12. Januar 2011 - Mobile Coupons

Mobile Coupons: Ich weiß, wo Du jetzt bist und was Du gerade isst!

Mit der Zunahme an Smartphones und mobilen Internetzugängen steigt auch die Bedeutung der mobilen Werbung. Mobile Coupons werden deshalb einen ähnlichen Stellenwert erlangen wie die klassischen Rabattgutscheine. Allerdings sind mobile Coupons aus Sicht des Datenschutzes weitaus kritischer.

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Mobile Coupons tauschen Rabatte nur gegen personenbezogene Daten (Bild: Thinkstock)

2011 soll die Zahl der in Deutschland verkauften Smartphones erstmals die 10-Millionen-Marke überschreiten, so eine Prognose des European Information Technology Observatory (EITO).

In Zukunft noch mobiler

Damit würde dann jedes dritte verkaufte Mobiltelefon ein Smartphone sein. Gute Aussichten also für das mobile Internet.

Ob dies jedoch gute Aussichten für den Datenschutz sind, ist fraglich. Nicht ohne Grund fürchten viele Unternehmen eine Zunahme der Online-Attacken auf mobile Endgeräte.

Und in Zukunft noch neugieriger!

Es sind aber nicht nur die Hacker, die es auf die mobilen Endgeräte und die damit verbundenen personenbezogenen Daten abgesehen haben. Auch die Werbewirtschaft entwickelt immer neue Ideen, um die Zielgruppen noch genauer fassen zu können.

Das zeigt sich zum Beispiel an den mobilen Coupons, also den elektronischen Rabattgutscheinen, die auf Smartphones und Handys geschickt werden. Zur Einlösung eines solchen Coupons wird in der Regel ein Barcode an der Kasse eingescannt, der auf dem Smartphone-Display angezeigt wird.


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Ihre Bestellung und Ihre E-Mail-Adresse bitte?

Stellen Sie sich vor, Sie finden einen Rabattgutschein von einem Fast-Food-Restaurant in Ihrer Tageszeitung. Sie schneiden den Gutschein aus und gehen in der Mittagspause zu dem Schnellrestaurant. An der Kasse fragt man Sie, welchen Burger Sie denn zehn Prozent billiger haben möchten und wie Ihre E-Mail-Adresse oder Handy-Nummer lautet.

Keine Frage, Sie wären sehr erstaunt, wieso Sie zur Einlösung des Gutscheins diese Angaben machen müssten. Und überhaupt, was soll denn mit Ihren personenbezogenen Daten geschehen?

Jeder Dritte in den USA hat bereits einen mobilen Coupon eingelöst

Leider stellen sich nicht wirklich alle Nutzer des mobilen Internets diese Frage. In den USA haben bereits 35 Prozent der Smartphone-Nutzer einen mobilen Coupon erhalten und eingelöst, so das Ergebnis der US-Studie Going Mobile der IHL Group.

Dabei haben die Coupon-Nutzer ihre Handy-Nummer oder ihre E-Mail-Adresse einem Coupon-Dienst preisgegeben, und nicht nur das: oft auch ihren aktuellen Standort.

Mobile Coupons nutzen meist Geodaten

Im Gegensatz zu den klassischen Rabattgutscheinen in Papierform, ja sogar im Gegensatz zu den digitalen E-Coupons im stationären Internet sind die mobilen Coupons in aller Regel mit Geodaten verknüpft. Entweder man registriert sich für einen bestimmten Ort, für den man mobile Coupons auf sein Smartphone bekommen möchte, oder man wird dazu geortet.

Wenn man nicht aufpasst, bezahlt man also seinen Rabatt mit den eigenen Daten, darunter sogar die Standortdaten.


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Schulen Sie die Mitarbeiter!

Sie sollten deshalb die Smartphone-Nutzer in Ihrem Unternehmen über die Auswertungsmöglichkeiten informieren, die theoretisch sehr weitreichend sein könnten. Nutzen Sie dazu auch die beiden Checklisten.

Soziale Netzwerke liefern noch mehr Daten

Das Missbrauchspotenzial bei mobilen Coupons bezieht sich nicht nur auf die theoretisch mögliche Verknüpfung von E-Mail-Adresse, Handy-Nummer, aktuellem Standort und Konsumverhalten über die eingelösten Coupons.

Zum einen fragen Coupon-Anbieter bei der Registrierung oftmals  nach Alter und Geschlecht, um die Zielgruppen genauer fassen zu können. Und wer einen digitalen Coupon über ein soziales Netzwerk erhält, könnte sogar noch eine Verknüpfung mit seinem Online-Profil ermöglichen, wenn nicht auf einen ausreichenden Datenschutz bei Smartphone-Nutzer, sozialem Netzwerk und Coupon-Anbieter geachtet wird.

Eigene mobile Coupons?

Wenn Ihr Unternehmen selbst mobiles Marketing mit Coupons machen möchte, sollten Sie genau prüfen, wie der Coupon-Anbieter es mit dem Datenschutz hält, und die Kunden Ihres Unternehmens entsprechend informieren. Aus den USA sind bereits Negativbeispiele bekannt geworden, die eine Profilbildung über den Coupon-Einsatz zeigten.

Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker und Fachjournalist.

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