28. September 2015 - Bewertung von Schutzmaßnahmen

Helfen Werbeblocker gegen Malware-Attacken?

Tools, die Online-Werbung blockieren, wurden und werden kritisch diskutiert. Nun weisen Anbieter von Werbeblockern aber darauf hin, dass sie auch vor Malware schützen. Was ist davon zu halten?

Werbeblocker schützen nicht komplett vor Malware Werbeblocker können nur bedingt vor Malware-Attacken schützen (Bild: Wavebreakmedia Ltd / Wavebreak Media / Thinkstock)

Online-Werbung: Nützlich, lästig oder gefährlich?

Umfragen belegen immer wieder, dass Online-Werbung, die für einen Nutzer relevant ist, nicht als störend empfunden wird. Voraussetzung ist allerdings, dass sie nicht zu penetrant ist und bei den Online-Aktivitäten nicht behindert, indem sie sich zum Beispiel mehrfach vor die eigentliche Webseite schiebt. Tatsächlich ist es so, dass viele Nutzer im Internet nach für sie passenden Angeboten suchen.

Online-Werbung kann also durchaus nützlich sein, aber auch lästig und sogar gefährlich. Datendiebe nutzen zunehmend Online-Werbebanner und andere Online-Werbeformen, um Malware an die ahnungslosen Opfer zu verteilen. Diese Angriffsmethode, Malvertising genannt, greift in den letzten Monaten immer stärker um sich. Laut einer Studie von Cyphort hat Malvertising innerhalb von zwölf Monaten um 325 Prozent zugenommen.

Werbung blockieren und Malware abhalten?

Es gibt inzwischen eine Reihe von Tools und Browsererweiterungen (Plug-ins), die Internetnutzer vor (ungewollter) Online-Werbung bewahren wollen. Anbieter versprechen den Nutzern von Werbeblockern eine verbesserte Privatsphäre im Internet und einen erhöhten Schutz vor Malware. Denn mit Online-Werbung können die Erzeugung von Nutzerprofilen und versteckte Angriffe mittels Schadsoftware verbunden sein. Blockiert man also Online-Werbung, steigt der Datenschutz, das Angriffsrisiko sinkt, so scheint es jedenfalls.

Doch wie zum Beispiel das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) kürzlich klarstellte, bieten Browser-Erweiterungen, die Werbung oder das Ausführen von aktiven Inhalten blockieren, zwar einen gewissen, aber keinen völligen Schutz.

Werbeblocker bieten nicht automatisch Datenschutz und Virenschutz

Als Datenschutzbeauftragte oder Datenschutzbeauftragter sollten Sie im Unternehmen daran mitwirken, dass Schutzmaßnahmen richtig eingesetzt werden, andernfalls sind Scheinsicherheit und übersehene Datenrisiken die Folge. Bevor also zum Beispiel sogenannte Werbeblocker zum Einsatz kommen, sollte der tatsächliche Wert für den Datenschutz und die Datensicherheit hinterfragt werden:

  • Zum einen muss geklärt werden, ob der Werbeblocker sämtliche Online-Werbung blockieren soll, und wenn ja, ob das Tool denn tatsächlich alle Online-Werbeformen erkennt und abhalten kann. Wenn nur bestimmte Werbung blockiert werden soll, muss auch diese Funktion hinterfragt werden.
  • Zum anderen: Wenn der Nutzer angibt, welche Werbung ihn interessiert, muss klar sein, dass der Anbieter des Werbeblockers diese Information nicht zweckentfremdet und selbst Werbepartner anbietet. Tatsächlich sind schon Kooperationen zwischen Werbeblockern und Werbeanbietern bekannt geworden.

Hinsichtlich eines Malware-Schutzes durch Werbeblocker sollten Sie als Datenschutzbeauftragter in Ihrem Unternehmen klarstellen, dass Werbeblocker höchstens die Malware-Attacken verringern können, die Schadsoftware durch die Anzeige oder das Anklicken von Online-Werbemitteln verteilen wollen. Werbeblocker können auf keinen Fall einen vollständigen Malware-Schutz ersetzen. Vielmehr ist es so, dass eine professionelle Antiviren-Software auch Malvertising erkennen und abwehren kann. Einen vollständigen Schutz bieten natürlich auch die Virenscanner nicht, da Online-Attacken auf vielen, verschiedenen Wegen erfolgen können. Deshalb ist es entscheidend, eine Kombination aus Security-Tools einzusetzen, die dem aktuellen Schutzbedarf und der Bedrohungslage entspricht.

Prüfen Sie deshalb mit Hilfe der Checkliste die richtige Einschätzung von Werbeblockern in Ihrem Unternehmen, bevor diese zum Einsatz kommen. Dies gilt auch für Werbeblocker auf mobilen Endgeräten.


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Oliver Schonschek
Oliver Schonschek ist Diplom-Physiker (Universität Bonn), Analyst und IT-Fachjournalist im Bereich IT-Sicherheit und Datenschutz. Er ist Herausgeber und Fachautor zahlreicher Fachpublikationen.


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