31. Juli 2008 - Speichermedien im Vergleich

Kompetent mitreden beim Thema Datenspeicherung

Ein Fass ohne Boden – ausufernde Informationsflut gepaart mit immer neuen gesetzlichen Vorgaben führen zu einem enormen Anwachsen der notwendigen Speicherkapazitäten und der – unter Umständen sensiblen – Datenmengen in Langzeitarchiven. Da noch den Überblick zu behalten, ist nicht einfach. Wir zeigen Ihnen daher Vor- und Nachteile gängiger Speichermedien.

Datenschutzkonzept ist Grundlage der Datenschutzorganisation (Bild: Mathias Rosenthal / iStock / Thinkstock)

Die rechtlichen Anforderungen an die Speicherung und Archivierung von Geschäftsinformationen steigen von Jahr zu Jahr. Dabei interessiert sich der Gesetzgeber nicht nur für steuerrelevante Finanzdaten, sondern mischt sich verstärkt auch in Produktions- und Lieferdaten ein.

Branchen, die mittlerweile eine lückenlose Chargenrückverfolgung nachweisen müssen, sind mit den gesetzlichen Forderungen und dabei anfallenden Datenvolumina bestens vertraut.

Auch Archive sind für den DSB relevant

Mancher Datenschutzbeauftragte mag nun denken: „Die Speicherung und der Datenzugriff betrifft die IT-Verantwortlichen und ist bestimmt nicht die Baustelle eines Datenschutzbeauftragten.“ Denn der DSB überwacht zunächst nur die technischen Installationen und gleicht sie mit den Erfordernissen nach § 9 BDSG ab.

Doch Vorsicht, diese Sichtweise stellt sich oftmals als zu kurzsichtig heraus. Den momentanen Ist-Zustand zu kontrollieren und lediglich die laufenden, tagesaktuellen Zugriffe auf personenbezogene Daten mithilfe der Verfahrensübersicht zu dokumentiert, reicht nicht mehr. Was ist mit den Sicherungsmedien und Datenarchiven, die abgelaufene oder veraltete Datensätze beinhalten, also den Informationen, die nicht mehr im Tagesgeschäft benötigt werden?

Mit unserem Überblick zu aktuellen Speichertechnologien können Sie gegenhalten!

Sind die Regularien und Anforderungen an den Lebenszyklus der Daten bekannt, weiß man also, um welche Art von Daten es sich handelt, wie die Anforderungen an die Zugriffszeit und die Archivierungsfristen aussehen, gilt es, die geeigneten Speicher- und Archivierungsmedien zu finden.

Als Datenschutzbeauftragter sind Sie leider nicht immer mit den technischen Möglichkeiten vertraut und müssen sich oftmals auf die Aussagen der Verantwortlichen aus der IT-Abteilung verlassen. Hier hilft unser Überblick, unnötige Schnellschüsse oder Billiglösungen zu verhindern.

Festplatten – gut, preisgünstig, aber ohne Langzeitgarantie

Da sie so preisgünstig sind, scheinen Festplatten auf den ersten Blick die optimale Lösung zu sein.

Das Zusammenfassen mehrerer Festplattenlaufwerke zu einem Gesamtsystem – einem RAID (Redundant Array of Independent Disks) – verspricht Ausfallsicherheit, sofortigen Datenzugriff und Verfügbarkeit.

Doch seien Sie vorsichtig beim Einsatz von Festplatten als Langzeitarchiv! Wenn Sie die Aussagen der Hersteller kontrollieren, werden Sie je nach Modellreihe üblicherweise auf eine bedenklich geringe Lebensdauer von fünf Jahren hingewiesen.

USB-Disk – handlich, praktisch, doch ebenfalls nicht langzeittauglich

Die Bereitstellung von Festplattenkapazitäten über externe USB-Subsysteme oder Firewire bietet eine vernünftige Performance. Es ist verlockend, USB-Disks bei kleineren Serverarchitekturen für das Backup oder gar die Archivierung einzusetzen. Aber Achtung – diese Medien sind nicht für eine längere Lagerung konzipiert.

Auch hier gilt es, die Spezifikationen der Laufwerkshersteller zu prüfen. Leider halten sich die meisten äußerst bedeckt, wie lange ihre Drives die Daten sicher archivieren können.

Die Lagerbedingungen bestimmen letztendlich die Lebensdauer

Während eine Harddisk in einem regelmäßigen aktiven Betrieb eine Lebensdauer von etwa fünf Jahren verspricht, trifft dies nicht auf eingelagerte Harddisks zu. Die Lagerparameter wie Luftfeuchtigkeit und Temperatur sind ausschlaggebend für deren Haltbarkeit.

Viele Hersteller geben daher bei nicht eingesetzten Festplatten die zulässige Aufbewahrung mit nur einem Jahr an. Zudem wird bei einer Datenhaltung außerhalb eines laufenden Systems empfohlen, ein Disk-Laufwerk mindestens einmal jährlich kurz zu testen.

Die Hersteller übernehmen keine Garantie für die sichere Speicherung!

Aus den Angaben der Hersteller lässt sich oft auch ableiten, dass sie keine Garantie übernehmen, wenn Sie Ihre Daten auf einem USB-Drive fünf Jahre lang sicher speichern möchten. Das Ablegen von kritischen Daten auf den günstigen USB-Festplatten ist also mit Vorsicht zu genießen.

Das Magnetband – altbewährte, zuverlässige und langlebige Technik

Nicht nur die Zuverlässigkeit, sondern auch die Kosten pro Gigabyte Speicher machen den Einsatz von Tapes im Datensicherungsprozess oder bei der Archivierung unverzichtbar.

Neue Produktgenerationen bieten in immer kürzeren Zyklen etwa gleiche Anschaffungskosten bei doppelter Geschwindigkeit und Kapazität.

Die verwendeten Technologien LTO (Linear Tape Open) oder DLT (Digital Linear Tape) unterscheiden sich kaum noch bei der Anwendung. Wie die Produktplanung des Herstellers Quantum belegt, werden beide Technologien unvermindert weiterentwickelt und versprechen, auch zukünftig mit dem anfallenden Datenvolumen im Terabyte-Bereich Schritt zu halten.

Was die Langzeitarchivierung betrifft, geben die Hersteller eine voraussichtliche Lebensdauer von 30 Jahren an.

CD-ROM und DVD – günstig und haltbar, aber geringe Kapazität

Für eine langfristige Archivierung werden derzeit gerne optische Medien wie CD-ROM oder DVD verwendet. Sie sind günstig und bieten die vom Gesetzgeber verlangte WORM-Funktionalität (Write Once, Read Many = einmal beschreiben, mehrmals lesen).

Werden die Umgebungsbedingungen und Handhabung bei der Lagerung berücksichtigt, geben die Hersteller eine Garantie für die Lesbarkeit ihrer Medien von 30 bis 70 Jahren an. Einige Hersteller werben für ihre CD-R/RW sogar mit „unter Testbedingungen ca. 100 Jahre archivtauglich“.

Leider eignet sich der Einsatz wegen der oftmals zu geringen Speicherkapazität nur bedingt.

UDO-Technologie – langlebig mit hoher Speicherkapazität

Müssen Daten länger archiviert werden, eignen sich magneto-optische Medien wie die in Jukeboxen verwendete UDO-Technologie (Ultra Density Optical). Sie hat üblicherweise eine Speicherkapazität von 30 Gigabyte.

Ultra-Dense-Optical-Disks sowie magneto-otpische Speichermedien lassen sich sogar über 50 bzw. 100 Jahre sicher aufbewahren.

Berücksichtigen Sie auch die Abspieltechnologie

Sichere Medien für die Langzeitarchivierung sind vorhanden. Jedoch, was ist mit der Technologie zum Lesen der Medien – wer kann heute noch eine 5¼“-Diskette aus den 80er Jahren lesen?

Der Datenschutzbeauftragte muss daher die eingesetzte Hardware immer genau überwachen und bei jeder Umstellung auf neue Technologien dafür sorgen, dass die Archivdaten auf die zukünftig eingesetzten Medien übertragen werden.

Hermann Keck
Herrmann Keck ist externer Datenschutzbeauftragter (www.keck-dsb.de).

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