31. Juli 2008 - Datenschutzgerechte Handy-Nutzung

Handys – die kleinen Verräter

Handys sind nicht mehr nur zum reinen Telefonieren konzipiert. Als modernes Tamagotchi wird das Handy von seinem Besitzer gehegt und gepflegt. Sensibilisieren Sie, als betrieblicher Datenschutzbeauftragter, Ihre Kollegen für den datenschutzgerechten Umgang mit ihren Mobiltelefonen und sorgen Sie dafür, dass sie nicht zur Leistungskontrolle missbraucht werden.

Datenschutzkonzept ist Grundlage der Datenschutzorganisation (Bild: Mathias Rosenthal / iStock / Thinkstock)

Jeder Bürger in Deutschland besitzt statistisch gesehen ein Handy. Als persönlicher Begleiter speichert es neben Rufnummern noch weitere Informationen des Teilnehmers im Adressbuch – klein, handlich und immer dabei.

Definieren Sie innerbetrieblich Verhaltensmaßnahmen für Handy-Nutzung

Doch jede Technik hat auch ihre Schattenseiten, über die sich jeder Nutzer im Klaren sein sollte. Im betrieblichen Umfeld ist es daher ratsam, Regeln und Verhaltensmaßnahmen zu definieren.

Wirken Sie auf Diskretion bei Gesprächen in der Öffentlichkeit hin

Es fängt ganz banal beim Telefonieren an. Weisen Sie als betrieblicher Datenschutzbeauftragter darauf hin, dass die Mitarbeiter gerade bei Gesprächen im öffentlichen Bereich eine gewisse Sensibilität walten lassen sollten.

Von wüsten Beschimpfungen über nörgelnde Kunden bis zur Offenlegung von Kalkulationen oder Preisabsprachen – hören z.B. Mitreisende in der Bahn solche Gespräche mit, kann das unangenehme Folgen haben.

Machen Sie bewusst, dass die Abrechnung der Leistungs- und Verhaltenskontrolle Tür und Tor öffnet

Bei allen ein- oder ausgehenden Anrufen speichern Handy und Provider Daten. Die Praxis zeigt, wofür sich das nutzen lässt. So werden der Abrechnung zur Kontrolle gern die kompletten Verbindungsdaten beigelegt.

Leistungskontrollen à la zu welcher Uhrzeit werden die meisten Telefonate geführt, werden betriebliche Vorgaben eingehalten, wird z.B. regelmäßig mit den Kunden gesprochen sind somit jederzeit möglich!

Sorgen Sie für Rufnummernkürzung

Ist keine Rufnummernkürzung aktiviert, sieht der Arbeitgeber neben den Kosten des Mobilfunkgesprächs auch die volle Rufnummer des Teilnehmers. Sollten die Handygebühren aus dem Ruder laufen, werden dann z.B. gern mal die privaten Telefonate gerügt.

Das Stirnrunzeln des DSB beginnt somit bereits bei der Speicherung der Rufnummern. Sofern keine Kostenumlage erfolgt, bestehen Sie auf einer Kürzung der letzten Stellen, um eine eindeutige Zuordnung zu unterbinden.

Sensibilisieren Sie für Rechte Dritter

Machen Sie bei Foto- oder Videohandys darauf aufmerksam, dass Aufnahmen die Persönlichkeitsrechte der abgelichteten Person verletzen können.

Klären Sie auf über das Recht am eigenen Bild nach dem KunstUrhG und verweisen Sie auf eine möglichst schriftliche Einverständniserklärung der aufgenommenen Einzelperson.

Verbieten Sie „Schmuddelkram“

Immer wieder liest man von Nutzern, die gewaltverherrlichende oder rechtswidrige Daten und sogar Kinderpornografie auf ihren Handys speichern.

Weisen Sie die Kollegen auf die rechtlichen Folgen hin und verbieten Sie in einer internen Richtlinie unbedingt das Speichern solcher Daten. Regeln Sie auch die Nutzung von kostenintensiven sogenannten Mehrwertdiensten wie den Download von Videos, Bildern oder Klingeltönen.

Wecken Sie in einer Schulung das Bewusstsein für die Gefahren

Gehen Sie am besten in Form einer Schulung zusätzlich zu den bisher erwähnten Punkten auch auf die Gefahren der Handy-Technik ein.

Sensibilisieren Sie Ihre Kollegen am besten in einer Schulung für die Grundsätze eines ordnungsgemäßen Umgangs, für das Verhalten bei Verlust z.B. durch Diebstahl, für die Notwendigkeit, den Kennwortschutz einzusetzen, oder auch für die Gefährdung durch Handyviren über SMS.

Fünf Goldene Regeln für die datenschutzgerechte Handy-Nutzung
  1. Diskretion bei Gesprächen im öffentlichen Bereich
  2. Leistungs- und Verhaltenskontrolle durch Rufnummernkürzung verhindern
  3. Wahrung der Persönlichkeitsrechte bei Foto- oder Videoaufnahmen mit dem Handy
  4. Kennwortschutz einsetzen
  5. Bei Verlust oder Diebstahl: SIM-Karte sperren lassen!

Hermann Keck
Herrmann Keck ist externer Datenschutzbeauftragter.

 

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