosen Zugang zur Datenbank eintauschen.

Wie der Tausch technisch funktioniert

Dabei laden die Teilnehmer an dem Tauschprogramm nicht etwa ihre Kontaktdaten fallweise und kontrolliert in die Datenbank. Stattdessen installieren sie zum Beispiel eine Outlook-Erweiterung (Plug-In), die automatisch den Datenaustausch vornimmt. Jeder neue oder geänderte Kontakt wird dann zu definierter Zeit ebenfalls übertragen. Im Prinzip besteht also eine Daten-Pipeline zwischen dem Outlook des Nutzers und der Branchen-Datenbank. Dabei wird sowohl das Kontaktverzeichnis in Outlook oder Google Apps for Business durchsucht als auch die Unterschriftszeilen, Absender- und Empfängerangaben innerhalb von E-Mails.

Eine Frage der Datentrennung

Bevor die Marketing- und Vertriebsmitarbeiter Ihres Unternehmens ähnliche Konzepte für sich entdecken, sollten Sie auf die Risiken eines solchen Adressentauschs im Internet hinweisen und auf die nötige Datentrennung. Vielleicht erinnern Sie auch an die Datenschutz-Kritik an der Freundefinder-Funktion von Facebook. Diese Funktion sieht ebenfalls das Hochladen der eigenen Kontakte auf externe Server vor. Auch bei beruflichen Kontaktdaten sind Vorgaben aus dem Datenschutz zu beachten, zum Beispiel hinsichtlich zulässiger Erhebungsquellen, des Umfangs der zulässigen Listendaten, der Angabe der Datenquelle und der angenommenen Einwilligung. Besondere Vorsicht bei der Weitergabe der Kundendaten ist geboten, wenn es sich um Endverbraucher als Kunden handelt.

Was bei einem automatischen und vollständigen Datentausch auch zu beachten ist, ist die Tatsache, dass sich neben den Geschäftsdaten in aller Regel auch andere E-Mail-Adressen in Outlook oder bei Google Apps befinden, insbesondere bei der erlaubten, privaten E-Mail-Nutzung. Der Datentausch würde dann auch die privaten Kontaktdaten in das Internetverzeichnis übertragen, ohne Wissen und Einverständnis der Betroffenen. Die ZoomInfo Community Edition zum Beispiel schließt E-Mail-Adresse von Yahoo, Google und vergleichbare kostenlose Mailing-Dienste von der Datenübernahme aus. Allerdings ist dadurch nicht wirklich sichergestellt, dass keine Daten von Privatkontakten betroffen sind.

Hier gilt es Aufklärung zu leisten. Nutzen Sie dazu die Mitarbeiterinformation, die Sie als Arbeitshilfe herunter laden können. Adressentausch im Internet darf nicht nur als nützliche Datenquelle gesehen werden, sondern muss auch als Datenrisiko verstanden werden.


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Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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